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01.08.2003
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Songs der Liebe

Waterboys

Köln, Stadtgarten
01.08.2003

Waterboys
"Heute Abend wollen wir Songs der Liebe spielen", meinte Mike Scott, als er zusammen mit dem "Fiddler" Steve Wickham und Pianist Richard Naiff die geschmackvoll mit drei beeindruckenden Kandelabern geschmückte Bühne des (bestuhlten) Kölner Stadtgartens betrat. Das Waterboys Konzert war kurzfristig als exklusiver, akustischer Showcase für die neue Scheibe "Universal Hall" angesetzt worden und demzufolge gut besucht. Auch ohne Unterstützung durch ein Major Label können die Waterboys nämlich auf eine treue Fangemeinde zählen. Bei diesem Konzert waren dann auch eher die Stammgäste anwesend, die die abwechslungsreiche Karriere der Waterboys bereits seit den Anfangstagen aufmerksam verfolgen.

Noch mal zum Thema des Abends (und der neuen Scheibe): Auf "Universal Hall", dessen Titeltrack Scott gleich zu Beginn des Konzertes anstimmt, beschäftigt sich der Meister mit den großen, universellen Themen des Seins - vornehmlich eben der Liebe, der Spiritualität, dem Licht. Und er ist einer der wenigen Performer, dem man dieses ohne wenn und aber (und vor allen Dingen ohne mitleidiges Schmunzeln) abnimmt. Die neuen Tracks bildeten den idealen Rahmen für die Veranstaltung, denn die sparsamen Arrangements des Albums schreien geradezu nach einer adäquaten Umsetzung auf der Bühne. "Wenn ihr reden möchtet, dann geht bitte nach draußen", erklärte Mike dann auch bevor es losging, "denn wir werden heute einige sehr ruhige Stücke spielen." Scott, Wickham und der an diesem Abend erfreulich subtile Naiff taten dann auch nicht mehr, als für die Songs unbedingt notwendig erschien. Was nicht heißen soll, dass dies zu einem romantischen Lagerfeuer-Sit-In geriet: Wickham griff auch einmal zur elektrisch verstärkten "Fuzz-Fiddle" und auch Scott oder Naiff (der bei einem Stück auch Querflöte spielte) ließen ab und an ganz schön die Sau raus. Das Wesentliche an diesem Abend war indes die Balance: Jedem Sturm folgte dann auch wieder eine laue Zephir-Phase - wie z.B. in dem Falle, wo Scott das reflektive "I've Lived Here Before" ausnahmsweise solo zu Naiffs Piano-Begleitung vortrug.

Dynamik war überhaupt das Stichwort. Es war schon beeindruckend zu erleben, wie die Waterboys beliebte und scheinbar abgegriffene Tracks wie "The Pan Within" oder "Sweet Thing" (das sie von Van Morrison geborgt hatten, und nicht wieder hergeben wollten, wie Mike meinte - und das dieses Mal durch "Blackbird" von den Beatles ergänzt wurde) von einem sachten Flüstern zu ekstatischen Verrenkungen führten, ohne dabei auch nur für einen Augenblick die Kontrolle zu verlieren. Die neuen Stücke blühten in diesem Setting - wie gesagt - förmlich auf und fügten sich - wie auch nicht anders zu erwarten - nahtlos in die Songs aus der "Fisherman's Blues"- Phase ein, die Scott & Co. bei dieser Show natürlich auch entsprechend zelebrierten, wobei natürlich besonders der Track selber vom begeisterten Publikum eifrig beklatscht wurde. Dabei zeigte sich übrigens bereits in diesem Stadium, was Scott im Interview zur Scheibe andeutete: Auch die neuen Stücke ändern sich im Laufe der Zeit. So überraschte Scott z.B. schon mit von der CD abweichenden Interpretationen: "Eternal Being Of Love" wurde z.B. in einem harten Martellato-Stil vorgetragen oder der Opener "This Light Is For The World" kam ganz ohne erkennbaren Refrain aus (der auf der CD besonders akzentuiert erscheint). Das ist es auch, was Scott nicht nur als Songwriter, sondern eben auch als Performer auszeichnet. Der Mann spielt seine Musik nicht bloß nur, er lebt sie geradezu aus. Das ist auch der Grund dafür, warum man ihm jede große Geste und jede noch so blumige Metapher abkauft - ohne dass es jemals peinlich erschiene.

Abgerundet wurde diese nahezu perfekte Show durch einige überraschende Griffe in die Mottenkiste - neben dem folkigen "If You Go Away", das aufgrund des mitreißenden, kirmesartigen Jig-Teils zu einem Publikums-Favoriten wurde, spielte Scott z.B. noch "Bring Em All In" von seiner ersten Solo-CD. Zu einer ebenso überraschenden Krönung des Abends geriet dann eine Cover-Version von George Harrisons "All Things Must Pass". Interessant hierbei der Grund dafür: Mike war am Tag zuvor Gast in einer Radio Show, in der Stücke gespielt wurden, die er aussuchen durfte. Für den George Harrison Titel war keine Zeit mehr, und so entschloss er sich, den Track dann eben bei einem Konzert selbst zu spielen. Diese Show, die Mike und seine Jungs hochmotiviert in Bestform und mit beeindruckender Bühnenpräsenz zeigte, geriet somit zu einer ausgezeichneten Visitenkarte für die neue CD. Besser hätte man das Material nicht umsetzen zu können. Und erscheint insofern als Problem, denn wie man dieses Konzept auf der kommenden Tour mit kompletter Band noch steigern will, ist rätselhaft. Nun, vielleicht gelingt es dadurch, dass einige Stücke, die an diesem Abend aus verschiedenen Gründen außen vorbleiben mussten - z.B. das leicht kakophonische "Seek The Light" oder das vom kontinuierlichen Backbeat lebende "Piece Of Iona" - dann auch gespielt werden. Eines steht fest: Dieses Konzert wird so schnell nicht zu toppen sein!

Surfempfehlung:
www.mikescottwaterboys.com

Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-
 

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