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Konzert-Bericht
 
Verliebt in den Käse

Baskery
Les Jupes

Bonn, Harmonie
17.01.2012

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Baskery
Die Sache ist die: Mit ihrem Mix aus Rockabilly, Country-Swing und Folk hatten sich die Schwestern Bodesson auf den Touren anlässlich ihrer Debüt-CD nach und nach an den Rand der Parodie laviert - insbesondere deshalb, weil sie den "Crazy-Country-Faktor" ihres Tuns demonstrativ in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen stellten und bei den Konzerten ganz auf den Partyfaktor ihrer ansonsten gewiss attraktiven Shows setzten. Deswegen kam das musikalisch wesentlich differenziertere, zweite Werk, "New Friends", bei dem der Spaß-Faktor zugunsten einer heilsamen Portion Düsternis entschleunigt wurde, wie ein erfreulicher, heilsamer Schock daher. Alle, die gemeint hatten, Baskery in eine Schublade stecken und als Eintagsfliege abhaken zu können, wurden zurecht vor den Kopf gestoßen. Deswegen war es besonders interessant, wie die Schwestern das erweiterte musikalische Universum live umsetzen wurden.
Irritationen gab es zunächst, wegen des musikalisch vollkommen anders ausgerichteten Support Acts Les Jupes, einer englischsprachigen, kanadischen Band, die ihren eigenen, frankophilen Namen nicht richtig aussprechen kann. Die machen nämlich in Sachen stromlinienförmigen New Wave Pop. Das heißt: Die Musikanten sehen nicht nur aus wie die seligen Popper der 80er, sondern pflegen dieses Image auch musikalisch: Die Songs des Debütalbums "Modern Myths" bewegen sich auf einem Terrain, das in den 80ern innovativ und neu war. Leider bedeutet das heutzutage, dass die Röcke eher altmodisch klingen - und das trotz des ehrenwerten Bemühens, mittels Bass und Keyboards, vertrackten rhythmischen Spielereien, dem Prog-Rock entlehnten Stolperstrukturen, ausgefeilter Harmonie-Akzente und ansatzweise poppigen Momenten etwas Eigenes zu kreieren. Das soll nicht heißen, dass Mike Petkau Falk und seine Musikanten ihre Sache schlecht machen. Das Deutschland-Debüt der Kanadier kam sogar - trotz des musikalisch radikal anders ausgerichteten Headliners - recht gut beim Publikum an. Aber: Für alle, die die 80s nicht erlebt hatten, war die Sache mit Sicherheit spannender als für die anderen.
Als dann die Schwestern Bodesson die Bühne betraten, waren gleich einige subtile Änderungen zu beobachten: Drummerin/Banjogitarrenspielerin Greta hatte sich drei Sterne ins Gesicht tätowieren lassen und zusätzlich zum rudimentären Bassdrumkit eine Snare-Drum mitgebracht und neben den Akustikgitarren von Sunniva Bodesson stand auch eine Guild-E-Gitarre auf der Bühne. Sunniva, die aufgrund eines längeren Deutschlandaufenthaltes und eines Umzuges nach Berlin inzwischen recht passabel Deutsch gelernt hat, übernahm die meisten Ansagen der Nummern, was zumindest bei den Songs des neuen Albums Sinn machte, da so deren düstere Note zum Teil erklärt wurde. "Harsh" etwa - eine der eher schleppenden, dräuenden Balladen des neuen Albums - sei zwar ein Liebeslied, aber eines über die Komplikationen der Liebe. Und schließlich, so Sunniva, könne man sich ja auch in Käse verlieben. Bei der nächsten Nummer, "The Queen And The Drone", einem Song über "tanzende Bienen", holte Sunniva erstmals die E-Gitarre hervor. Und ab da war das nun endgültig kein Country mehr - auch kein "Mad Country" oder "Mud Country" (der erst wieder zum Schluss für den Männerhasser-Hoedown-Rausschmeißer "Man From Town" bemüht wurde). Auch Greta drehte ihr Banjo mächtig auf, so dass die Sache am Ende sogar regelgerecht gut rockte. Immer dann, wenn Greta den Ton angab - was nicht nur bei den Songs, die sie selber sang der Fall war - dominierte schließlich auch eine solide Blues-Note das Geschehen.

"Schließt einfach die Augen und stellt euch eine Person vor, die ihr hasst" erklärte Sunniva die Gebrauchsanwendung für solche Nummern wie "Beat Up The Blues" oder "A Man And His Dog", "also zum Beispiel euren Boss oder eine Gitarre oder einen Hund - und dem schreit ihr dann den Blues entgegen." Richtigen Blues gab es dann zwar nicht - dafür spielt Sunniva einfach zu rockig und dafür ist der Rockabilly-Bass von Schwester Stella einfach zu lebhaft - aber es gab einen interessanten Hybriden, der dann, wenn das Tempo verschleppt wurde sogar noch an Intensität gewann. Dazu gab's dann die üblichen Spielereien: Greta, die mit mehreren Instrumente gleichzeitig hantierte, Sunniva als tänzelnde, energiegeladene Hippie-Guitar-Queen (gerne auch mal auf der Bassdrum balancierend) und Stella als quirlige Animateurin, die auch gerne mal den Takt und die Geschwindigkeit vorgab. Angeregt von der guten Stimmung und der nahenden Karnevalszeit, die Sunniva bei ihrem Köln-Aufenthalt offensichtlich schätzen gelernt hatte, gelang es den Damen sogar, den Hallentechniker zu bewegen, den beeindruckenden Mirrorball zum bereits erwähnten Hoedown - der dann eben unter Disco-Bedingungen abging - in Betrieb zu nehmen. Das echte Bonbon gab es dann allerdings als zweite Zugabe: Ein auf Schwedisch vorgetragenes, höchst kompetent intoniertes A-Cappella-Madrigal aus dem 17. Jahrhundert, das noch ein Mal die eh schon brillanten Harmonie-Künste der Schwestern nochmals eindrucksvoll demonstrierte.

Insgesamt war dies eine Show, bei der die Mädels mindestens genauso viel Spaß hatten, wie das Publikum - was ja auch irgendwie ansteckend wirkt. Aus musikalischer Hinsicht wäre noch zu bemerken, dass Baskery mit der Ausweitung ihrer stilistischen Ansätze auf jeden Fall den richtigen Schritt getan haben und ihren Ruf als ziemlich einzigartige Truppe auf jeden Fall festigen konnten. Vom Erfolgspotential mal abgesehen, könnten sich die Damen von Katzenjammer, die sich ja offensichtlich entschlossen haben, sich in der erarbeiteten Nische komfortabel einzurichten, von ihren schwedischen Kolleginnen in puncto Kreativität jedenfalls noch eine Scheibe abschneiden.

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Surfempfehlung:
www.baskery.com
www.facebook.com/pages/Les-Jupes/19431936260
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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