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ProjeKCtmanagement bei Hofe

The Crimson ProjeKCt

Essen, Grugahalle
25.03.2014

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The Crimson ProjeKCt
King Crimson war schon immer eine Band, die zwei Seiten, zwei Facetten, zwei Charaktereigenschaften besonders stark betont: Die experimentelle, forschende, sich stetig neu erfindende Band und die nach vorne treibende, leicht aggressiv rockende, ja bisweilen sogar jammende Band. Beim Gig von The Crimson ProjeKCt in Essen hatte man die Gelegenheit, beide Seiten quasi in natura personifiziert durch die beiden beteiligten Trios live zu sehen: Die Stick Men um Tony Levin als experimentelle, stellenweise avantgardistische Einheit und das Adrian Belew Power Trio als unbeschwert jammendes, rockendes, energiegeladenes Pendant. Aufgrund sehr geschickten ProjeKCtmanagements gab es also gewissermaßen nicht nur ein, sondern drei Konzerte zu genießen, denn neben den Doppel-Trio-Sequenzen gab es auch Einheiten, die eben vom einen oder anderen Trio (zum Großteil mit neuen, eigenen Kompositionen) bestritten wurden.
Leider war die Essener Grugahalle deutlich unterbelegt und daher überdimensioniert - auch bestuhlt und mit sämtlichen Rängen komplett abgehängt, wirkte sie mit den 500 Gästen Menschen "luftig". Es eröffnete nach atmosphärisch wunderbar einführenden Soundscapes von Markus Reuter die Doppel-Trio-Besetzung mit "B' Boom", wobei hier Nomen tatsächlich wieder einmal Omen war: Denn die beiden extrem kraftvoll spielenden Drummer Pat Mastelotto und Tobias Ralph und die beiden sehr prominenten Bassisten Tony Levin und Julie Slick produzierten eine Power, die manchem schlicht zu laut war, um die vielen spieltechnischen Feinheiten, vor allem von Reuter, Levin und Slick, noch differenziert wahrnehmen zu können. Allerdings blieb der Klang bei allem vorhandenen Schalldruck immer noch relativ sauber. Anschließend dann das besonders hübsch in die Altersklasse der meisten Besucher passende "Dinosaur" mit Tony Levin mal nicht am Stick, sondern einem zitrusfarbenen Music-Man-Bass, vor allem aber mit einem beeindruckend gut aufgelegten Belew als Sänger. Keine Wackler, die Höhen sicher und mit voller Stimme ausgesungen - er scheint mit zunehmendem Alter sogar noch besser zu werden, wie auch bei "Frame By Frame" hörbar wurde. Auch als Gitarrist steht er, seine Parker Fly verwindend, kaum hinter Markus Reuter zurück, der weniger Mätzchen auf der Bühne, aber umso mehr Zauber auf der Touch Guitar produziert.

Danach gab es im Wechsel Teile des Konzerts, die vom Power Trio oder von den Stick Men alleine gestaltet wurden: Hier gab es dann hauptsächlich eigenes Material. Nach anfänglichen Schwierigkeiten erwiesen sich die Stick Men hier als Sieger nach Punkten: Ihre neuen Kompositionen wirkten insgesamt interessanter und "crimsonesquer", als die ABP3-Stücke. Hier ist das improvisierte "Open Part III" sowie "Soup" hervorzuheben, die auch endlich das etwas arg stille und zurückhaltende Publikum ein wenig aus der Reserve locken konnte. Als die Stick Men von Belew an der Gitarre, später auch vokal unterstützt wurden, konnte die Spannung aufrecht erhalten werden. Vielleicht waren das die Momente, wo man der Ursprungsband King Crimson am nächsten kam - auf jeden Fall profitierte hier der Sound davon, dass nur ein Bass-Virtuose und nur ein entfesselter Drummer-Derwisch für die rhythmische Power sorgten.

Der abschließende Doppel-Trio-Teil des Konzerts geriet allerdings zu einem furiosen Triumphzug mit einem fulminanten "Indiscipline" und dem poetischen "One Time" als Gänsehaut-Momente erster Güte. Die Zugabe "Thela Hun Ginjeet" setzte den Schlusspunkt hinter ein exzellentes Konzert. Der Gig hatte mit deutlich über zwei Stunden eine schon fast ungewohnte Länge, durch eine insgesamt sehr abwechslungsreiche Setlist kam allerdings zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf, im Gegenteil. Das im Prinzip großartige Konzert litt allerdings ein wenig an einem nicht immer sauber ausbalancierten Ensemble-Mix (der Bass-Sound, den Levin und Slick produzierten, überlagerte stellenweise alles andere - insbesondere, wenn Tony mit seinen "Funk Fingers" (Drumsticks als Fingerverlängerungen) slappte) - und an der als zu groß, vor allem als zu breit erlebten Halle. Erst im letzten Drittel des Konzerts entstand so etwas wie eine Kommunikation zwischen Band und den auf Stühlen untergebrachten Publikum.

Auch ohne Robert Fripp (dessen "Breathless" sich auf der Setlist fand) lebt das Phänomen King Crimson mit alter Kraft und sogar neuer Frische weiter, nicht zuletzt durch die eingeflochtenen Neu-Kompositionen. The Crimson ProjeKct erweisen sich als überaus vitale Nachlass-Verwalter und Erneuerer eines eigentlich abgeschlossenen Crimson-Kapitels, dem in den 1990ern aus organisatorischen Gründen wieder aufgegebenen Konzept der Doppel-Trios. Mit der jetzigen Formation ist der erste Schritt getan, das Potential einer solchen Besetzung voll zu entfalten - etwa indem die beiden Trios noch enger miteinander verschmelzen und indem die Dopplungen bei Drums und Bass zugunsten einer Differenzierung aufgehoben werden können. Dies hier war jedenfalls alles andere als eine Coverband oder eine Altherren-Truppe auf Reste-Verwertungstour! Der König ist tot, long live the Crimson King.

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Surfempfehlung:
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www.setlist.fm/setlist/the-crimson-projekct/2014/konzerthaus-karlsruhe-germany-4bc21b86.html
progrockfoto.de/index.php?id=3&album=0788.The%20Crimson%20ProjeKCt%20-%2014%20Essen
www.youtube.com/watch?v=f59HQEs90zo
Text: -Sal Pichireddu (Klaus Reckert)-
Foto: -Lutz Diehl, Progrockfoto.de-

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