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Konzert-Bericht
 
Reise in den Traum

Adrian Crowley
Nadine Khouri

Köln, Die Wohngemeinschaft
31.01.2018

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Adrian Crowley
Schon auf "Dark Eyed Messenger", dem letzten Album des irischen Songpoeten Adrian Crowley, gab es auf dem Song "Little Breath" eine Zusammenarbeit zwischen dem esoterischen Denker und der Londoner Songwriterin Nadine Khouri - so dass es dann nur noch ein logischer Schritt war, dass nun beide zusammen auf die von Gaestleliste.de präsentierte Tour gehen sollten. Zumal es im Oeuvre der beiden Protagonisten durchaus übereinstimmende Aspekte zu beobachten sind. So zehren zum Beispiel beide von eklektischen Inspirationsquellen: Nadine etwa schreibt Songs über die Schriftstellerin Virginia Woolf oder die verstorbene Kult-Songwriterin Lhasa de Sela und Adrian Crowley zitiert den Dichter Yeats, covert Velvet Undergrounds "Ocean" und schreibt mystische Kontemplationen über Metamorphosen (in einen Baum etwa), diebische Elstern oder denkt sich mögliche Lebensläufe von Leuten aus, die er nur vom Hörensagen kennt.
Nadine freute sich darüber, erstmalig in der Domstadt zu gastieren - weil sie letztlich mit der Hilfe ortsansässiger Freunde ihre Laufbahn als Recording Artist mit ihrer letzten LP "The Salted Air" auch hierzulande offiziell anstoßen konnte, nachdem sie zuvor nur independent und online aktiv war. Ein neues Werk ist zur Zeit bereits in der Andenkphase - wird aber wohl nicht vor dem nächsten Jahr fertig werden. Dennoch spielte Nadine einige neue Songs - die sich freilich allesamt in den typischen Schwebezuständen bewegen, die Nadines Kunst nun mal auszeichnen. Dazu gehören freilich auch gelegentliche druckvolle Ausbrüche mit verzerrter E-Gitarre, die sie ansonsten wie eine akustische Gitarre streichelt. Allerdings geschieht dies eher auf eine kinetische Weise. Mit dem Tempo hat es Nadine nicht so sehr - sie rechnet zum Beispiel in "Viertel-Beats" -, wohl aber mit der Dynamik. Natürlich lieferte Nadine dennoch keine Rock-Show, sondern blieb dem Thema des Abends - der musikalischen Reise ins träumerische Zwischenreich - durchaus treu. Schlüssig auch, dass sie als Zugabe dann einen Song von einer ihrer Lieblingsbands - Sparklehorse - coverte. Als Alternative hätte noch Leonard Cohens "Bird On The Wire" zur Auswahl gestanden, was vielleicht angesichts von Nadines zwar samtweichen, aber auch stoischen Gesangsstil gepasst hätte.
Wie bereits angedeutet, brauchte sich das Publikum für de Auftritt Adrian Crowleys stimmungsmäßig dann nicht groß umzustellen. Und das, obwohl Crowley auf "Dark Eyed Messenger" (unter der Regie des Produzenten Thomas Bartlett von The National) einen ziemlich konsequenten Schritt wagte, und dort ganz auf die ansonsten übliche Gitarrenarbeit verzichtet hatte. Das manifestierte sich bei seinem Auftritt in der Wohngemeinschaft dann dadurch, dass er sein Konzert zur Hälfte auf einem digitalen Mellotron absolvierte. Das ist ein Instrument, auf dem die Original-Tapes die in den analogen Mellotron-Instrumenten zum Einsatz kamen, gesampelt abgespeichert sind - wodurch die originalen, unstet taumelnden, aber charmanten Mellotron-Sounds originalgetreu reproduziert werden können. Als Piano lässt sich das Instrument zudem einsetzen. Erst für den zweiten Teil der Show griff sich Adrian dann seine E-Gitarre, um auf dieser dann auch ältere Songs zum Vortrag bringen zu können. Eine mechanische Spieluhr und ein Hall-Effektgerät rundeten seine Ausrüstung ab. Wie im Falle von Nadine gehört auch Adrian Crowley nicht zu den Musikern, die in Kategorien wie "Tempo" oder "Struktur" denken. Alle seine Interpretationen haben somit etwas atmosphärisch Freigeistiges und wirken teilweise auch improvisiert - obwohl sie das gewiss nicht sind. Crowley wird aufgrund seiner lakonischen Art (die sich auch in den trockenwitzigen Ansagen manifestiert) ja gerne mit Bill Callahan verglichen. Das mag tonal wohl stimmen - es ist aber wohl so, dass Crowleys Songs aus einer anderen Quelle gespeist werden als jene von Bill Callahan. Während es Callahan nämlich zum Fetisch erhoben hat, sich durch feinziselierte Reduktionen quasi selbst ins Nichts zu transportieren, ist Crowley ein Suchender. Er selbst drückt das so aus, dass er immer wieder überrascht ist, wenn er Songs schreibt, von denen er selbst herausfinden muss, was ihm diese sagen wollen. Das geht dann soweit, dass eine Song wie eine Frau wirken könne. Nicht seine Frau freilich - denn die wisse sehr genau, dass sie seine Frau sei und kein Song. Kein Wunder also, dass er dann ein Gedicht von W.B. Yeats - letztlich der Ober-Mystiker per se - in sein Ouevre einfließen lässt und in seinen eigenen - oft mäandernden, wortreichen Ruminationen - den eigenartigsten Gedankengängen folgt und sich deutlich absetzt von konventionellen Themen "normaler" Songwriter-Kollegen. Tatsächlich spielt der Meister sich und das Publikum oft an den Rand der Trance - die er dann freilich doch nicht zu lässt, weil ein selbstironischer Spruch die Sache dann auch wieder in ihrer offensichtlichen Ernsthaftigkeit relativiert. Sinn machen muss das nicht unbedingt - wie zum Beispiel die Geschichte von dem Taxifahrer, der seine geliebte Gitarre "Gretschen" (deshalb mit "s" weil es sich hier um eine Gretsch-Gitarre handelt) misshandelte. Es ist schon anzunehmen, dass der Ire Crowley den Iren Joyce durchaus auch als assoziative Inspirationsquelle sieht. Insgesamt hat diese Vorgehensweise für den Zuhörer allerdings den angenehmen Effekt, dass die Sache - obwohl eigentlich nicht viel passiert - nie langweilig wird. Dass am Ende freilich eine Erkenntnis stehen könnte, darf dann doch nicht angenommen werden, denn dafür ist Crowley zu sehr Philosoph und Träumer. Wenn auch ein sehr unterhaltsamer.

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Surfempfehlung:
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www.facebook.com/nadinekhourimusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Adrian Crowley:
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Mehr über Nadine Khouri:
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