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Konzert-Bericht
 
Why Should The Devil Have All The Good Music?

Opeth
Extol

Köln, Underground
10.09.2005

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Opeth
Die Septembertour von Opeth war schon seit längerem europaweit überwiegend ausverkauft. Dennoch entschied man sich seitens der Veranstalter für den deutschen Tourneestart in Köln im seit der Übernahme durch das Team von der Live Music Hall deutlich verschönerten, aber recht kleinen Underground zu bleiben. Aus Sicht der Besucher hat sich das ausgezahlt, denn das wunderbare Package aus dem norwegischen, christlichen Melodic Thrash von Extol sowie der letztlich unkategorisierbaren dunklen Schönheit von Opeth kommt mal ganz sicher in einer intensiven bis intimen Club-Atmosphäre am besten über die Rampe.
Schon lange vor Stage Time herrscht im schönen Biergarten des Underground bei zunächst prächtigstem Spätsommerwetter emsige Geschäftigkeit: Das in Köln ansässige aktuelle Opeth-Label Roadrunner hat die Gelegenheit für zahlreiche Interviews genutzt. Die sind beim pünktlichen Beginn des Extol-Auftritts aber schon alle im Sack, so dass man sich vollständig der so sympathischen wie energetischen Bühnenshow des Norwegen-Fünfers widmen kann. Extol stellen sich heute erstmals mit den beiden neuen bzw. im letzteren Falle zurückgekehrten Gitarristen Ole Halvard Sveen und Tor Magne Glidje live bei uns vor, wobei Tor auch für vor allem den klaren, unverzerrten Gesang verantwortlich zeichnet. Wie das aktuelle Album, so beginnt auch der Gig mit dem hymnischen "Gloriana" und behält auch mit "Soul Deprived" dessen Tracklist bei. Das das Underground jetzt noch nicht vollständig füllende Publikum geht vom ersten Moment an voll mit, sichtlich angemacht vom wuchtigen Sound, den anspruchsvollen Kompositionen und dem berserkerhaften Einsatz der Christenhorde, die u.a. mit selten in solcher Perfektion gesehenem, parallelem Ensemble-Headbanging in alle Himmelsrichtungen bestechen. Bei starkem Körpereinsatz des einfach großartigen Drummers David Husvik wackelt beispielsweise der direkt hinter seinem Kit stehende Laney-Stack von Opeth besorgniserregend. Angesichts solcher Unerschrockenheit nimmt man auch die gelegentlichen segnenden Handbewegungen (statt "Evil"-Zeichen) von Sänger Peter Espevoll nicht krumm. Auch das mit furiosen Tempiwechseln gesegnete "The Things I Found" und das ruhigere "Pearl" stammen noch aus dem Blueprint-Fundus, während das abschließende "Your Beauty Divine" auf der 2001er EP "Paralysis" wieder zu finden ist. Schade eigentlich, dass für das nochmals komplexere Material von der unerreichten 2003er Götterspeise "Sinergy" heute keine Zeit mehr bleibt. Dennoch feiert das inzwischen ölsardinenmäßig befüllte Underground die Combo minutenlang ab. Und nur zu Recht.

Zeit für die Headliner, die mit ihrem aktuellen Album "Ghost Reveries" das Kunststück vollbracht haben, die zuletzt auf Einzelalben verteilten Charakteristika wie Porcupine Tree-inspirierte Mellotron-Schwaden und melancholischen Gesang (P. Tree-Mastermind Steven Wilson hatte an mehreren Opeth-Platten u.a. als Produzent mitgewirkt), moderne Rhythmik à la beispielsweise Tool, aber eben auch zornige Death Metal-Ausbrüche in ein Gesamtkunstwerk zu integrieren. Und zu einem solchen gerät auch der heutige Gig ganz entschieden. In glänzender Spiel- und Entertainment-Laune scherzt Opeth-Boss Mikael Åkerfeldt mit dem Publikum, kontert virtuos Anpöbeleien mit launigen, deutschen Dadaismen à la "Mein Hund ist blau" oder "Bist du verheiratet?" - natürlich zum äußersten Entzücken des erschienenen, aus Proggies, Metalheads, Männlein wie auch vielen Weiblein bunt gemischten Publikums.

Ein Höhepunkt jagt den nächsten, vom zwischen einleitender, bedrohlicher Heaviness sich zu einem Jazz-artig federnden Mittelteil entwickelnden, aktuellen "The Baying Of Hounds" über das entschieden oldschoolige "When" (vom '97er "My Arms, Your Hearse") bis zur vom neuerdings als festem Bandmitglied fungierenden Spiritual Beggars-Keyboarder Per Wilberg in Mellotron-Tücher verpackten, sterbensschönen "In My Time Of Need" (von "Damnation"). Auch "The Drapery Falls" und das Titelstück von "Blackwater Park" - das Mike & Co. für eine Demonstration jener Headbanging-Qualitäten nutzt, die just ein schnöder 4/4-Takt bietet - darf hier ebenso wenig fehlen wie "The Grand Conjuration", das zur Abwechslung mal wirklich zutiefst böse klingende Black Metal-Epos von der letzten Großtat. Freundlich-einladend, humorvoll, aber in der Sache ernsthaft und umwerfend virtuos: Gemeinsam mit der phantastischen "Vorgruppe" ergab das in Summe das bislang tollste Einzelkonzert für uns dieses Jahr.


Opeth
NACHGEHAKT BEI: OPETH

GL.de: Nicht zuletzt mit dem aktuellen Album überbrückt ihr die normalerweise schwer überschreitbare Grenze zwischen Death bzw. Gothic Metal und ProgMetal bzw. symphonischem, geradezu zarten ProgRock. Und das teilweise in einem Stück. Dem Vernehmen nach wurde "Ghost Reveries" sogar von deutschem "Krautrock" inspiriert?

Peter Lindgren: Richtig ist, dass wir all dieses Sachen hören und teilweise wirklich lieben, so hat Mike tatsächlich eine Menge für Can oder Amon Düül übrig. Auf der anderen Seite hören wir auch alle beispielsweise den jungen Stevie Wonder total gerne - obwohl es schwer fallen dürfte, eine typische "jetzt kommt der Stevie Wonder-Part"-Stelle bei Opeth zu entdecken.

GL.de: Wo liegen deine Haupteinflüsse als Gitarrist?

Peter Lindgren: Das hat sich verschoben: Früher hab ich nur die Metal Guys wie Kirk Hammett oder Eddie van Halen (den ich allerdings immer noch klasse finde) vergöttert; heute hauen mich mehr Leute wie beispielsweise Robin Trower um, die weniger schreddern, damit aber sehr, sehr viel ausdrücken können.

GL.de: Euer Bandboss Mike betont auf der Opeth-Bandpage die letztliche Unvergleichbarkeit von Opeth. Wenn man jemand, der euch nicht kennt, eure Musik zu beschreiben versucht, fallen einem dennoch Namen ein...

Peter Lindgren: ...nämlich?

GL.de: Anathema beispielsweise, die eine ähnliche Entwicklung wie ihr durchgemacht haben. Nachvollziehbar?

Peter Lindgren: Absolut! Wobei wir, glaube ich, mehr von den ursprünglichen Teilen in unserer Musik beibehalten haben. Anathema hingegen haben sich weitgehend neu erfunden. Wer noch?

GL.de: Katatonia...

Peter Lindgren: Good Point! Katatonia sind ursprünglich mal als so etwas wie ein Opeth-Clone entstanden. Und Jonas (Renkse) und Mike sind heute noch die besten Freunde.

GL.de: Wie ist es für dich als (einzelner) Gitarrist, plötzlich mit Per einen festen Keyboarder in der Band zu haben?

Peter Lindgren: Absolut großartig: Per ist ein brillanter Musiker, singt, kann sogar selbst Gitarre spielen - und ehrlich, ich LIEBE seine Hammond- und Mellotron-Sounds!

GL.de: Wie sind deine Gefühle bezüglich eurer Vorgruppe?

Peter Lindgren: Rundum positiv: Extol ist eine phantastische Band, wir freuen uns sehr, mit ihnen auf Tour zu sein.

GL.de: Wenn man Texte wie den von Eurem "The Grand Conjuration" mal wirklich mit denen der Christen Extol vergleicht, können schon schon einige Widersprüche auftauchen...?

Peter Lindgren: Nicht wirklich. Einige unserer Stücke sind zugegeben wirklich ziemlich "evil", andere, wie z.B. "Hours Of Wealth" auf der aktuellen Scheibe sind rundum positiv. Wir sind einfach ganz normale Jungs, die es lieben, Musik zu machen. Am allerliebsten live.

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Surfempfehlung:
www.opeth.com
www.undeceived.net
Text: -Klaus Reckert-
Fotos: -Stephan Kunze-


 
 

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