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Konzert-Bericht
 
Käfer und Drachenlieder

Steve Wynn
Tiny Vipers/ Jaap Boots

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
17.02.2008

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Steve Wynn
Eines mal vorweg: Nur weil Steve Wynn zusammen mit seinem alten Kumpel, dem Gitarristen Robert Lloyd auf die lange fällige Akustik-Tour geht und ganze Konzerte im Sitzen absolviert, gehört er noch lange nicht zum alten Eisen. Ganz im Gegenteil: Ganz so, als gelte es zu beweisen, dass er nach wie vor mit Herz und Seele ein Rocker ist, suchte er sich in Roepaen Stücke aus seinem mittlerweile doch sehr umfangreichen Oeuvre aus, die sich eben nicht zwangsläufig als Lagerfeuer-Varianten aufgedrängt hätten - so z.B. "Days Of Wine & Roses", "500 Girls Mornings" oder gar "Amphetamine". Aber wie sagte er ja zuvor im Gespräch: Ein Teil des Reizes einer Akustik-Tour ist die Möglichkeit, die alten Gassenhauer immer wieder neu "erfinden" zu können.
Für die ruhigeren Töne des Abends sorgte zunächst mal Jesy Fortino alias Tiny Vipers. Die zierliche, überaus zurückhaltende Songwriterin aus Seattle entwickelte bei ihrem Solo-Set beinahe beängstigende Parallelen zur frühen Chan Marshall - weniger musikalisch, als vielmehr durch den Umstand, dass sie mit geschlossenen Augen und ins Gesicht hängenden Haaren sang und sich nicht besonders dafür interessierte, wo sich das Mikro befand - was zu einem recht intensiven, unberechenbaren Gesangsstil führt. Den Zuhörern macht es Jesy trotz dieser Intensität nicht besonders einfach, denn ihre extrem spröde aufgebauten, beinahe depressiven Zeitlupentracks erfordern aufgrund ihrer fast wellenartigen Wiederholungen sehr viel Geduld. Fast scheint es so, als verliere sich Jesy selber ein wenig in ihren nackten Klangwelten. Da es ihr zudem offensichtlich unmöglich ist, mit dem Publikum direkt zu kommunizieren, wirken Tiny Vipers-Shows auch immer ein wenig distanziert.

Davon konnte bein Support des Lokalmatadors Jaap Boots keine Rede sein. Gut gelaunt und ohne Punkt und Komma präsentierte er seine fast schlagerhaften, auf Holländisch vorgetragenen Folk-Nummern, die trotz des fröhlichen Gesamteindrucks einen düsteren Unterton hatten - ging es doch um kaputte Beziehungen und verflossene Liebhaber(innen). Boots ist auch ein großer Bruce Springsteen-Fan und zählt Steve Wynn zu seinen Einflüssen. Daraus ergaben sich eine Nummer, in der er den Boss imitierte und es gab "When You Smile" auf Holländisch als "Als u lacht" - (und später dann noch "Love Hurts" - ebenfalls auf Holländisch).

Steve Wynn und Robert Lloyd begannen dann ihr Set zunächst verhalten mit alten Klassikern wie "Never Ending Rain", "Whatever You Please", "Tell Me When It's Over" oder "Burn". Dazu spielte Robert Mandoline und Klavier und Steve machte sich darüber lustig, dass er sich immer solche Nummern aussuche, die er garantiert nicht mit Robert geübt habe, um diesen sportlich herauszufordern ("Top Of The Hill"). Ein Marienkäfer, der auf dem Mikrokabel am Boden seine Runden drehte, gehörte dabei ebenso zu Steves Fans, wie eine Gruppe Kleinkinder in der ersten Reihe. Generationen- und Spezien-übergreifend nennt man das wohl. Schließlich bat Steve den schon von diversen Miracle Three-Touren bekannten Bassisten Eric Van Loo hinzu (der demnächst auch wieder mit der Willard Grant Conspiracy auf Reisen gehen wird) und spielte einige Stücke von seinem kommenden, mit Chris Eckmann produzierten Album "Crossing Dragon Bridge". "Whatever You Please" (siehe Video) ist ein Instant-Wynn-Klassiker, "Punching Holes In The Sky" eine Up-Tempo-Nummer mit beinahe slawischem Flair und "Manhattan Faultline" eines jener Stücke, die - aufgrund der straighten Struktur - bei kommenden Shows mit Band garantiert zu den Live-Favoriten zählen wird. Später, nachdem man wieder zum bisher bekannten Steve Wynn-Songbook zurückgefunden hatte, gesellte sich noch Yuko Murata (ebenfalls Willard Grant Conspiracy) am Piano hinzu. Hier gab es dann noch ein paar bekannte Nummern wie z.B. "There Will Come A Day" oder "Medicine Show", die besagten "Wine & Roses" und "Amphetamine" und "The Deep End", das im rein akustischen Setting gegenüber der CD-Version sogar noch gewann. Insgesamt klang die Sache dergestalt mühelos und ungezwungen, dass sich die Frage aufdrängt, warum Steve so etwas nicht öfter macht. Nun, die Antwort kann man sich dann auch gleich selber geben: Länger als eine Tour hält es jemand wie Steve Wynn garantiert nicht auf dem Stuhl. Gerade das aber ist ein Grund, sich dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen...


Video-Interview mit Steve Wynn, Ottersum:

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Surfempfehlung:
www.stevewynn.net
www.myspace.com/tinyvipersss
www.jaapboots.nl
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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