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Freiräume? Genutzt!

Chantal Acda

Münster, Fachwerk Gievenbeck
17.09.2017

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Chantal Acda
In der Vergangenheit schien für die Belgierin Chantal Acda der Weg bisweilen das Ziel zu sein, die Klangmalerei wichtiger als die Struktur der Songs. Dafür fand sie bei den Aufnahmen zu ihrem 2015er-Glitterhouse-Debüt "The Sparkle In Our Flaws" mit den Geschwistern Peter und Heather Woods Broderick auch genau die richtigen Mitstreiter. Inzwischen hat sich ihr Fokus allerdings ein Stück weg vom ätherischen Americana hin zu einem freigeistigen Jam-Sound mit jazziger, ja, bisweilen geradezu weltmusikalischer Note verschoben. Dieser auf ihrer aktuellen LP namens "Bounce Back" verwirklichte "Anything Goes"-Ansatz sorgte auch beim Westfalen-Gastspiel auf ihrer von Gaesteliste.de präsentierten Tournee für viel Spaß - bei der Band wie auch beim Publikum.
Chantal Acda mag Münster. Schon des Öfteren ist sie hier an verschiedenen Orten aufgetreten, zuletzt erschien sogar ein Mini-Live-Album, das hier aufgenommen wurde. Deshalb hatte sie sich auf das familienfreundliche Sonntagnachmittag-Konzert mit Kaffee und Kuchen im urigen Ambiente des Fachwerk Gievenbeck ganz besonders gefreut, auch wenn sie für den Auftritt gewissermaßen einen ärztlichen Rat ignorieren musste. "Eigentlich sollte ich derzeit gar nicht singen, denn ich habe Halsschmerzen", gesteht sie ihrem andächtig stillen Publikum. "Deshalb habe ich auch eine Reihe Konzerte auf der Tour abgesagt, aber Münster konnte ich einfach nicht ausfallen lassen." Von gesundheitlichen Problemen merkt man während des rund 80-minütigen Auftritts im Gievenbecker Stadtteilhaus allerdings nichts. Gut gelaunt steuert Chantal ihre vier hochkarätigen Mitstreiter, Gaetan Vandewoude an Gitarre/Keyboard, Alan Gevaert am Bass, Niels Van Heertum am Euphonium und Eric Thielemans am Schlagzeug, durch neue wie alte Songs, und ganz offenbar macht es ihr eine Heidenfreude, zu sehen und zu hören, wie ihre Musiker die ihnen gewährten Freiräume zum Improvisieren nutzen. Mehr als einmal scheinen die fünf von den Outros der Songs selbst überrascht zu sein und strahlen anschließend auf der nichtexistenten Bühne um die Wette.
Ihre an anderer Stelle bereits mit Talk Talk und Efterklang verglichenen Songs zeichnen sich oft durch eine auf kleiner Flamme köchelnde Intensität aus und klingen live noch einmal deutlich lebendiger und frischer als in den Studioversionen. Selbst in ihren ambitioniertesten Momenten sind die Lieder nie schwerfällig oder sperrig, sondern einschmeichelnd und gewissermaßen schwerelos, werden getragen von der großen Musikalität der Band und Chantals Stimme. Vor den wenigen lauten Ausreißern warnt die Belgierin ihr Publikum ausdrücklich. Es soll ja niemandem der Kuchen von der Gabel rutschen oder gar im Halse stecken bleiben: "Danach wird es dann wieder ruhiger", verspricht sie. So beeindruckend die Band-Performances auch sind; Den vielleicht schönsten Moment des Konzerts gibt es zum Schluss ohne die Beteiligung der Musiker. Ganz allein, mit Akustikgitarre, aber ohne Mikro, singt Chantal das in Kollaboration mit Chris Eckman von den Walkabouts entstandene Stück "Son" und lässt die gerade einmal vier Jahre alte Nummer klingen wie einen uralten Folksong, der Dutzende, wenn nicht Hunderte Jahre alt ist. Ein besinnliches Ende eines feinen Konzertnachmittags!

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Surfempfehlung:
chantalacda.com
facebook.com/chantalacdamusic
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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