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Konzert-Bericht
 
Alte Stärken, neues Selbstbewusstsein

The Weather Station

Hamburg, Uebel & Gefährlich (Dachterasse)
01.09.2016

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Weather Station
"Ich komme mir vor wie auf einer Hochzeit, auf der ich ganz allein an einem Tisch sitze und eine Rede einstudiere, die nur weniger oder weniger willkommen ist", gesteht Tamara Lindeman alias The Weather Station ihrem Publikum an diesem schönen Spätsommerabend über den Dächern von Hamburg. In der Tat wirkt die kanadische Singer/Songwriterin mit dem hinreißenden Joni-Mitchell-Timbre und dem fragilen Laurel-Canyon-Folk-Gewand etwas verloren auf dem kleinen, kreisrunden Podest der Dachterrasse des Uebel & Gefährlich. Doch das währt nicht lange: Mit jedem Song kommt sie ihrem Publikum näher, und am Ende sind die Zuschauer so begeistert, dass sogar eine Zugabe hermuss, obwohl Lindeman an diesem Abend eigentlich nur den Support für My Bubba bestreitet, die anschließend ob zu viel Spleenigkeit eher blass bleiben.
Tamara Lindeman tritt an diesem Abend - anders als bei ihren vorangegangenen Auftritten mit Damien Jurado im Frühjahr - allein auf, doch selbst reduziert auf eine uralte halbakustische Gitarre und ihre Stimme, wirkt sie bei diesem Auftritt auf dem Palmen-verzierten Dach des zum Konzertort umfunktionierten Weltkriegsbunkers im Herzen von St. Pauli weit weniger zerbrechlich, als das vor allem ihre letzten beiden Alben, "All Of It Was Mine" und "Loyalty" vermuten lassen könnten. So startet sie gleich mit zwei brandneuen, unveröffentlichten Songs, bei denen sich ein neues Selbstbewusstsein unter all die nach wie vor vorhandene Zartheit mischt. "Free" heißt die Eröffnungsnummer treffend, während das atmosphärisch ungeheuer dichte "You And I" mit einem (für Lindeman ungewohnten) ellenlangen Text fesselt, der in Form und Präsentation fast ein wenig an Bob-Dylan-Songs wie "It's Alright Ma (I'm Only Bleeding)" oder "Gates Of Eden" erinnert. Eine ganz neue Qualität für Lindeman, deren Texte bislang betont kurz und präzise (im Sinne von direkt) waren.
Danach widmet sie sich, um im Dylan-Jargon zu bleiben, der sanften Tiefgründigkeit ihrer "back pages", während im Hintergrund die Sonne langsam untergeht: Sachte Fingerpicking-Folk-Songs wie "Come So Easy" oder das nur dahingehauchte "Yarrow And Mint" verströmen eine geradezu friedfertige Aura. Das gilt auch für "Shy Woman", wenngleich Lindemans augenzwinkernde Seitenhiebe auf die bedeutungsschwangeren Ansagen vieler alter Troubadoure bei der Einleitung hinter all der Schüchternheit auch eine Menge Humor durchscheinen lassen. Der Höhepunkt des Abends ist allerdings ein brandneues Lied. Mit "Thirty" reflektiert Lindeman nicht nur die Veränderungen, die der runde Geburtstag in ihrem Leben und für ihre Sicht der Dinge bedeutet hat, auch musikalisch geht sie dabei neue Wege. "Thirty" ist eine kleine, raue Rock'n'Roll Nummer mit abermals ellenlangem Text, dessen Zeilen die Sängerin geradezu ausspuckt. Die Musik ist hier, vielleicht erstmals, genauso kraftvoll, wie Lindemans Worte schon immer waren. Doch auch wenn die Vehemenz des Songs neu sein mag, ist das letztlich doch eher logische Fortführung als erzwungener Stilbruch. So und nicht anders muss sich konsequente künstlerische Weiterentwicklung anhören!

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Surfempfehlung:
the-weather-station.com
www.facebook.com/TheWeatherStn/
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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