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Konzert-Bericht
 
Alle Erwartungen erfüllt

Die Sterne

München, Feierwerk/ Hamburg, Markthalle
17.03.2002/ 24.03.2002
Die Sterne
In München sieht man sie fast gar nicht mehr, die sogenannten Anoraks: Junge Männer mit femininen Kurzhaarfrisuren, ausgestattet mit Trainings- oder Skijacken im Stile der 70er. An diesem Abend im seit Wochen ausverkauften Feierwerk, so macht es den Anschein, sind sie alle zusammen gekommen. Die Sterne waren mal Teil einer Jugendbewegung und treue Fans haben sie immer noch, wenn auch nicht mehr ganz so jugendliche. Nach reichlich Vorschußlorbeeren durch das freudig erregte Auditorium, betreten die vier Herren aus Hamburg die Bühne, suchen nach bekannten Gesichtern vom Auftritt im Atomic Cafe, den sie erst Ende Januar absolviert haben und erklären, daß heute in etwa das gleiche zu hören sein werde, weil man seit dem nichts geschafft habe. Tatsächlich stimmt sogar die Setliste weitgehend überein, aber das scheint niemanden zu stören.
Die Sterne
Zuerst holperte das Miteinander noch etwas, dann kommt man langsam in die Gänge und spielt sich zunächst durch das Repertoire der 10-jährigen Bandgeschichte. Solide und ganz den Erwartungen der Anhängerschaft entsprechend, die erste Hälfte des Auftritts. Ab und zu wird ein Hörerwunsch geäußert und dann und wann auch erfüllt. Neulich, so wird zu einem solchen Anlaß erklärt, habe einer im Publikum sich einen Song von Tocotronic gewünscht, so einer Band aus Hamburg. Solcherlei Ansinnen würde allerdings nicht entsprochen und heute wagt auch niemand derartiges.

Eine Pre-Release-Tour ist es, die die Hamburger so bald wieder nach München geführt hat und so werden dann auch einige Stücke der "Nur Flug" betitelten neuen Platte, die ab Ende März im Handel ist, zum Vortrag gebracht. Generell ist das Material weniger Rhythmus-betont und mehr auf eingängige Harmonien und Melodien aus. Ein wenig erinnert das an das, was Blumfeld und Kante bereits vorgemacht haben und das Publikum reagiert verhalten wohlwollend. Gegen Ende des Auftritts ist dann bei alten Hits wie "Ruiniert" oder "Universal Tellerwäscher" allgemeines Mitgrölen angesagt und getanzt wird natürlich auch ein wenig. Und als schließlich mit "Allein machen sie dich ein", dem Beitrag der Sterne zum Ton Steine Scherben Tribut-Album, doch ein "fremdes" Stück angestimmt wird, wagt sogar ein vereinzelter Stagediver den Sprung von der viel zu niedrige Bühne.

Die Sterne
Nicht krank, aber ziemlich fertig sei er, meint Sänger Frank Spilker irgendwann entschuldigend. Auch die gute Stimmung im Saal kann nicht darüber wegtäuschen, daß hier ein eher durchschnittlicher Auftritt einer vergleichsweise routinierten Band zu sehen ist. Auch wenn nicht die ausgelassene Partystimmung ausgebrochen ist, über die von anderen Tourstationen berichtet wurde, so wurden doch alle Erwartungen erfüllt.

Ein paar Tage später in Hamburg...

...Die real existierenden Sterne funkelten bereits am eiskalten Hamburger Sonntagabendhimmel, als der Einlaß in die Halle zur Geduldsprobe wurde. Noch ärgerlicher dann die schnell um sich greifende Erkenntnis vieler Medienvertreter, daß ein erheblicher Teil der Gästeliste schlichtweg verschwunden war. So drehten sich drinnen die Diskussionen zunächst weder um die neue Scheibe oder die beiden (allerdings tatsächlich zu vernachlässigenden) Vorbands. Ein paar Frustgetränke später hatte sich dann bei den meisten dennoch annähernd Partystimmung breitgemacht.

"Einen Schluck Apfelsaft und weiter geht's..." war auch das Motto auf der Bühne. Daß ausgerechnet bei der aktuellen Single "Nur Flug" eine Saite reißen mußte, zudem die Snaredrum für unerwünschtes und langanhaltendes Feedback auf der Bühne sorgte ("Macht sie aus... ansonsten spielen wir ohne Schlagzeug weiter!") sorgte nicht wirklich für ein reibungslos fließendes Konzert. So flachste man sich durch die Titel, klärte, wer der Arsch in der Band sei, alberte mit den ersten Reihen über Gesten und brachte auch hier in der ersten Konzerthälfte zumeist neues Material zu Gehör.

Und das wurde interessiert aufgenommen. Nach dem wippenden "Nur Flug" mit "Hängen Hart" ein kleiner Gruß an die Hamburger Northern Soulpunker ("Das würde Superpunk sicher gefallen"), das den Albumtitel "Irres Licht" unterstreichende "Ich bring euch beide um" und die Philosophie in "Du hast die Welt in deiner Hand" ("...nun gib sie wieder her!") bestanden ihr rumpelndes Live-Debüt.

Nach der wunderschönen, elegischen, verkappten Liebeserklärung an die Heimatkneipen "Wenn dir St.Pauli auf den Geist fällt" kommt auch in Hamburg die Wende mit oft wie gerne gehörtem a la "Universal Tellerwäscher", "Risikobiographie", "Was hat dich bloß so ruiniert" und natürlich dem Sex in den "Trrrmmern". Und am Ende des langen Abends, als bereits der Tageswendepunkt überschritten ist, fällt der Ärger vom Beginn für einen Moment lang etwas weniger ins Gewicht. Das will auf Morgen verschoben sein. So soll es sein.

Text: -Dirk Ducar (M) / Michael Kellenbenz (HH)-
Fotos: -Dirk Ducar-


 
 

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