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Unverhofft kommt immer noch oft

Reeperbahn Festival 2017 - 1. Teil

Hamburg, Reeperbahn
20.09.2017/ 21.09.2017

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Reeperbahn Festival 2017
Es war mal wieder soweit - das Reeperbahn Festival hat eingeladen und gefolgt waren wieder unzählige Acts und Künstler von nah und fern, um auf den vielen Bühnen der Reeperbahn ihre Musik zu präsentieren. Auch 2017 hat es wieder den bewährten Mix aus bekannten und unbekannten Bands gegeben, man konnte sich wie immer im Vorfeld einen Plan zurecht legen und dann bereits nach dem ersten Abend feststellen, dass das sowieso nicht funktioniert - aber das ist schon Ordnung, denn nur so kommt man unverhofft in den Genuss von neuer Musik.
Nachdem das Reeperbahn Festival in seiner 12. Auflage nochmals erweitert worden war (u.a. mit dem Festival-Village auf dem Heiligengeistfeld und der Einbindung der Elbphilharmonie als Spielstätte), war es somit auch notwendig geworden, das Programm so gut wie möglich zu entzerren. Das führte dann dazu, dass es dieses Mal bereits um 14 Uhr mit dem offiziellen Musikprogramm los ging. Auf der kleinsten Bühne des Festivals - beim N-Joy Reeperbus - eröffnete somit Antje Schomaker musikalisch das Festival. Zwar hat die junge Wahlhamburgerin noch keine ganze LP im Gepäck (diese kommt Anfang nächsten Jahres), dafür aber die Erfahrung einer Support-Tour für Bosse im Rücken, der von den Do-It-Yourself-Ansatz Antjes so begeistert war, dass er sie eigens eingeladen hatte. Das zahlte sich aus, denn Antje schüttelte ihre locker-flockigen Deutschpop-Songs (mit ihrem Markenzeichen: Dem gepflegten Sprechgesang jenseits des HipHop) auch dementsprechend aus dem Ärmel und schaffte es sogar, Bewegung ins Auditorium zu bringen.

Die junge Londonerin Stevie Parker trat - gleich im Anschluss - mit ihrer Band und Wollmütze auf der Astra-Bühne auf und präsentierte düster-schwelgerischen Techno-Pop. Das war ja alles schön und gut - aber erstens befindet sich die Astra-Bühne auf einem Bus in der Mitte des Spielbudenplatzes (wogegen eigentlich nichts einzuwenden wäre, wäre da nicht das Sicherheitsgitter, das verhindert, dass man die auftretenden Musiker überhaupt sehen kann) und zweitens brach gerade zu diesem Zeitpunkt gleißender Sonnenschein über das Festivalgelände herein. Prinzipiell wünschenswert nahm dieses Setting der düster-atmosphärischen Performance Stevies dann jegliche Wirkung. Nach der Show darauf angesprochen meinte Stevie selbst, dass das nicht das geeigneteste Setting für ihre Art der Musik gewesen sei und bat darum, doch lieber die Club-Show am Abend als maßgeblich anzusehen.

Der "Wahlmünchner mit britisch-französischen Wurzeln", Xavier Darcy, war kurzfristig noch ins Reeperbus-Line-Up gerutscht und präsentierte hier Songs seines aktuellen Albums "Darcy". Auf der Scheibe gefallen die druckvoll dargebotenen Songs vor allen durch die akzentuierten Power-Pop-Arrangenents. Dieser Faktor fehlt dann beim Solo-Vortrag, wodurch die Songs dann hier ein wenig dünn erscheinen.

Im Anschluss daran war es bereits an der Zeit, sich für Ray's Reeperbahn Revue anzustellen. Der quirlige Reeperbahn-Veteran moderierte in diesem Jahr nämlich nicht nur den Anchor-Award (siehe separater Bericht), sondern führte auch an allen Festival-Tagen durch sein heiteres Revue Programm für jung und alt gebliebene Musikfreunde. Bei dieser ersten Show mit dabei waren die isländische Techno-Pop-Band Vök, die Anchor-Kontestantin Alice Merton, die kanadische Westküstenband Current Swell und der Schweizer Liedermacher Faber. Musikalisch gefiel dieses Programm dadurch, dass Alice Merton ihre aktuellen Hits "No Roots" und "Hit The Ground Running" in einem jazzigen, akustischen Solo-Setting aufführte (so hat sie ihre musikalische Laufbahn auch begonnen), dass Current Swell mit einem zugereisten Bläser-Duo überraschten und dass Faber seinen - wie er selbst sagt - verwegenen Trademark Song "Faber im Wind" solo vortrug. Und auf der Comedy-Seite überzeugte die Sache dadurch, dass Faber und Ray Cokes sich nicht so recht auf eine Sprache einigen konnten (Faber spricht nicht so gut Englisch, Ray kann kein Italienisch und Französisch war ja nix für das deutsche Publikum) - also wurde eine Dame aus dem Publikum rekrutiert, die dann die englischen Fragen Rays auf Deutsch übersetzen sollte, was zu entsprechend chaotischen Zuständen führte.

Auf dem offiziellen Eröffnungsabend im Schmidt Theater wurden dann die Jury des Anchor-Award und die Nominierten Künstler präsentiert, das diesjährige Partnerland Kanada (das in diesem Jahr das 150-jährige Unabhängigkeitsjubiläum feiert) vorgestellt - denn Kanada war an drei Tagen mit Showcases im Kukuun eingemietet und mit insgesamt über 50 verschiedenen Acts auf dem Festival vertreten. Und zuguterletzt präsentierte Ray Cokes noch das neue Festival-Projekt von Matthias Arfmann, der im letzten Jahr mit dem Ballet Jeunesse bereits für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Es ging um das Konzept Cook'n'Dub, bei dem Live-Musik und Live-Cooking auf der Bühne zu einer Einheit geführt wurden.

Das Musikprogramm war derweil bereits in vollem Gange. Auf dem Showcase des kanadischen Labels Nettwerk agierte gerade das Dänische New Wave Pop Projekt Kill J auf bemerkenswert theatralische und eindrucksvolle Weise. Bemerkenswert war das vor allen Dingen deswegen, weil die Frontfrau Julie Aagaard sich ein Bein gebrochen hatte und auf einem Rollstuhl saß. Diesen Umstand nutzte sie jedoch, um mit weit ausholenden Gesten und einer Beleuchtungsdramaturgie, in die das Gipsbein einbezogen wurde, einen beeindruckenden, dramatischen Auftritt hinlegte, der sicherlich ohne Beinbruch weit weniger effektiv ausgefallen wäre (zumal die Band im Hintergrund relativ unauffällig hantierte).

Zeit für ein Glas Rotwein war es dann beim ersten Auftritt von Brian Fennell aka SYML aus Amerika - das würde gut zum Setting passen, denn Brian selbst singt mit Falsett-Stimme am Klavier seine eher Balladen-orientierten Songs, während er von zwei Damen an Geige und Cello begleitet wurde - zwar würde das alles besser in einen kleinen gemütlichen Club passen, aber auf der Spielbuden-Bühne mit entsprechender Geräuschkulisse entfalteten sich seine Songs dennoch recht ansehnlich.

Isolation Berlin waren vor zwei Jahren noch im St. Pauli Fanshop zu sehen gewesen, jetzt gegenüber im großen Docks - obwohl man hier eher von hören als von sehen reden könnte, denn die Band scheint aktuell großen Gefallen an Gegenlicht gefunden zu haben. So war der geneigte Zuschauer größtenteils geblendet - vielleicht eine gute Gelegenheit, mit geschlossenen Augen die Musik der Berliner Band zu erleben - würde auch zu den Texten passen, die überwiegend recht düster angehaucht sind.

Im Molotow Karatekeller hatte es sich inzwischen Acey Monaro aus Austin, Texas, gemütlich gemacht - was folgte, war beste musikalische Unterhaltung von einer Sängerin mit einer ordentlichen Portion Humor und Feuer unter’m Hintern. Acey wird zwar normalerweise von einer Band begleitet, war aber diesmal solo unterwegs - das sollte aber keineswegs zum Nachteil werden, denn ihre IndieRockPop-Songs mit etwas Folk und Texas-Sound werden vor allem von ihrer druckvollen Stimme getragen. Und natürlich den recht unterhaltsamen Ansagen zwischen den Songs - so erfuhren wir, dass sich durchaus schonmal ein neues Kleid zugelegt hatte, am Wochenden darin durchgefeiert ("shitfaced" wie sie es gerne bezeichnete) und am Montag wieder zurückgegeben hatte. So ähnlich müsse sie es wohl auch mit ihrer Gitarre machen, die neu und eigentlich nur geliehen war. Also, die Tour durchziehen (natürlich shitfaced) und später wieder dem Shop zurückgegen. So zumindest der Plan.

Im Docks hatte sich derweil die Bostoner Rockband Dispatch bereit gemacht. Eigentlich agiert die Band um Chad Urstrom (auch bekannt durch das Chadwick Stokes Projekt) als Trio, hatte sich jedoch dieses Mal um einen singenden Perkussionisten verstärkt. Nach einer zehnjährigen Auszeit, in der die Musiker anderen Interessen nachgingen, sind Dispatch seit 2011 wieder gut im Rennen und zeigten sich auch im Docks als feingeölte Rockmaschine - mit einem besonderen Gimmick: Dispatch gelingt es nämlich, knackige Drei-Minuten-Songs in epischer Breite anzulegen und gerne auch mal auf fünf Minuten auszudehnen. Allerdings ohne den Drive, die Energie und das Format des Power-Pop-Song-Formates zu verlassen. Faszinierend.

Im Imperial Theater eröffnete derweil Alice Merton mit ihrer Band den Reigen der Anchor-Showcases. Gekleidet in ein eigenartiges technokratisches Indianerkostüm bot Alice zusammen mit ihrer Band eine mitreißende Show, die - neben der Präsentation der bekannten Stücke - wieder ein Mal offen legte, wie viele brillante Songs Alice im Gepäck hat. Die allgemeine Begeisterung führte dann dazu, dass Alice das Kabel aus dem Mikro rutschte. Das tat indes der Qualität der Darbietung keinen Abbruch. Keine Frage: Hätte es Jade Bird nicht gegeben, hätte Alice Merton den Anchor gewonnen.

In Angie’s Nightclub rumpelte es dann auch recht gut beim Auftritt der Australierin Jen Cloher und ihrer Band - zu der übrigens auch ihre Lebensgefährtin Courtney Barnett gehört. Hier etwas Folkcore, da etwas Slackertum, oder einfach tolle Indie-Songs - Jen bringt das ohne Probleme und viel Schnickschnack rüber, scheint auf der Bühne dauer gut gelaunt zu sein, hatte (wie sie selbst erzählte) bei ihrem ersten Aufenthalt in Hamburg und insbesondere der Reeperbahn viel Spaß und spezielle Foto-Souvenire für den Tour-Manager besorgt.

Wenn man sich den Bühnen-Aufbau von EMA im Moondoo so ansieht, könnte man eigentlich von einer härteren musikalischen Gangart ausgehen - Keyboards, Synthies, Gitarre, Schlagzeug mit hohem Elektronik-Anteil. Aber wenn dann Erika M. Anderon aka EMA mit ihrer Schlagzeugerin und einem Multi-Intrumentalisten (Keys, elektronische Geige, etc.) ihre ganz eigene Version von Pop Musik darbietet, kann man schon mal gefesselt und wie angewurzelt darstehen. Leider war Erikas Gitarre zu Beginn viel zu leise, aber ihre Darbietung und Bühnen-Präsenz macht diesen kleinen Nachteil wieder wett.

Im Kukuun begann derweil Mogli mit ihrer Band den Reeperbahn-Marathon. Im Laufe des Festivals sollten Mogli nämlich gleich vier Mal auftreten. Im Kukuun gab es eine im Vergleich ziemlich druckvolle Version ihres musikalischen Reiseberichtes. Die Songs ihres Albums "Wanderer" sind auf einer Reise mit einem zum Wohnmobil umgebauten Schulbus durch Kanada, Alaska, Kanada, die USA und Mittelamerika entstanden. Bei einer solch hypnotisch-atmosphärischen Musik von "Rock" sprechen zu wollen, wäre vielleicht etwas übertrieben, aber im Kukuun swingte die Sache recht effektiv. Geschlossene Augen hin oder her.

Der zweite Festivaltag begann im Canada House (im Kukuun-Club) mit einem Auftritt des blutjungen Tyler Shaw. Anders als viele seiner Landsleute interessiert sich der Herr aus British Columbia für die Popmusik, was er zunächst als Cover-Artist und dann mit seinem eigenen Album "Yesterday" unter Beweis stellte. Auch bei seinem Auftritt im Kukuun - seinem ersten außerhalb von Kanada - gab Shaw den gut gelaunten Pop-Sonnyboy mit einer beeindruckend professionellen Band und einer entsprechend angelegten Show im Rücken.

Ganz anders gepolt ist dahingegen Sierra Noble und ihre Band. Denn Sierra begann ihre Laufbahn als Instrumentalistin. Bevor sie erste Versuche als Songwriterin unternahm, verschrieb sie sich als Geigerin einem Metier, das sie als "Old Time Fiddle Music" bezeichnet - das ist eine kommerzialisierte Form populärer Folk-Musik, die von klassischen Formen wie Ragtime, Swing, Two-Step oder Square-Dance inspiriert ist. Auch heute noch greift Sierra zur Geige - allerdings in ihrer Funktion als Songwriterin - und mischt dann auch noch Rock-, Jazz-, Prog- und Pop-Elemente hinzu.

In der Molotow SkyBar hatte sich derweil die Niederländern Lauren Nine bereit gemacht, ihre souligen Pop-Songs in einem kurzen Solo-Set zum Besten zu geben. Lauren hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die in Liebesliedern gerne mal dominierende Melancholie durch positive inhaltliche Aspekte zu konterkarieren. Will meinen: In ihren Songs geht es nicht um Wehmut und Break-Ups, sondern das glückliche Miteinander. Mit einer beeindruckend raumgreifenden, jazzigen Stimme brachte sie diese mit ihren Songs zum Ausdruck - die allerdings dann musikalisch doch eher getragenen Charakters sind.

Im Folgenden gab sich beim N-Joy Reeperbus eine bunte Riege höchst unterschiedlicher Acts die Klinke in die Hand:

Die Kanadierin Nadia Essadiqui hat marokkanische Wurzeln und hat sich dazu entschieden, mit ihrem Projekt La Bronze auf Französisch zu singen. Dabei liefert sie - zu einem angenehm temperierten Mix aus elektronischen und organischen Elementen mit afrikanisch anmutenden Vibes - starke Statements zum Thema "Women's Lib"; etwa mit Aussagen wie "Je suis la reine de toi - ich bin deine Königin".

Das Australische Trio Tinpan Orange ist momentan immer noch auf Deutschland Tour und machte auf dem Reeperbahn-Festival gleich mehrfach von sich hören: Auf dem Reeperbus, beim Aussie Barbecue im Molotow und auf einer nicht klassifizierten Guerilla-Bühne vor den alten Esso-Häusern. Hier wie da gab es einen faszinierenden Mix aus Folkpop mit ambitionierten Prog- und Klassik-Einlagen. Ungewöhnlich. Dabei gab es auch das Zitat des Festivals: "Ich widme unseren Song 'Cities Of Gold' Hamburg", erklärte Frontfrau Emily Lubitz, "denn in Hamburg sind die Straßen mit Gold gepflastert. Und mit Kotze und anderen Dingen..."

Luísa nutzte ihren Heimvorteil als Hamburgerin, um auch mehrfach auf dem Reeperbahn-Festival aufzutreten. Neben ihrer Show im Molotow schaute sie auch noch bei einer Pizza-Bude und eben dem Reeperbus vorbei. Eine neue Scheibe ist zwar noch nicht in Sicht, aber auch das gewohnte Programm gefällt im Solo-Setting - bei dem Luísa geschickt mit organischen, elektronischen und gesampelten Elementen hantiert - einfach immer besser.

Alice Merton schaute vor ihrer Show im Docks am Abend noch mal kurz beim Reeperbus vorbei. Dort äußerte sie Bedenken bezüglich ihres Mikrofon-Problems vom Vorabend, durfte sich aber andererseits über den größten Zuspruch erfreuen, der bislang zu einer solchen Tageszeit beim Reeperbus registriert worden war.

Der Neuseeländer Marlon Williams nutzte den Gig beim Reeperbus als akustisch Vorbereitung und Einstimmung für seinen Band-Gig später im Häkken. Hier wie da gab er im Prinzip den manischen Teufelsprediger, tat das jedoch auf dem Reeperbus im Schafspelz und präsentierte mit jodelnder Stimme sehr, sehr merkwürdige folkloristische Möderballaden mit Gospel Touch. Im Häkken am späten Abend gab es dann die volle Preacherman-Dröhnung inklusive Old-School-Country, Kaputnik-Blues und Teufels-Gospel. Kurz gesagt: Nick Cave kriegt sowas auch nicht intensiver hin.

Seit ihrem Hit-Song "Legendary" (der natürlich auch beim Reeperbus präsentiert wurde) ist das Sextett Welshy Arms aus Ohio in aller Munde - und dementsprechend populär. Natürlich war auf dem Reeperbus kein Platz für die ganze Band, so dass sich Sam Getz & Co. als Trio präsentierten. Und zwar ein bemerkenswert zugängliches, denn nach der Show standen sie für die Fans ausführlich zur Verfügung.

Den ersten von vier Auftritten beim Reeperbahn Festival legte Ella Walker aka Wildes auch beim N-Joy Reeperbus hin. Wenn man Wildes zuvor noch nicht live gehört hat, kann man sich durchaus Sorgen um die Stimme machen, die öfters mal wegbricht - aber das scheint fast schon Standard zu sein und passt natürlich zu den schönen, melancholischen Songs.

Gold Class ist schon ein großer Name - allerdings kann die Musik da nicht ganz mithalten und auch das Aussehen der Bandmitglieder lässt auch einen Wiedererkennungswert vermissen. Musikalisch irgendwo im New Wave der frühen 80er verortet, aber das war es auch schon. Schade, das klang besser vom Papier her.

J. Bernhart lud dann zum Tanz in den Moondoo Club - auf deren übersichtlichen Bühne der Kollege dann auch jeden Zentimeter betanzte und kaum eine Sekunde stillstand. Er selbst bedient zwischendurch ein Drumpad mit Samples, spielt ab und zu Gitarre und fragt dann unverhofft nach deinem Deo, "denn hier stinkt es ein bisschen" - vielleicht eine Folge des erhöhten Schweiß-Austritts der Anwesenden, denn die Songs von J. Bernardt verlangen einfach nach Bewegung. Die er selbst auch auslebte, als er während eines Songs einen Spaziergang durch das Publikum unternahm.

Im Kellergewölbe des Bahnhof St. Pauli fummelten derweil Cole Hauser und Shpresa Lleshaj - besser bekannt als Flora Cash - an ihren Laptops und Keyboards herum. Das war aber wohl auch notwendig, denn das musikalische Setting des amerikanisch/schwedischen Paares aus Stockholm (das sich ursprünglich interkontinental über Soundcloud kennengelernt hatte) basiert auf sorgsam verschachtelten elektronischen Elementen, Samples und Recordings auf der einen Seite und Folk-Elementen auf der anderen. Bei der Show im Bahnhof war das allerdings aufgrund des exorbitanten Einsatzes von Kunstnebel und Blendbeleuchtung nur schemenhaft zu erkennen.

So jung wie der Bandname es verheißen mag, waren Milk Teeth aus England dann doch nicht, aber dafür lieferten die vier einen erstklassigen Punkrock-Auftritt auf der Spielbude ab. Das machte großen Spaß und Respekt an den Drummer, der schon zu Beginn des Auftritts verschwitzt antrat. Allerdings büßte er durch sein dauerndes Spucken einigen Respekt wieder ein, aber hey, das ist dann wohl Punk. Mit der Ansage, dass sie eigentlich nur für einen sehr kurzen Abstecher in Hamburg und in vier Stunden nach dem Gig schon wieder auf dem Rückflug seien, verabschiedeten sie sich in die Nacht.

The Regrettes aus Burbank, Kalifornien, müssten eigentlich The No-Regrettes heißen, denn die blutjunge Band (teils noch nicht volljährig) kümmert sich einen Scheiß um alles Dagewesene, spielt einfach gut gelaunt und spaßig drauflos und heraus kommen kurze IndieRock-Songs mit Anleihen an den Garagen-Punk und sogar eine nette Version von Sweets "Ballroom Blitz".

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Surfempfehlung:
www.reeperbahnfestival.com/de/
www.facebook.com/reeperbahnfestival
Text: -Ullrich Maurer / David Bluhm-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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