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Konzert-Bericht
 
Sag' mir wo die Rosen sind

dEUS
Sons And Daughters

Köln, Live Music Hall
10.11.2005

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dEUS
Na das war doch mal die alternative Großveranstaltung der etwas anderen Art! Nachdem der Vorverkauf für die dEUS-"Comeback-Tour" recht gut lief, hatte man das Konzert flugs vom heimeligen Stollwerck in die größere Live Music Hall verlegt. Doch auch diese war dann ausverkauft. Die lange Auszeit, in der Tom Barman jene leidvollen Erfahrungen sammelte, die er dann in "Pocket Revolution" zum bislang persönlichsten dEUS-Album verarbeitete, hatte sich jedenfalls in bezug auf das Interesse an Belgiens Vorzeigeband nicht negativ bemerkbar gemacht. Die Live Music Hall war jedenfalls bis zum Bersten gefüllt mit einem Publikum, das sich - anders als bei ähnlich gutbesuchten Veranstaltung an gleicher Stelle - zum allergrößten Teil aus Fans und nicht Gelegenheits-Konzertgängern zusammensetzte. Was auch nicht weiter verwunderlich ist, denn sowohl die Musik von dEUS wie auch jene des Support Acts - der Sons And Daughters aus Glasgow - entspricht ja nicht gerade irgendwelchen Mainstream-Konventionen. Dass aber die Fans sogar einmal die dEUS-Texte mitsingen würden, hätte sich Barman wohl auch nicht träumen lassen. dEUS 2005 sind aber auch weit entfernt von der Truppe junger Bilderstürmer, als der sie ihre Arbeit vor ca. 15 Jahren aufnahmen.
Die Sons And Daughters sind ja unter anderem mit dem Anspruch angetreten, der doch etwas behäbigen Art-Rock-Szene ihrer Heimatstadt mal ein wenig Feuer unter dem Allerwertsten zu machen. Und so wunderte es auch nicht, dass das Konzert in der Live Music Hall alles andere als Stillstand vermittelte. In einem gnadenlosen Stop- & Go Stakkato (nun ja: Mehr "Go" als "Stop") peitschte Scott Paterson mit seinen manischen Gitarrenakkorden die Songs voran. Frontfrau Adele Bethel verstand sich in diesem Kontext wohl als alternatives Go-Go-Leitbild und unterstrich ihren akklamativen Vortrag durch entsprechende ungezügelte Körperbewegungen - ganz nach dem Motto: "Dance Me In". Nick Cave wäre wohl in dieser Beziehung stolz auf eine Tochter wie Adele! Energie war jedenfalls alles. Wie Marktschreier bellten Scott und Adele ihre Slogans heraus während die stramme Rhythmusgruppe alles daran tat, das Gefüge zusammenzuhalten. Rhythmusgruppe klingt vielleicht zu abwertend, denn immerhin unterhielt Bassistin Ailidh Lennon des öfteren mit in diesem Zusammenhang wirklich ungewöhnlichen, rhythmischen Mandolinen-Einlagen. Kleine Pannen, wie zum Beispiel der Ausfall des Keyboards beim S&D Trademark-Song "Johnny Cash" oder Probleme mit der Balance des Gitarrensounds fielen nicht weiter ins Gewicht. Und beim Mantra-artigen Refrain der Mord- und Totschlag-Moritat "Rama Lama", bei der auch Adele zur Gitarre griff, stand niemand mehr still. Sogar Tom Barman schaute kurz ins Auditorium, um sich das Spektakel anzuschauen. Im Prinzip erledigten S&D ihre Aufgabe als Anheizer also mit Bravour und überzeugten durch eine starke Bühnenpräsenz. Musikalische Finessen sind indes weniger das Ding der Sons And Daughters.
Nach einer kurzen Umbaupause betraten dann dEUS zum Jubel der Fans die Bühne, die zunächst mal in monochromes Schattenlicht getaucht war. Noch bei den Interviews zur neuen Scheibe war sich Barman sicher gewesen, den starken CD-Opener "Bad Timing" auch als Eröffnung bei den Live-Shows spielen zu wollen. Deswegen überraschte es eher, dass dEUS zunächst mal verhalten mit dem eher ruhigen Titeltrack der neuen CD begannen. Dann steigerten sie sich langsam über "Magdalena" und "Cold Sun Of Circumstance" bis mit "Instant Street" ein erster Höhepunkt erreicht wurde. Barman spielte die ersten Songs konsequent mit geschlossenen Augen - taute dann aber langsam auf, bis er im Mittelteil die Band durch einige Klassiker wie z.B. "Roses" peitschte. Wie er da in Rockstar-Pose über die Bühne fegte, hatte er dann tatsächlich etwas von Eddie Vedder - wie es uns mal jemand ins Forum geschrieben hatte. Im Prinzip wurde das Konzept der neuen Scheibe aufs Live-Metier übertragen: Es gab mehr ausformulierte Strukturen mit melodischem Anteil als explosive Krach-Ausbrüche. Tom hatte das so formuliert, dass mit zunehmendem Alter der bloße Krach auch immer unnötiger werde. Bestes Beispiel dafür war der liebgewonnene Pop-Song "Little Arithmetics", der bei der ersten Zugabe mittels eines symphonisch anmutenden Gitarrenparts im Mittelteil zu einer (kontrolliert) infernalischen Live-Version ausgewalzt wurde. In der Show konnte man vielen alten Bekannten begegnen. So tobte beim Uralt-Track "Via" die Halle zum wiederholten Male. Nachdem dann auch ein verwirrter Fan namens Victor, der gleich zweimal die Bühne erklomm, beruhigt werden konnte, gab's dann zum Ende auch das schon erwähnte "Bad Timing". Das war dann allerdings Bad Timing, denn diese Version enttäuschte, da der Aufbau einfach nicht stimmte. Trotz Klaas Janzoons' Pizzicato-Geige (die er an anderer Stelle mit erstaunlichen Ergebnissen einsetzte) und zwei Gitarren konnte einfach nicht genug Druck aufgebaut werden. Vielleicht hätte man das von Gitarrist Mauro Pawlowski permanent gespielte E-Bow-Motiv einfach samplen sollen? Aber das ist kleimkrämerisches Gedankengut. Insgesamt überzeugten dEUS in diesem Stadium als vielseitige Live-Band, die nach wie vor mit musikalischen Erwartungshaltungen zu spielen im Stande ist und die selbst dann, wenn es so richtig losgeht - zum Beispiel auch bei dem funkigen "What We Talk About" - nicht den Fehler macht, sich an anglo-amerikanischen Klangmustern zu orientieren, sondern vielmehr eine durchaus eigene, europäische Note ins Spiel bringt. Die Rosen waren jedenfalls an diesem Abend in der Live Music Hall. Thank You!

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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