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Konzert-Bericht
 
Wolkenreise mit Keksen

Wolke
Formation Doppelherz 2000/ Pawnshop Orchestra

Köln, Gebäude 9
31.03.2005

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Wolke
Nun gibt es die ausgezeichnete Debüt-CD "Sušenky" (=Keks) der Kölner Formation Wolke auch offiziell im Handel. Grund genug also, dieses Ereignis mit einer zünftigen Release-Party im Gebäude 9 zu feiern. Wolke, das sind Oliver Minck (Bass / Gesang) und Benedikt Filleböck (Piano, Beatbox) - wir berichteten. Mit diesem eher überschaubaren Konzept erspielten sich die Herren - zumindest in Köln - offensichtlich bereits eine ordentliche Fanbasis, die dann auch geschlossen versammelt war, um das Ereignis zu würdigen. Angerichtet war jedenfalls die kleine Bühne im "Foyer" des Gebäude 9, das dem Ansturm dann fast nicht gerecht wurde. Dennoch hatten sich Wolke noch Gäste zur Unterstützung geladen: Daniel "Pawnshop Orchestra" Decker, der bereits des Öfteren mit den Jungs zusammen aufgetreten war und die Formation Doppelherz 2000, eine "Band wie eine Droge" (wie es Benedikt in seiner Ansage erklärte) durften die Anheizer spielen.
Im Falle von Daniel Decker war das allerdings eher eine introspektive Angelegenheit. Ähnlich wie die Hauptprotagonisten des Abends verfolgt der Mann, den Oliver Minck ein wenig irreführend als "Nick Drake von Karst" bezeichnete, bei seinen Solo-Auftritten einen sehr minimalistischen Ansatz. Es gibt nackerte Gitarre (also ganz ohne Effekten-Firlefanz) und Gesang mit deutschen Texten. Nun ja - aus gegebenem Anlass erlaubte sich Daniel noch einen Gag: Mittels MD-Rekorder spielte er nämlich bei zwei Stücken Backing-Tracks seines im Juni erscheinenden eigenen Albums "Pawnshop Orchestra Vaudeville" ein und sang dann in lässiger Las Vergas Manier ohne doppelten Boden dazu. Besagte Tracks - eine Band-Nummer und eine Piano Ballade - verrieten dann auch, dass die Scheibe ein wenig abwechslungsreicher werden wird, als seine doch eher spröden Solo-Trips, bei denen ja ganz alleine der Song wirken muss. Daniel ist dabei ein Formalist, der sehr großen Wert auf Integrität legt. Das führt einerseits dazu, dass man sehr genau erkennt, wo seine musikalischen Vorbilder herkommen, andererseits aber auch dazu, dass sein Vortrag vollkommen unpeinlich und aufrichtig ist - zwei Pluspunkte, die ihm in seiner späteren Karriere sicherlich weiterhelfen werden. Angereichert wurde das Set mit ein paar Cover-Versionen (Justin Timberlake wurde in "Wein mir'n Fluss" verewigt und Wolkes "Mein Freund" geriet dann zum Hofknicks an die Helden des Abends), natürlich Material von der kommenden CD ("Manchmal") und ein Stück namens "Pawnshop Orchestra Must Be Destroyed", das so neu war, dass es noch nicht mal dort zu finden ist (und das natürlich ironisch zu verstehen ist). Wie gesagt: Vom minimalistischen Konzept her, passte das ganz gut zum Thema des Abends.

Minimalisten sind auch Tim B. und Mutter F. - besser bekannt als die Formation Doppelherz 2000. Allerdings auf eine ganz andere Art: Mittels zwei Keyboard-Türmen produzieren sie trashige Disko-Elektronik-Grooves (und wenn das Programm mal will, auch einen Reggae), grölen dabei Parolen, die sich oft um den Begriff "Geil" drehen und kreieren ab und an auch mal ein paar wavige Disko-Hits wie z.B. das Stück mit dem bezeichnenden Titel "Diskobann". Das ist aber eher zufällig und nebensächlich so, denn Musik ist eher Mittel zum Zweck und hauptsächlich verstehen sich Doppelherz 2000 als Spaßmacher, Partylöwen und Anheizer. Kaum zu glauben mit welcher Energie die beiden da über die Bühne toben, sich verrenken und verausgaben und vor keiner Niederung zurückschrecken ("Autoliebe" sei da erwähnt). Da die Herren das aber offensichtlich nicht mal ansatzweise ernst nehmen wollen, kommt das auch so rüber und alle sind glücklich und zufrieden. Musikalisch ist das, was die Doppelherzen fabrizieren sicherlich keine Offenbarung, aber was die Präsentation angeht über jeden Zweifel erhaben. Schön, dass es überhaupt noch Acts gibt, die sich die Mühe machen, das Publikum einfach nur unterhalten zu wollen.

Als Entertainer sind Wolke dahingegen ja nicht gerade angetreten - auch wenn Oliver Minck so die eine oder andere große Geste zu plazieren weiß. Das würde dann aber auch irgendwie von der Musik ablenken, die bei Wolke ja nun mal im Vordergrund steht. Bis auf einen Gastauftritt von Tim B. am Saxophon bei "Mein kleiner Schmerz" blieben sich die Jungs ihrem Prinzip der reinen Lehre treu. Mit Piano, Gesang sowie (nicht mal immer) mit Beatbox und Bass schafft es dieses Duo mühelos, die Leute in seinen Bann zu ziehen. Das liegt nicht nur an dem Aufmerksamkeit erheischenden Konzept, sondern zweifelsohne auch an Stücken wie "Wir sind hier" oder "Der Kapitän" die sich mit ihrer unwiderstehlich simplen, aber ansteckenden Eleganz unausweichlich in's Gedächtnis bohren. Wolke haben es tatsächlich geschafft, mit ihrer Methode eine unverkrampfte deutschsprachige Popmusik ohne Spaßgesellschafts-Faktor zu kreieren, die auch Leute verstehen können, die keine Philosophie studiert haben. Das soll nicht heißen, dass Wolke-Songs keinen Spaß machen - nur lachen braucht man nicht darüber. Nicht einmal peinlich berührt lächeln, wie so oft bei Liebesliedern mit deutschen Texten. Das hat zweifelsohne damit zu tun, dass die beiden Jungs schlicht glaubwürdig rüberkommen und sich nicht aufdrängen, sondern schlicht ihre Musik für sich sprechen lassen. Auch wenn das Material momentan noch überschaubar ist, an den Zwischenansagen noch gearbeitet werden darf, "Auf der Strecke" dann letztlich doch kein Rock-Song ist und der Rahmen des Vortrages doch eher abgesteckt erscheint (Variationen zu anderen Wolke-Konzerten waren z.B. minimal): Wolke könnten durchaus das große kommende Ding sein, nachdem wir alle schon lange suchen. Denn in dem Layout steckt noch jede Menge Potential drin.

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Surfempfehlung:
www.wolke-koeln.de
www.dieformation.de
www.pawnshop-orchestra.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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