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Time Tunnel - $elling England

The Musical Box

Köln, Maritim
09.05.2004

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The Musical Box
Kleine Zeitreise gefällig? Kurz nach Betreten des großen, von edlen Kristalllüstern erleuchteten Saals im Kölner Maritim Hotel und nach dem Platznehmen auf weichem Gestühl werden die Besucher des heutigen Konzerts 30 Jahre auf dem Zeitstrahl zurückgeschleudert in eine Zeit, in der Peter Gabriel, Steve Hackett, Tony Banks, Michael Rutherford und Phil Collins krude Rockkonzerte in Multimedia-Events mit hohen Anteilen an Theatralik und Poesie verwandelten. Einmalige Chance für alle Spätgeborenen, die mit der glatten Popästhetik der späten Genesis à la "I Can't Dance" nichts anzufangen wissen, aber simpel keine Chance hatten, die Band mit dem jungen Peter Gabriel in den Siebzigern zu erleben.
Möglich wird diese Zeitreise durch die kanadische Band The Musical Box, einer Truppe Besessener, die mit enormer Akribie eine bis in kleinste Ausstattungsdetails und historische Instrumente authentische Rekonstruktion der "Selling England By The Pound"-Tournee der frühen Genesis einstudiert haben. Im Gegensatz zu anderen (teils gleichfalls vorzüglichen) Genesis Cover-Bands wie The Watch, Supper's Ready, Still Collins, Invisible Touch oder auch den heute noch bühnenaktiven Originalmitglieder wie Steve Hackett spielen die Kanadier aber nicht etwa einzelne Stücke in heutiger Interpretation nach, sondern konfrontieren ihre Besucher mit dem "Original-Erlebnis" der Genesis-Tour zum Album "Selling".

Der unglaubliche Aufwand, der hierfür getrieben wird, malt sich übrigens auch in Eintrittspreisen für eine "Coverband" ab, die den Eindruck vermitteln, man habe statt des Einlasses zu einem Musikkonzert tatsächlich eine Scheibe der Insel erstanden. Doch das Gebotene rechtfertigt den Preis absolut: Von psychedelischem Schwarzlicht mehr verhüllt als erleuchtet betritt die Band zu den kultigen Klängen von "Watcher Of The Skies" die Bühne und verblüfft wirklich durch einen Sound, der tatsächlich auch vom ersten Genesis-Live-Album stammen könnte. Die wahre Dimension dieser Gesamtkunstwerke entfaltet sich bei voller Beleuchtung in den diversen Persönlichkeiten, die "Peter Gabriel" im folgenden annimmt - für alle miterlebbar nicht nur durch die phantasievollen Originalkostüme, sondern auch durch einen totalen Wandel von Bewegungen und Körpersprache. Großen Spaß bereitet auch der Umstand, dass die Musiker von The Musical Box tatsächlich teils große Ähnlichkeit mit den britischen Progrock-Pionieren aufweisen, in deren jeweilige Rollen sie Abend für Abend schlüpfen. Wirklich frappierend ist das bei Martin Levac als Phil C., den er bis zur beginnenden Kahlköpfigkeit genau trifft. Denis Champoux als Steve H. bleibt mit seiner Les Paul fast ausnahmslos am äußersten linken Bühnenrand auf seinem Höckerchen fixiert; Sébastien Lamothe (einziger Stilbruch: Linskhänder) als Mike R. gefällt u.a. durch virtuosen Umgang mit der legendären Doppelhalsgitarre sowie mit diversen Basspedalen. David Myers legt durch seine schwelgerischen Mellotron- und Orgelparts die Hauptfundamente für viele der Stücke, und schließlich Denis Gagné "ist" Peter G., der in jenen Tagen eine bisweilen verstörend-intensive Bühnenpräsenz gehabt haben muss. Sehr effektvoll auch das eigentlich simple, aber durch geniale Lichtregie sich ständig zu verwandeln scheinende Bühnenlayout sowie die Dia-Einspielungen - natürlich auch auf den Punkt genau historisch...

Die weiteren Stücke sind "Dancing With The Moonlit Knight", "Cinema Show" (das zwei akustische und eine elektrische Gitarre featuret), "I Know What I Like (In Your Wardrobe)" mit vehementem Mirror Ball-Einsatz, "Firth Of Fifth" (das verständlich macht, warum Steve Hackett es auch heute noch im Programm hat), "Musical Box" (mit Gabriels wunderbarer Alter-Mann-Maske), "More Fool Me" (bereits mit Phil C. am Gesang - und prompt schwächer), "The Battle Of Epping Forrest", ein spaßiges "New Jerusalem"-Zwischenspiel, gefolgt vom Magnum Opus "Supper's Ready", das sich über knapp 30 Minuten erstreckt und u.a. "Gabriel" als Ganzkörperblume präsentiert. Beeindruckend - die heute gebotene Fassung klingt authentischer und näher an dem von Gabriel erdachten, als die eigene Genesis-Fassung von "Second's Out" mit Phil Collins am Mikro. Nach heutzutage nie mehr so zu beobachtendem Einsatz von einem Stroboskob, von dem zerhackt sich "Gabriel" über die Bühne windet, läutet ein im Vergleich zu heutigen Exzessen sparsamer Pyro das Finale ein. Nun hält es auch dieses gutsituierte Publikum nicht mehr auf den Sesseln: Laut klatschend wird eine Zugabe eingefordert - und diesem ganz authentisch auch gewährt: Das härteste Stück der frühen Genesis, "The Knife", wird zum fulminanten Schlusspunkt einer Zeitreise, wie sie sonst nur Startrek-Crews ermöglicht wird.

PS: Die Formation hat mit "The Black Tour" noch eine optisch abweichende Fassung der "Selling England..."-Konzertreise im Programm, außerdem die historische "Foxtrot"-Tournee. Eine "Lamb Lies Down On Broadway"-Tour ist für Herbst / Winter / Frühjahr 2004 / 05 in Planung.

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Surfempfehlung:
www.themusicalbox.net
www.genesis-music.com
www.genesis-fanclub.de
Text: -Klaus Reckert-
Foto: -Bettina Reckter-


 
 

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