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Konzert-Bericht
 
Kleiner Aufwand, große Wirkung

The Magic Numbers
Shout Out Louds

Köln, Gebäude 9
21.09.2005

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The Magic Numbers
Daheim in Großbritannien spielen The Magic Numbers längst in den großen Hallen. In London wurden für die Konzerte im Oktober 4 000 Tickets verkauft - und es hätten vermutlich noch mehr sein können, doch für weitere Auftritte in der englischen Hauptstadt war leider kein Platz mehr im Tourneeplan. Hierzulande reichen dagegen (noch) die kleinen Clubs, wenngleich das Gebäude 9 an diesem Abend sehr gut gefüllt war. Doch bevor die gut genährten, langhaarigen Briten, die auf der Bühne aussehen und reden wie Anti-Popstars und das irgendwie auch sind, auftraten, stand die neueste Schweden-Hoffnung auf der Bühne, die Shout Out Louds.
Die wiederum sahen ein wenig so aus, als seien sie mit ihren unters Kinn geschnallten Retro-Instrumenten aus irgendeinem 60er-Jahre-Beatschuppen im Norden Englands geflüchtet - und klangen auch ein wenig so. An eine toughere Version von The Las erinnerten sie bisweilen, schrammelten aber auch teilweise ähnlich herrlich schnell über ihre Gitarren wie The Wedding Present und hatten - trotz ihrer skandinavischen Herkunft, der britischen Einflüssen und der äußerst blonden Frau an den Tasten - auch einen Hauch der Kings Of Leon. Und noch dazu einen ganzen Haufen gut hörbarer Songs, die man in Kürze auch hierzulande in Form des Albums "Howl Howl Gaff Gaff" erwerben kann. Die 1A-Single "The Comeback" ging am Devotionalien-Stand schon an diesem Abend weg wie warme Semmeln. Auf Vinyl.
Trotz ihrer oft sanften Songs und ihrer sympathisch linkischen Ansagen entfachten danach Romeo, Angela, Sean und Michelle wahre Begeisterungsstürme. So richtig schienen die beiden Geschwisterpaare damit wohl nicht gerechnet zu haben, denn jedes Mal, wenn das Publikum unaufgefordert mitsang, mitklatschte oder sonst wie zum Ausdruck brachte, dass es das sehr, sehr gerne mochte, was die vier da auf der Bühne fabrizierten, huschte ein Lachen über die Gesichter der Bandmitglieder, das wohl sagen wollte: Bessere Ansagen als "Es ist schön, dass ihr alle gekommen seid" haben wir zwar nicht, aber dafür meinen wir es ehrlich mit euch.

So wie Belle & Sebastian auf ihren frühen Platten in den Sound der 60er Jahre verliebt waren, haben sich The Magic Numbers den 70ern verschrieben und zelebrieren herrlich leichtfüßigen AM-Radio-Sound mit wunderschönen dreistimmigen Harmonien. Natürlich haben sie bisher nur ihr feines selbstbetiteltes Album veröffentlicht, aber an diesem Abend in Köln boten sie dennoch mehr. Natürlich gab es zehn er zwölf LP-Stücke zu hören, darunter die Hits "Forever Lost" und "Hymn For Her", aber auch eine ganze Reihe Obskuritäten. Zum Beispiel das brandneue, vor wenigen Wochen für das "Warchild"-Charity-Projekt aufgenommene "Gone Are The Days" oder das liebliche Frühwerk "Amina Sola" ("Das spielen wir für gewöhnlich nicht", verriet Romeo). Die größte Überraschung allerdings war fraglos die erste Zugabe, denn was, bitte schön, würdet ihr erwarten, wenn ihr an eine Coverversion gespielt von den Magic Numbers denkt? "Sing A Song For You" von Tim Buckley vielleicht (aufgenommen in einer wunderbaren Version für das in Kürze erscheinende "Dream Brother"-Tribute-Album)? "Timeless Melody" von The Las? Oder gar "Sunday Morning" von The Velvet Underground? Hätte sicherlich alles wunderbar gepasst, gespielt haben die vier aber trotzdem "Crazy In Love" - von Beyoncé Knowles! Und schafften es dann sogar noch, die Nummer zu toppen, indem sie auch "Close Your Eyes" spielten, ihren Beitrag zum letzten Chemical Brothers-Album, bei dem sie das elektronische Beiwerk der Chemicals durch - kein Witz! - nicht ein, sondern gleich zwei Glockenspiele ersetzten. Großartig! Danach durfte das Publikum bei "Morning's Eleven" und "Wheels On Fire" noch einmal seine Sangeskünste unter Beweis stellen und wurde dann mit der Erkenntnis in die laue Herbstnacht entlassen, dass weniger manchmal wirklich mehr ist. Selten hatte man die Gebäude 9-Bühne so leer gesehen, selten aber auch mit so wenig Aufwand ein so schönes Konzert präsentiert bekommen.

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Surfempfehlung:
www.themagicnumbers.net
www.shoutoutlouds.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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