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Konzert-Bericht
 
Zwischen Ying und Yang

Marla & David Celia

Köln, Kulturraum 405
16.04.2022

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Marla & David Celia
Also wenn sich der Kulturraum 405 in Köln Ehrenfeld als alternative Spielstätte für Singer-/Songwriter empfehlen möchte, dann sollte dringend an der Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet werden, denn der Laden ist selbst dann nur schwer zu finden, wenn der geneigte Interessent direkt vor der angegebenen Adresse steht. Das aber nur mal am Rande. Das deutsch-kanadische Singer-Songwriterpaar Marla & David Celia hat sich ja als absolut unabhängig agierendes Musik-Imperium geradezu darauf spezialisiert, an ungewöhnlichen Orten zu spielen. Die so demonstrierte Flexibilität zum Beispiel auch in Buchungsfragen ermöglichte es dem Paar dann auch, im Oktober letzten Jahres - mitten im Lockdown - als so ziemlich einzige internationale Vertreter ihrer Zunft eine kleine Club-Tour in unseren Breiten zu realisieren. Seither ist viel passiert: So haben Marla & David heimlich, still und leise ihr zweites Album "Indistinct Chatter" geschrieben, interkontinental eingespielt und ohne viel promotechnisches Tamtam auch veröffentlicht - und dieses galt es nun auf der aktuellen Tour zu präsentieren.
Wie üblich bestand das Set dabei aus zwei Teilen - wobei der zweite traditionell offener gehalten ist, weil sich am Ende einer Marla & David Celia-Show sowieso immer die obskureren Ideen Bahn brechen und auch das Publikum stärker einbezogen wird. Der Kulturraum 405 ist dabei in der Form eines mit alten Sesseln und Couches bestückten Wohnzimmers angelegt - wobei die Bühnenbeleuchtung aus zwei alten Stehlampen bestand, was der Sache von vornherein einen intimeren Charakter verlieh, andererseits aber dazu führte, dass die Zuhörer nicht mehr sehen konnten, was gespielt wurde, wenn Marla und David ihre Gitarren ausstöpselten, um aus dem Publikum heraus unplugged zu agieren - was sie gerne tun. Da muss und könnte noch dran gearbeitet werden - schon alleine deswegen, weil es Möglichkeiten für eine geregelte Ausleuchtung vor Ort gibt. Das Programm bestand dann überwiegend aus den Songs der beiden gemeinsamen Alben "Daydreamers" und eben "Indistinct Chatter" - abgerundet jeweils mit einigen Beispielen aus Davids reichhaltiger Solo-Audiothek und Marlas Solo-Album "Madawaska Valley". Im Wesentlichen lässt sich sagen, dass die Songs des ersten Albums deutlich persönlicher gefasst sind ("Lovey Dovey" nennen das Marla und David) und jene des zweiten Albums sich eher universellen Themen widmen, die aber durch poetische Aphorismen und Metaphern so gut wie möglich kaschiert sind. Ein Beispiel für die erste Gattung ist dabei der eingangs gespielte Songs "Lover Of Mine" (das erste Stück, das Marla & David gemeinsam geschrieben haben) und ein Beispiel für die andere Richtung ist "Struggling With The Ying Yang", der zu Beginn des zweiten Sets gegeben wurde. Wichtige Bestandteile für beide "Song-Sorten" sind dabei ein musikalisches Faible für altmodische Musikformen aus einer besseren guten alten Zeit (sagen wie mal Vaudeville, Swing, Country, Folk oder Ragtime) und in jeder Lebenslage auch eine vernünftige Portion Humor. Den gibt es auch bei den Zwischenansagen, wobei Marla in Köln stets darauf hinweist, aufgrund eines halbjährigen Aufenthaltes eine besondere Beziehung zur Domstadt zu haben.
Das ist alles immer wieder äußerst charmant und unterhaltsam - aber ehrlich gesagt, wird und wurde die Sache erst im zweiten Set dann so richtig spannend und hanebüchen. Etwa dann, wenn David Celia sein Magnum-Instrumental "The Wind" mittels Loop-Station zur Symphonie steigert und sich Marla dazu vor der Bühne hinlegt oder wenn Marla mit "Cuenta Conmigo" ihren ersten Song auf Spanisch vorträgt, wenn David zum Omnichord (nicht Omikron!) greift und Marla dazu Ausdruck tanzt, wenn dann m Zugabenblock Syd Barretts Ur-Pink-Floyd-Song "Bike" oder Joni Mitchells "Woodstock" in der Neil-Young-Gedächtnis-Rock-Version zu Besten gegeben wird oder wenn Veranstalter Toby sich hinzugesellt, während David am halbgestimmten Hauspiano Platz nimmt und alle zusammen eine um eigene Strophen erweiterte Version von Leonard Cohens "Passing Through" vortragen - bis sich dann alles in Wohlgefallen, Cheers, Group-Hugs und Familienfeier-Stimmung auflöst.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/marladavidcelia
marlaanddavidcelia.com
www.instagram.com/marla.davidcelia
marladavidcelia.bandcamp.com
www.youtube.com/watch?v=0GFvjSXXesE
www.youtube.com/watch?v=WQ9Az05CsiY
www.youtube.com/watch?v=NszRqbtrwA4
www.youtube.com/watch?v=1hBkWRA2bog
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
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