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Nachhilfe für Spätgeborene

The Thermals
Spitting Off Tall Buildings

Köln, Gebäude 9/ Berlin, Knaack-Club
05.08.2004/ 10.08.2004

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Thermals
"Kann das sein, dass die ein bisschen energiegeladen sind?", fragte uns ein Konzertbesucher nach dem Auftritt von The Thermals, und obwohl er dabei breit gegrinst hat, darf er sich damit für die Untertreibung des Monats nominieren lassen. Vor der Rock N Roll-Offenbarung aus Amerika stand allerdings noch eine unangekündigte Berliner Band auf der Bühne des Gebäude 9, um das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Nun gut, das wäre wegen der unmenschlichen Hitze drinnen wie draußen eigentlich nicht nötig gewesen, dennoch war es ein erfreuliches Wiedersehen mit Spitting Off Tall Buildings.
Die hatten vor rund drei Monaten eine Show im Kölner Underground nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestritten und sich dabei recht achtbar geschlagen, aber nicht nur, weil man den fünfen an den Gesichtern ablesen konnte, dass sie wesentlich lieber vor richtig vielen als einer Hand voll Leute spielen, waren SOTB an diesem Abend viel, viel besser. So stellen sich Spätgeborene wohl Jingo de Lunch vor: Weder Punk noch Emo noch Hardcore, dennoch als Band mit ungemeiner Power und Intensität, die bei aller Bestimmtheit auch den Spaß nicht zu kurz kommen lässt. "You Want Some" von ihrer ersten EP war auch an diesem Abend der klare Hit, und mit "Yuppie Scum" als letzte Nummer war ein würdiges Schluss-Inferno. Und obwohl einige rein gar nichts mit dem Auftritt der fünf anfangen konnten (der Herr mit der Carter-USM-Gedächtnisfrisur zum Beispiel), können wir uns kaum erinnern, jemals so viele Leute bei einem Konzert gesehen zu haben, die die Musiker selbst oder andere Zuschauer nach dem Bandnamen gefragt hätten. Wenn das mal kein gutes Zeichen ist!
Nur eine gute halbe Stunde dauerte danach das Programm des Hauptacts ohne die Zugaben, doch das reichte völlig, um die meisten im Saal restlos von der simplen Magie der Thermals zu überzeugen. Die unbändige Power, mit der das Trio aus Portland, Oregon, an diesem Abend alles in Grund und Boden rockte, sucht nämlich wahrlich ihresgleichen. Zumal die Songs nicht nur unfassbar energetisch waren, sondern auch noch 1A ins Ohr gingen. Dass für den ersten Song ein Minimum an Spielzeit und Akkorden ebenso reichte wie für alle weiteren des Abends, würde man fast jeder anderen Band als mangelndes Können oder fehlgeleiteten Minimalismus auslegen, aber wer dabei mit so viel Enthusiasmus und Euphorie zur Sache geht wie The Thermals und seine Songs dazu noch so unfassbar gut auf den Punkt bringt, ist gegen fast jede Kritik gefeit. Auf ihrem ersten Abstecher nach Deutschland sollen sie ihre Songs komplett ohne Pausen heruntergebraten haben, dieses Mal erlaubten sich die drei den Luxus, hier und da kurz Luft zu holen oder - wie im Falle von Sänger und Gitarrist Hutch Harris - mal kurz das Bad in der Menge zu suchen. Es kommt nämlich nicht so häufig vor, dass The Thermals zum ersten Mal in einer Stadt spielen und gleich einige hundert Leute sie sehen wollen! Mit einem todsicheren Gespür für die richtigen Melodien wie einst Green Day in ihren besten Tagen, mit der Energie von Guided By Voices zu Glanzzeiten und in dem Wissen, dass drei die magische Zahl ist (drei Musiker, drei Akkorde, kein Song über drei Minuten), machten The Thermals an diesem Abend einfach alles richtig. Fazit? So stellt man sich als Spätgeborener Hüsker Dü vor. Applaus!

...ein paar Tage später in Berlin...

Der Ruf der Thermals als schlagkräftige Live-Band scheint sich mittlerweile herumgesprochen zu haben, denn der Berliner Knaack-Club war mehr als gut gefüllt. Und das obwohl klassisches Biergartenwetter herrschte. Heiß wurde es auch im Knaack, denn mal abgesehen von der hohen Außentemperatur und dem Gedränge ließen es die Thermals von Anfang an krachen. Der Begriff "Luft holen" scheint im Vokabular von Sänger Hutch Harris, Trommler Jordan Hudson und Bassistin Kathy Foster jedenfalls nicht vorzukommen. "More Songs Per Minute" hätte das Motto dieses kurzen und doch völlig beeindruckenden Gigs gewesen sein können. Was das Trio hier in knappen 45 Minuten geboten hat, war nicht mehr und nicht weniger als ein atemloser Querschnitt durch beide Platten, der eigentlich nur durch das Klatschen des Publikums und das Anzählen des nächsten Songs durch Drummer Jordan Hudson unterbrochen wurden. Dabei bewiesen die Thermals, dass auch die Songs der neuen Platte, wenn auch diesmal im Studio etwas aufwendiger produziert, live den gleichen rohen Charme versprühen, den viele am Debüt "More Parts Per Million" so geliebt haben. Gegen Ende gab es dann eine kurze Pause und eine mehr oder weniger verkappte Zugabe. Und doch war niemand unglücklich, denn diese 45 Minuten hatten in punkto Intensität nichts zu wünschen übrig gelassen. Eine Show, von der sich die anderen THE-Bands durchaus eine Scheibe abschneiden könnten. Die Thermals demnächst sicherlich in größeren Hallen.

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Surfempfehlung:
www.thethermals.com
www.spittingofftallbuildings.com
Text: -Carsten Wohlfeld (K) / Carsten Wilhelm (B)-
Foto: -Carsten Wohlfeld-

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