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Die alte Zeit zurück

Selig

Hamburg, Übel & Gefährlich
20.03.2009
Selig
Es gibt sie wieder: Selig, Mitte der inzwischen genauso seligen 90er als eine Art deutsche Antwort auf Grunge vermarktet, sind zurück und loten mit kurzer Clubtour durch bewusst kleine Läden die musikalische Großwetterlage aus. Eine Vorband gibt es nicht, aber dafür - wie passend - Alice In Chains aus der Konserve. Das Übel & Gefährlich ist natürlich längst ausverkauft und proppevoll, wie es sich für ein Heimspiel gehört. Und außerdem stand ja ausgerechnet ab heute das neue Selig-Album "Und endlich unendlich" in den Läden.
Als kurz nach acht ein komplett in eine dunkle Mönchskutte gehüllter Typ mit rötlich leuchtenden Augen die Bühne betritt, um Handtücher und Getränke hinzustellen und sonstige, für Rockkonzerte typische Vorarbeiten verrichtet, verstehen anscheinend nicht viele die Anspielung auf Neil Youngs "Rust Never Sleeps". Was wenig später beginnt, ist ein Greatest Hits-Programm, bei dem von "Ist es wichtig?" bis "Ohne dich" alles dabei ist. Nur die neuen Songs sind etwas unterrepräsentiert, aber letztendlich war das zu erwarten.

Musikalich sitzt so ziemlich alles. Jan Plewka changiert mit leicht krächzender Stimme und Mascara zwischen Affekt, Pathos und Kitsch. Ausnahmemusiker Christian Neander glänzt mit blitzsauberen Riffs und Soli von "Hey, Hey, Hey" bis "High".

Die Handvoll neuer Songs des Abends - darunter natürlich auch die Single "Schau Schau" - werden vom Publikum ebenso euphorisch aufgenommen wie die alten. Insofern fügt sich das neue Material sehr gut ein, wie auch das zweifellos schönste Lied des Abends, "Ich fall in deine Arme", beweist. Schlafwanderlisch und leicht angefressen singt Plewka: "Und ich fall in deine Arme / Weit von hier erwacht die Welt / Ich dank dir für die Tage / Und für das, was uns hält." Demgegenüber wirkt "Wir werden uns wiedersehen" - wie konnte es anders sein: der letzte Song des Hauptteils - mit abgeschmacktem Mitgröhl-Refrain nur knapp über dem Niveau der Toten Hosen eher abschreckend.

Alles in allem war es ein gutes, wenn auch etwas vorhersehbares Programm, das dem Begriff "Comeback" auf allen Ebenen entsprach. Vielleicht würde es der Band gut tun, spätestens zu den Konzerten im Herbst mehr neues Material einzustreuen und nicht nur die 90er-Jahre-Nostalgie-Karte auszuspielen. Dann wären Selig tatsächlich zurück.
Surfempfehlung:
www.selig.eu
de.wikipedia.org/wiki/Selig_(Band)
Text: -Christian Spieß-
Foto: -Mathias Bothor-


 
 

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