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Stadienreif

Elif
Klan

Köln, Stadtgarten
03.10.2017

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Elif
Zugegeben: So ganz ernst gemeint waren die Stadien-Referenzen wie "ich habe das Gefühl, mit dieser Band auch im Stadion auftreten zu können" oder "das (die Handy-Lampen) sieht ja aus wie im Stadion", die Elif als Andeutung in den Raum warf, sicherlich nicht; aber irgendwie war das, was die zierliche Songwriterin mit ihrer sechsköpfigen Band da auf die Bühne des Stadtgartens zauberte, dann schon ein wenig größer als das richtige Leben. Das hatte viele Gründe - vor allen Dingen aber jenen, dass sich Elif auf der Bühne sichtlich wohl fühlt und keine Gelegenheit auslässt, das Publikum plakativ und mit großer Geste mit einzubeziehen. Dazu gehörte auch, dass sie es nicht nehmen ließ, ihren Support-Act - das Brüder-Duo Klan aus Berlin - anzusagen und nachdrücklich zu empfehlen.
Der Name des Projektes ist dabei vielleicht nicht so ganz glücklich gewählt - denn immerhin gibt es eine polnische Prog-Rock Band und eine türkische Psychedelik-Band namens Klan, eine Punkband namens The Klan und ein HipHop-Projekt namens Der Klan. Davon unabhängig haben die Brüder Stefan und Michael ein interessantes Konzept entwickelt, auf der Bühne zu zweit moderne deutschsprachige Popmusik mit organischen und elektronischen Elementen zu fabrizieren, die eigentlich nach deutlich mehr klingt, als zwei einsamen Männekes. Mit Hilfe von Drumloops, Patches, Samples, einem elektronischen Drum-Pad, Keyboards und Stefans Gitarre (die zuweilen erfreulich rockige Töne von sich gibt) und dem den philosophisch angehauchten Texten von Bruder Michael (in denen dieser sich altersbezogene Gedanken über universelle und persönliche Themen macht) erschaffen die Gebrüder Klan eine attraktive, eingängige aber auch intelligent zusammengestückelte Deutschpop-Melange mit vielen Aspekten, die jenseits des angesagten Songwriter-Settings auf diesem Gebiet liegen - zum Beispiel in Richtung Techno-Pop, Indie-Rock- oder Club-Elementen. Zwar gibt es von Klan noch keine Tonträger - aber dennoch schien es, dass sie sich mit dieser Show bereits ziemlich viele potentielle neue Fans erspielt haben könnten.
Als eine der wenigen, die aus ihrer Teilnahme an einer Casting Show Kapital schlagen konnten (nicht etwa, weil die dort gewonnen hätte, sondern weil sie das, was sie dort lernte, für sich nutzen konnte und sich andererseits dortselbst nicht verbiegen ließ) gehört Elif ja eigentlich schon zu den alten Hasen im Geschäft - obwohl sie soeben erst ihre zweite LP "Doppelleben" veröffentlicht hat. Warum das so lange gedauert hat, erklärte sie auch gleich in einer der vielen, persönlichen Ansprachen ans Publikum: Nach der Veröffentlichung ihres Debüts "Unter meiner Haut" (das sie übrigens weiland an gleicher Stelle erstmals präsentierte) sei sie gleich auch in eine Identitätskrise gefallen und habe sich erst mal finden müssen - was auf "Doppelleben" auch in mehrerlei Hinsicht thematisiert wird. Dass sie die Fans an dieser Sinnfindung nun auf relativ offenherziger Form teilhaben lässt, indem sie erstens die Erfahrungen in den Texten verarbeitete und zweitens nun bei den Live-Konzerten eingehend erläutert, macht unter dem Strich das Erfolgsrezept Elifs aus - sich nämlich barrierefrei und vollkommen glaubwürdig zu präsentieren.

Kommen wir aber mal zur Kölner Show: Eigentlich ist "Doppelleben" ja ein eher ruhiges, nachdenkliches und balladeskes Album geworden - und auch das Debüt ist nicht unbedingt als Rockscheibe verschrien. Deswegen überraschte es dann doch eher, dass das Programm des Abends überwiegend aus druckvollen, lebhaften High-Energy-Nummern bestand, denen Elif hyperaktiv mit einer - ebenfalls überraschend - druckvollen Stimme zusätzlich Feuer verlieh. Nun gut: Letzteres kam dann eher mit Ansage, denn bereits bei den Interviews zu der letzten Scheibe deutete Elif an, dass sie an ihrem Gesang arbeiten wolle, der bislang insbesondere auf Konserve eher zurückhaltend und im Flüsterton ausgelebt wurde. Das, was Elif hier im Stadtgarten bot, war dann allerdings tatsächlich teilweise schon fast stadienreif (womit wir wieder beim Thema waren). Und dass die meisten Songs mit einer unerwartet konsequenten Energieleistung dargeboten wurden, lag keineswegs alleine daran, dass etwa nur Uptempo Nummern wie "High Five" im Zentrum standen, sondern dass nicht nur Elif selbst, sondern auch die ganze Band mit Begeisterung bei der Sache war und somit auch Songs, die auf dem Papier durchaus als Ballade durchgegangen wären, druckvoll aufgepimpt daherkamen - auch arrangementstechnisch, denn mit zwei E-Gitarren, Keyboards, diverse Bässe und Geige/Cello/Posaune (c/o Anne de Wolff) stand da einiges an Instrumentarium zur Verfügung, um die Sache variantenreich aufzubohren. Natürlich gab es dann auch die Balladen wie etwas "Schwarz Weiß Grau", die dann zwar nicht musikalisch, aber zumindest optisch und performancetechnisch dramatisch aufgeblasen wurden. Eigentlich so, wie es auch sein sollte.

Elifs Ziel, sich mit einer einfachen aber geradlinigen Sprache möglichst klar auszudrücken, geriet da niemals in den Hintergrund, denn zum einen gehört Elif zu den Performerinnen, die im Vortrag nicht mit der Diktion schludern und zum anderen führt das natürlich dazu, dass jeder die Texte mitsingen und vor allen Dingen nachempfinden kann. Missverständnisse sind somit ausgeschlossen und peinlich oder gar unfreiwillig komisch ist das auch nicht, denn so viel Aufrichtigkeit duldet keine diesbezügliche Kritik. Den bis auf den letzten Platz gefüllte Stadtgarten hatte Elif somit eigentlich schon in der Tasche als der erste Track noch gar nicht ganz ausgeklungen war. Kaum zu glauben, dass dies erst der Auftakt zur Live-Präsentation der neuen Scheibe gewesen sein sollte - aber Elif versprach, in einer zweiten Konzertstaffel dann auch größere Hallen zu bespielen. Bzw. Stadien? Dem Vernehmen nach arbeitet die Gute schon an neuem Material. Es scheint, dass sich die Fans da noch auf so einiges gefasst machen können.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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