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Konzert-Bericht
 
Rundumerneuert besser als neu

Rage
Personal War/ GB Arts

Köln, Live Music Hall
10.05.2001
Rage
Die harte Konkurrenz durch extremes Biergartenwetter war durch die gerade mal zu einem Viertel gefüllte Live Music Hall schon spürbar. Die trotzdem Erschienenen mussten zwar kräftig schwitzen, wurden aber mit einem bunten Heavy Metal-Allerlei belohnt...
Band Nummer 1, Personal War, waren mir ausser auf einem prächtigen Beitrag auf einer "Unerhört"-CD von den Print-Kollegen vom Rock Hard noch nie untergekommen, erwiesen sich denn auch als noch relative Jungspünde, denen es sich aber mindestens die gebotenen 30 Minuten lang absolut zuzuhören lohnte! Spieltechnisch auf erkennbar hohem Niveau, liessen es die Songs zumindest beim ersten Hören vielleicht ein wenig an Eigenständigkeit vermissen. Dass aber bei Songs vom aktuellen Album "Newtimechaos" Assoziationen an Vorbilder wie Keel, Bruce Dickinson oder Megadeth auftauchten, ist ja schon mal gar keine schlechte Empfehlung, wie ich finde.

Die schon 1987 gegründeten GB Arts gefielen vor allem durch den ohrenschmeichelnden neuen Vokalisten Markus Brands. Ihre Teilnahme an dieser Tournee ist eigentlich nicht so arg erstaunlich, denn Rage-Gitarrist Victor Smolski hat die Letzte Arts-Platte produziert und mit Andreas Dirksmeyer wirkt auch ein Mitglied seiner Ex-Band Mind Odyssey auf "The Lake" mit, ebenso wie die anderen Rage-Musiker übrigens. Aber auch die deutschen Prog-Rocker begnügten sich - ob nun freiwillig oder nicht - mit einem ca. halbstündigen Querschnitt durch ihr Schaffen und auch diesmal schienen dies die anwesenden Metalheads als gerade angemessene Dosis zu empfinden.

Denn nun erschienen ja nach abermals extrem kurzer Umbaupause auf der mit "griechischen" Tempelportalen Marke Obi-Baumarkt verschönten Bühne der Headliner Rage in der bis auf Mastermind Peter Wagner komplett erneuerten Besetzung. Und bewiesen im Verlauf eines nahezu zweieinhalbstündigen (!) Gigs schlagend, dass das aktuellste auch das beste und enragierteste Line-up darstellt. Nach majestätisch-orchestralem Intro und (ebenfalls vom Band eingespielten) Rezitationen von Drummer und dramatischem Sprechstimmenwunder Mike Terrano wurde mit diversen Highlights des letzten Dröhnträgers "Welcome To The Other Side" gleich voll auf die Sahne gelangt. Hierbei war beeindruckend, wie wunderbar das Trio die teilweise doch recht komplexen Kompositionen live mit nur wenig erkennbarer Hilfe dienstbarer Maschinen wie Fusspedalen und Bandeinspielungen reproduzieren oder sogar mit noch mehr Biss 'rüberbringen können. Drei in Rage gebrachte Musiker sind absolut genug!

Mindestens genauso überzeugend wurden mittelalte Kompositionen dargebracht, wie etwa das zu ihren vermutlich schönsten Stücken zählende "Travel Back In Time". Zweiter Punkt der Überraschung war dann aber, wie glaubwürdig die jetzt neben "Peavy" Wagner aus Victor Smolski und Mike Terrano bestehenden unheiligen Drei Könige auch frühes, eher trashiges Material präsentierten.

Sicher keine Überraschung war, dass sich nichts daran geändert hat, dass der an diesem Abend etwas erkältete Peavy zu den sympathischsten Erscheinungen im ganzen Heavy-Zirkus gehört. Der kann tatsächlich ohne Peinlichkeitsattacken das Publikum mit "Hallo Freunde" apostrophieren. Aber im Verlauf dieses langenlangen Auftritts wurde ja noch weit mehr geboten:

Drumsoli sind ja immer so eine Sache. 95 Prozent des Genres ist für alle nicht trommelnden Zeitgenossen uninteressant bis nahezu unerträglich, ich kann mich nur an eines erinnern, dass eine ganze Halle zum Ausrasten und Mitsingen brachte (von Bob Rondinelli auf Rainbows "Straight Between The Eyes"-Tour), das von "Captain" Terrano war jedenfalls durch seine mitten in den schwierigsten Rolls kaum jemals unterbrochenen witzigen Ansprachen an sein Publikum ein Novum und äusserst unterhaltsam.

Womit wir ja schon bei den unvermeidlichen Gitarrensoli wären. Der ausgebildete Orchestermusiker und Komponist von etwa der Hälfte der Titel des neuen Albums Smolski ist ohne jeden Zweifel ein Saitenzauberer allererster Kajüte. Warum er sich aber dann mit einem weitschweifigen, interne Dynamik vermissen lassendem mehrminütigen Gitarrensolo derartig wegposen musste, dass ihm die (achgottchenmandenke!) hinter dem Kopf gespielte Klampfe aus dem Gurt und fast zu Boden fällt, naja (In dem gerade mal zwei Minuten langen Zwischenspiel "Lunatic" einige Songs später beschäftigte er sich weniger mit seiner Bühnenwirkung als mit seinem Ausdruck und legte ein wunderschönes Tapping-Solo hin, das mehr als flüchtige Bekanntschaft mit Eddie Van Halen verriet).

Ach ja, und dann noch das Publikum: Fand ich ähnlich sympathisch wie die "Stars" des Abends. Das Alleroberübergrößte war ein (jeweils, nicht zusammengenommen) ca. 55jähriges Pärchen, dass gemütlich inmitten der bangenden Langmähnen händchenhaltend groovte.

Text: -Klaus Reckert-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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