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Song-and-Dance-Man

Robert Forster

Essen, Zeche Carl
14.12.2017

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Robert Forster
Die letzten Wochen und Monate hat Robert Forster damit verbracht, auf Lesungen seine viel beachtete Autobiographie "Grant & I" vorzustellen, mit der er auf die Geschichte der Go-Betweens zurückblickt, jener wunderbaren australischen Gitarren-Pop-Band, die vor genau 40 Jahren von Brisbane aus die Welt eroberte und 2006 mit dem frühen Tod von Forsters kongenialem Partner Grant McLennan ein tragisches Ende fand. Das färbt auch auf den Auftritt in der Essener Zeche Carl ab: Es ist ein Konzert mit Aufführungscharakter, ein betont nostalgisches noch dazu. Der Musiker und Paradiesvogel verlässt sich auf die klassischen Tugenden und Werte, die er nun schon seit vier Jahrzehnten hochhält, und die Zuschauer, viele davon annähernd so alt wie der 60-jährige Protagonist, lieben ihn dafür.
Um Punkt 20.00 Uhr betritt Robert Forster die Bühne, um ein 80-minütiges Konzert zu beginnen, das zwar arm an Überraschungen und dennoch reich an Höhepunkten ist, denn schließlich ist er ein Grandseigneur, der einmal mehr perfekt gekleidet nur eine Akustikgitarre und ein Mikro braucht, um das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Forster spielt zwar auch eine Handvoll Nummern seiner aktuellen Solo-LP "Songs To Play", doch sonst spart er die vielen Highlights seiner illustren Karriere abseits der Go-Betweens lieber aus und stürzt sich auf die Songs seiner Band. Alte wie "Spring Rain" oder "The House That Jack Kerouac Built" sind genauso darunter wie neuere à la "She Sang About Angels".

Zu "Born Into A Family" merkt er spitz an, dass er dort eigentlich in zwei Minuten dreißig all das gesagt hat, wofür er bei seinen Memoiren 365 Seiten benötigt hat. Überhaupt scheint es bisweilen so, als habe Forster die Songs ausgesucht, die eng mit "Grant & I" verknüpft sind, Songs, zu denen er die besten einleitenden Geschichten im Kopf hat. Die Story der Bahnfahrten von seiner Wahlheimat in der Nähe von Regensburg zum Frankfurter Flughafen, die "Here Comes A City" inspirierte, erzählt er sogar auf Deutsch, und vor "Darlinghurst Nights" lässt er den Blick zurückschweifen zu Aufnahmesessions seiner Band im Jahre 1984, auch wenn das Lied erst Jahre später entstand. Höflich lobt er auch seine Gastgeber und das Personal an Licht und Sound in der Zeche und kann sich gar nicht vorstellen, dass man sich tags darauf in München ähnlich gut um ihn kümmert - das ist ganz alte Schule!

Überhaupt sind seine Ansagen genauso unaufgeregt und doch stets pointiert wie seine Lieder. Dass er dabei an diesem Abend nichts grundlegend Neues verrät, gehört praktisch zum Konzept. Forster ist nicht nach Essen gekommen, um sich seinem Publikum zu offenbaren, er will im Stile eines klassischen Song-and-Dance-Mannes unterhalten - und das gelingt ihm ganz ausgezeichnet, nicht zuletzt deshalb, weil er sogar Lieblingssongs wie "Dive For Your Memory" oder das uralte "People Say" spielt, die man nicht unbedingt erwarten durfte. Ganz allein will Forster den Abend allerdings doch nicht bestreiten. Für eine Handvoll Stücke bitte er seine Frau Karin Bäumer mit auf die Bühne, die ihn an der Geige unterstützt. Seine Tochter kümmert sich dem Vernehmen nach derweil um die Devotionalien.

Für zwei Zugabenblöcke kommt Forster am Ende zurück auf die Bühne, ignoriert mit einem lachenden Schulterzucken Liedwünsche wie "Lee Remick" und spielt stattdessen lieber - wenn man ihm glaubt zum ersten Mal seit Langem - "I've Been Looking For Somebody", den einzigen Rückgriff auf seine frühen Solojahre, bevor er gemeinsam mit seiner Gattin bei "Surfing Magazines" ganz am Ende sogar noch einen Singalong initiiert. Weise und gewitzt, melancholisch, einfühlsam, selbstironisch und ein klein wenig exzentrisch - Robert Forster ist an diesem Abend all das.

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Surfempfehlung:
www.robertforster.net
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-

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