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Live forever

Monsters Of Rocco - Liebeskreis für Rocco Clein

Köln, Live Music Hall
01.03.2004/ 02.03.2004
Monsters Of Rocco
Am 01. Februar 2004 verstarb unser Journalisten-Kollege Rocco Clein überraschend an den Folgen von Hirnblutungen. Er hinterließ seine Frau und seine beiden kleinen Kinder Jackie und Julius. Für diese wurde in kürzester Zeit ein geradezu sensationelles Benefiz-Konzert gestrickt, für das sich Freunde und Kollegen aus allen Bereichen selbstlos bereit erklärt haben, zu organisieren und zu mobilisieren, um diese Veranstaltung möglich zu machen. Am 1. und 2. März war es in Köln nun so weit - das "Monsters Of Rocco" ging über die Bühne der zweimal fast ausverkauften Live Music Hall.
Der erste Abend wurde - treffend apokalyptisch - von Blackmail eröffnet, die zwar ein paar Probleme hatten, die sich langsam füllende Live Music Hall auf Betriebstemperatur zu bringen, aber ansonsten wie gewohnt solide rockten. Da die Koblenzer mit jedem Konzert mehr nach Placebo klingen, schwand der zuvor durchaus vorhandene Nervigkeitsfaktor etwas, und statt anstrengend zeigten sich Aydo und Co. an diesem Abend von ihrer zugänglichsten, eingängigsten Seite.

Danach durften die Lokalmatadore Angelika Express auf die Bühne, die spielten, obwohl Sänger Robert eigentlich krankheitsbedingt das Bett hätte hüten sollen. Aber nachdem die drei Kölner ihr neues Album "Alltag für alle" dem guten Rocco gewidmet haben, war ein Auftritt an diesem Abend eine Ehre und eine Pflicht. Manchmal kratzte Roberts Stimme zwar wirklich etwas, aber ansonsten spielte sich das Trio energiegeladen wie eh und je durch ihr kurzes Programm, dessen überraschender Höhepunkt eine gekonnte Coverversion des großartigen Cheap-Trick-Hits "I Want You To Want Me" war. Fein!

Die heimlichen Headliner die gesamten Veranstaltung durften bzw. mussten dann schon am ersten Tag um kurz nach 21.00 Uhr ran. Während die meisten Akteure des Festivals Bands waren, die Rocco mehr verdanken als umgekehrt, spielten - mit nur zwei Proben, aber trotzdem lässig wie immer - echte Helden aus Roccos Jugend, als er noch als Stefan oder Bick bekannt war. Family*5 standen auf der Bühne und rockten - obwohl ein bisschen in die Jahre gekommen - kurzerhand alles weg. Dabei hatten sie sich noch nicht einmal auf ihre größten Erfolge konzentriert ("Im Auswerten unserer Greatest Hits waren wir noch nie besonders gut", merkte der klasse aufgelegte Sänger Janie an), spielten viel obskures Zeug ("Viertel vor") und hatten sogar eine brandneue ziemlich rifflastige Nummer am Start, deren von Trompeter Meki stammender Text witzigerweise "Ein Jahr (Es geht voran)" von den Fehlfarben zitierte. "Man merkt, dass er fünfzehn Jahre lang neben mir gestanden und immer gut aufgepasst hat", bemerkte der eigentliche Texter Janie dazu grinsend. Apropos Fehlfarben: Mit dem umgekrempelten "Grauschleier" gab es auch einen Abstecher zu Janies anderer Band, den Fehlfarben, und mit Hymnen wie "Mit Fug und Recht", dem immer wieder großartigen "Stein des Anstoßes" und (ganz zum Schluss) einer wilden Punkrockversion der "Kinder im Rhein" auch noch ein paar "Top Of The Flops".

Die Sterne kündigten danach ihren Auftritt als offene Probe an, und auch wenn sie sich mehr als einmal verspielten und die Abstimmung des Öfteren nicht klappte ("Universal Tellerwäscher" brauchte zwei Anläufe, beim abschließenden "Risikobiographie" war Drummer Christoph irgendwie früher fertig als die anderen), war der Auftritt der Hanseaten doch stets charmant und war mit reichlich Hits ("Was hat dich bloß so ruiniert?", "Widerschein") und einigen interessanten neuen Songs auch programmtechnisch gut getimt.

Den krönenden Abschluss besorgten dann sehr zu Freude der unzähligen Turbojacken-Träger im Publikum die Osloer Helden von Turbonegro, die ihre Trauer erwartungsgemäß mit Geschwindigkeit und Härte bekämpften - sehr zur Freude der versammelten Meute vor der Bühne. Dass Sänger Hank von Helvete das Erscheinen seiner Band damit begründete, dass Roccos Kinder einmal zur Schule gehen können, ließ sich zwar nicht mit den deutschen Bildungsgesetzen vereinen, war allerdings auch nebensächlich - spätestens, als die Neandertaler-Hymne "I Got Erection" durch die Boxen schallte und am ersten Tag einen schwer rockenden Schlusspunkt setzte.

Den zweiten Abend eröffneten zwei Bands, die Brüder im Geiste sein könnten: The Monochords und Cellophane Suckers. Verwurzelt in der musikalischen Vergangenheit, zitatfreudig (vor allem die Suckers), aber trotzdem immer mit Vollgas bei der Sache, wärmten die beiden Bands das Publikum ordentlich vor. Wer konnte und wollte, durfte Haare und Gliedmaßen schütteln.

Readymade waren danach zwar nicht unbedingt zufrieden mit ihrem Auftritt, wie uns Drummer Udo später wissen ließ, trotzdem war es für die Wiesbadener ein gelungener Abstecher nach Köln. Dieses Mal nur zu dritt (Gitarrist Steffen musste aus familiären Gründen zu Hause bleiben), hauten Readymade dem Publikum ein willkommenes Punkrock-Set um die Ohren, das reich an lauten Momenten ("Stromgitarre" gleich zu Beginn, "Getaway", "The Day We Killed Love" oder "Trash/Rock N Roll") und arm an Verschnaufpausen war. Und es gab auch noch zwei ganz besondere Momente: Eine wirklich schöne Coverversion von Oasis' "Live Forever" mit Unterstützung aus dem Hause Monochords und - wiederum unterstützt durch die Monochords sowie Sportfreund Peter und Alex von Angelika Express - die Weltpremiere der eigens für diese Veranstaltung komponierten und auf CD gebannten Nummer "Rocco Was A Friend Of Mine". Schön!

Die Sportfreunde hatten - sehr froh, den Interviewmarathon der letzten Woche fast schadlos überstanden zu haben, wie uns Rüdiger vor der Show wissen ließ - danach leichtes Spiel, was nicht nur der unaufgeforderte "Ich wollte dir nur mal eben sagen..."-Chor im Publikum bewies, und schafften dabei sogar das Kunststück, einen Auftritt ohne "Wellenreiten" und "Wunderbaren Jahren" zu absolvieren, ohne dass danach die Welt untergegangen wäre. Stattdessen gab es als Opener das tolle "Frühling" (der vielleicht beste Song des neuen Albums "Burli"), die Single "Siehst du das genauso?", die ultra-schnelle ("Fast zu schnell für uns", wie Peter meinte) Punknummer "Ungewöhnlich", das auf der kommenden Tour die Nachfolge von "Unterwegs" antreten dürfte, und vereinzelte "Oldies" wie "Heimatlied" oder den bereits erwähnten Übersong "Ein Kompliment".

Tomte hatten danach ein paar Problemchen mit ihrem Sound, waren aber mit so viel Engagement bei der Sache, dass Thees direkt nach dem Linecheck loslegte und deshalb Charlotte Roche die Hamburger erst nach dem Konzert (und nicht, wie eigentlich sinnvollerweise geplant, davor) ansagen durfte. Mit leiser Stimme erzählte Thees von Jackie und Julius und dass die beiden Kleinen den für sie betriebenen Aufwand sehr wohl zu schätzen wüssten. Und egal, ob mit "Schreit den Namen meiner Mutter" oder "Wilhelm, das war nichts" - Tomte machten auch musikalisch an diesem Abend einmal mehr alles richtig, bevor die Donots in gewohnt berühmt-berüchtigter Manier den Abend beendeten und die feierwillige Meute ins benachbarte Underground weiterzog, wo zunächst zeitgleich Kapellen wie Superpunk oder Surrogat aufgespielt hatten und anschließend noch mit den üblichen Verdächtigen am DJ-Pult das ein oder andere Glas zu Roccos Andenken geleert wurde. Ganz so, wie es vermutlich auch in seinem Sinne gewesen wäre.

Surfempfehlung:
www.monsters-of-rocco.de
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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