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Weniger ist mehr

Hellmut Hattler

Bonn, Harmonie
13.11.2006

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Hellmut Hattler
Seit nunmehr 30 Jahren macht Hellmut Hattler nun mit seinem Bass die Bühnen unsicher. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten, denn jedes neue Hellmut-Konzert klingt immer noch so, als spiele hier ein energiegeladener Jungspund, der voller Abenteuerlust nach neuen Wegen sucht, sich auszudrücken. Dabei hat Hellmut - ebenfalls seit Jahren - längst sein Rezept gefunden. Zu dem freilich gehört, niemals stehen zu bleiben und immer wieder Neues auszuprobieren. Und so etwas hält scheinbar jung. Mit seiner eigenständigen Mischung aus Pop, Jazz, Funk, Soul und Elektronik hat er sich zudem eine treue Fanbasis erspielt, die auch bereitwillig jeden Schritt mitgeht. Wie zum Beispiel den, seine Band um quasi die Hälfte zu reduzieren.
Ganz ohne Keyboards und sonstigen Schnickschnack (mal abgesehen von den üblichen Effekten und organisch integrierten Samples) präsentierte sich Hellmut auf dieser Tour im Quartett-Format mit Longtime-Companion Oli Rubow an den Drums, seinem alten Kumpel Thorsten de Winkel an den Gitarren und am E-Sitar und Neuentdeckung Fola Dada als einziger Sängerin. So überzeugte Hattler auch im Live-Kontext ganz im Stile seiner trefflich benannten, stromlinienförmigen aktuellen Scheibe "The Big Flow". Nicht nur das Line-Up, auch die Performance schien bei dieser Gelegenheit entschlackt worden zu sein. Nachdem Hellmut sein (übrigens jedes Mal spannendes) Instrumental-Intro absolviert hatte, dominierten dann im Hauptteil der Show weniger die hektischen, verspielten als vielmehr die getragenen und eben fließenden Tracks der jüngeren Historie - wie z.B. der Opener des neuen Albums "Waiting". Hier zeigten sich Hattler & Co. mit ungewohnt heiterer Gelassenheit und jeder Menge Soul - natürlich c/o Fola Dada, der es mühelos - und mit weniger Manierismen als jenen ihrer Kolleginnen Sandy Wollasch und Nkechi Mbakwe - gelang, das ganze Gesangs-Spektrum abzudecken. Die Chorgesänge der Herren wirkten da prinzipiell überflüssig. Thorsten de Winkel nahm sich dabei ebenso zurück, wie der Meister selber - und das galt auch für die Bearbeitungen "älterer" Stücke. Beide ließen lieber die Songs als ihre Virtuosität für sich sprechen. Jedenfalls im ersten Teil der Show. Der Mittelteil bestand dann nämlich aus ein paar Instrumentals der "Humanimal Talk" Scheibe, die die Hattler und de Winkel bereits Ende der 80er zusammen einspielten und die jetzt eigens wieder veröffentlicht wurde, um den Spekulationen auf eBay Einhalt zu gebieten, wie Hellmut erklärte. Hier gab es dann eine Mischung aus klassischer Gitarre und Jazz zu hören, die schon sehr komplex und virtuos geriet. Dennoch machte das Spaß beim Zuhören - zum einen weil die Musikanten selber Spaß hatten und zum anderen, weil sie ihr Handwerk schlicht verstehen. Wieder einmal ganze Arbeit leistete Oli Rubow, der Mann, der laut Hellmut "härter als jeder Computer und menschlicher als jeder Mensch" aufspielt. Dessen Drum'n'Bass-Variationen (und die Improvisationen im Instrumental-Teil) verliehen der Sache erst den letzten Pfiff - und ein betont modernes Klangbild. De Winkel überraschte dann noch durch einige Soli, die sehr viel rockiger rüberkamen, als bei Hattler üblich und natürlich mit deinem E-Sitar, den er indes sehr zurückhaltend einsetzte. Daneben gelang es ihm mit einem Wah-Pedal und geschickt programmierten Soundeffekten Klangflächen zu erzeugen, die jedes Keyboard vergessen machten.
Im letzten Teil der Show gab es dann Ausflüge zu den älteren Werken - z.B. in Form von "Miss America" oder "Goddess Of Love" von "Malberry Moon" oder zum Schluss, als Rausschmeißer bei der Zugabe (und mit kleinen Abstimmungsschwierigkeiten) der Funk-Knaller "New I.D." von "No Eats Yes". Die Hattlersche Diät-Version erwies sich im Ganzen dann als kurzweiliges, geradliniges Vergnügen, das sogar noch ein wenig besser schmeckte als die üppigere "Big Band"-Mahlzeit.

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Surfempfehlung:
www.hellmut-hattler.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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