Johnny Marr nimmt es gelassen und steht auf der Bühne, als mache er das täglich mindestens fünf Mal. Fast ein wenig distanziert und kühl wirkt der Gute, zumal er, wenn er mal gerade nicht singt, auch noch Kaugummi kaut, einen Song nach dem anderen spielt und bis auf Weiteres weder mit dem Publikum, noch mit den Bandkollegen kommuniziert. Für letztere wäre das ohnehin nicht nötig, denn die drei erweisen sich als fantastische Musiker. Was auch erklären würde, warum es Marr so unheimlich wichtig war, die richtigen Musiker für sein Projekt zu finden. Die lange Wartezeit scheint sich gelohnt zu haben, denn hier sitzt jeder Ton. Was auf dem Album "Boomslang" schon mal als "zerfahren" oder "unentschlossen" charakterisiert wurde, klingt hier live erstaunlich homogen und nicht selten wird man hinterher Kommentare hören wie "live viel besser als auf Platte." Neben vielen Songs des Albums gibt es allerdings auch einige nette Raritäten. Das brandneue "All Out Attack" zum Beispiel und die geradezu beatle-esque umarrangierte Coverversion von Bob Dylans "Don't Think Twice, It's All Right".
Doch bevor der Mann aus Manchester Gefahr läuft, arrogant zu wirken, taut er merklich auf, tanzt herum und findet auch endlich seinen Humor wieder. Zugaben gibt es nicht, die seien "bullshit", erfährt die Hörerschaft. Trotzdem kann er es sich nicht verkneifen, nach "Need It", dem planmäßig letzten Stück des regulären Sets, schelmisch ein kurzes "Goodnight" ins Mikro zu murmeln, ohne allerdings danach die Bühne zu verlassen... Und bevor die Single "Bangin' On" als letztes Stück an diesem Abend erklingt, spricht der Meister noch ein paar wichtige Worte: "Ich versuche, Zeug zu machen, das ihr mögt. Wenn es euch gefällt, ist das toll, wenn nicht...well then fuck you!" Selten hat man so sehr den Eindruck, dass jemand "Fuck you" sagen kann, ohne dabei arrogant zu erscheinen. Gerade, wenn Marr sich dabei selbst nicht allzu ernst zu nehmen scheint, denn dieser Spruch lässt selbst ihn zum ersten und letzten Mal an diesem Abend grinsen.