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Konzert-Bericht
 
Lineare Rettungsanker

Mia Aegerter

Köln, Studio 672
11.12.2017

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Mia Aegerter
Entgegen der ursprünglichen Planung hatten sich Mia Aegerter und Martin Fliegenschmidt für ihre ihre von Gaesteliste.de präsentierte Headliner-Club-Tour nun doch dazu entschlossen, mit einer kompletten Band aufzutreten um die Songs von Mias "schriftdeutschem" Debütalbum "Nichts für Feiglinge" zu präsentieren. (In ihrer schweizer Heimat hatte Mia zuvor ja bereits vier Alben auf Schyzerdütsch herausgebracht.) Das erwies sich dann gegenüber den zuvor absolvierten Konzerten im Duo-Format insofern als der entscheidende Mehrwert, als dass Mias Songs in diesem Setting deutlich mehr Dimensionen zusortiert bekamen, als das eben alleine mit zwei E-Gitarren möglich gewesen wäre - zumal sich die Arrangements dann im Live-Kontext doch erheblich von jenen auf der Scheibe unterscheiden und somit auch echte Live-Versionen dabei entstanden.
Dabei ist es keineswegs so, dass sich die Band dabei in Improvisations-Orgien ergeht, aber durch den Wechsel von Gitarre und Bass (zwischen Martin Fliegenschmidt und Thimo Sander) und geschickt umgearbeitete Akzentuierungen entstanden so vollkommen neue Perspektiven für manche Tracks. Am deutlichsten wurde das beim allerletzten Stück, "Mehr als alles", das sich von einem sachten Flüstern zu einem tobenden Orkan am Ende aufbäumte - der dann auch ordentlich lange tobte. Es war dabei generell so, dass sich Mia musikalisch vollkommen vom ursprünglichen Pop-Gedanken gelöst hat, der ihre Schweizer Laufbahn dominierte, und die Inspirationsquellen, die sie musikalisch auf das neue Werk hingeleitet hatten, viel stärker zum Vorschein kamen. Einigen dieser Inspirationsquellen zollten Mia und Martin mit einem akustischen Tribute gegen Ende der Show ihren Respekt und spielten Tom Pettys "I Won't Back Down", David Bowies "Heroes" und "Du bisch mini Heimat", einen Song den Mia dereinst mit der verstorbenen Schweizer Musiklegende Polo Hofer als Duett eingespielt hatte. "Habt ihr das alle verstanden?", fragte sie nach diesem Song - dem Einzigen, der auf Schweizerdeutsch vorgetragen wurde. Und als dann ein kollektives "Nein!" aus dem Publikum zurückschallte, ergänzte sie: "Seht ihr, deswegen schreibe ich jetzt auf Hochdeutsch."
Ein besonderer Aspekt kam bei dieser Show zum Tragen, der sich so offensichtlich bislang gar nicht aufgedrängt hat. Das ist nämlich die kreative Symbiose, die Mia und Martin Fliegenschmidt als Songwriter eingegangen sind. Mia hatte Martin gebeten, einige seiner eigenen Songs (die sich auf der kommenden, noch nicht fertig gestellten Solo-LP Fliegenschmidts befinden werden) ins Programm einzuflechten. Diese Songs mit Namen wie "Rettungsanker" oder "Bergstraße 18" liegen dann musikalisch, emotional und inhaltlich auf genau derselben Wellenlänge wie jene von Mia selbst. Keine Frage: Hier haben sich zwei Zwillinge im Geiste gefunden, die sich in jeder Hinsicht perfekt ergänzen. Das geht sogar so weit, dass Mia zum Beispiel Martins Song "Von Wegen" ungefragt mitkomponiert hatte, weil die Chemie hier selbsterklärend stimmte. Aber natürlich ging es hauptsächlich um die Tracks von "Nichts für Feiglinge", die bis auf "Kriegerin" auch brav alle vorgetragen wurden. Im Rahmen der recht langen Show (wie gesagt wurde das Programm ja durch Martins Songs und die Tributes ergänzt) fand Mia dann auch die Gelegenheit, die Entstehungsgeschichten der Songs kurz anzureißen. Insgesamt kamen diese Songs durch die Betonung der musikalischen Details (zu denen auch Effektgeräte, abgerufene Pad-Elemente und eine von Martin entdeckte, geloopte Percussion-App gehörten) etwas ernsthafter und melancholischer rüber als auf der LP - vielleicht, weil man im stillen Kämmerlein mehr auf die humorvollen, lyrischen Feinheiten achtet, die Mia nonchalant in ihre meist biographisch geprägten Songs einfließen lässt. Wett gemacht wurde dieser Eindruck dann dadurch, dass mit Band die druckvolleren Passagen wie Songs wie "Farbe bekennen" oder "Du kommst zu früh" natürlich betont lebhaft daher kamen, und die Akustik-Tribut-Einlage (mit kleinem Ausflug ins Auditorium) und Mias sympathische Ansagen ebenfalls für Abwechslung sorgten, so dass am Ende ein bemerkenswert gut balanciertes - und somit rundes und unterhaltsames - Konzerterlebnis im Raume stand.

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Surfempfehlung:
www.miaaegerter.de
facebook.com/miaaegerter
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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