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Konzert-Bericht
 
Inferno Deluxe

Anna von Hausswolff
Joel Fabiansson

Köln, Gebäude 9
07.03.2018

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Anna von Hausswolff
Bei den Gesprächen zu ihrem aktuellen Album "Dead Magic" erläuterte Anna von Hausswolff zwar nur andeutungsweise, worum genau es in ihren neuen Songs gehe - in einem anderen Punkt wurde sie jedoch überraschend deutlich: Das neue Material sei so angelegt - so erläuterte sie weiland -, dass dieses eine physischere Qualität hätte als ihre älteren Songs und dass sie sich demzufolge beim Vortrag dann auch mehr bewegen wolle als früher. Und um es kurz zu machen: Dieses Versprechen löste sie bei ihrem insgesamt fünften Besuch im Kölner Gebäude 9 dann auch auf eindrucksvolle Weise ein. Und zwar dergestalt, dass sie nach der Show vergleichsweise orientierungslos entschuldigte, dass sie sich gerade nicht so richtig konzentrieren könne, weil sie noch zuviel Adrenalin im System habe. Und das war auch nicht übertrieben, denn bei einer besonders ambitioniert vorgetragenen Version des schon auf dem Tonträger energischen Tracks "The Mysterous Vanishing Of Electra" hatte sie es geschafft, ihre akustische Gitarre kaputtzuspielen - nicht etwa, indem Saiten gerissen wären, sondern indem sie ein Loch ins Gehäuse geschlagen hatte.
Aber vielleicht mal der Reihe nach: Da Anna von Hausswolff mit ihrer Musik ja nun mal eine ziemlich einzigartige - und sich gängigen stilistischen Kategorisierungen entziehende - Genre-Nische besetzt, war es vielleicht keine schlechte Idee als "Anheizer" keinen lokalen Support-Act anzuheuern, sondern diese Aufgabe dem bandinternen Gitarristen Joel Fabiansson zu übertragen. Dieser trug dann nämlich einige improvisiert wirkende Instrumentalnummern auf seinem Instrument vor, die sich in Sachen düster dräuender Naturgewalt kaum von dem unterschieden, für das Anna selbst schließlich auch steht - und somit letztlich natürlich auch gut zu dem passten, was dann folgen sollte. Wie auch Anna selbst gelang es dabei Joel Fabiansson, das Publikum mit eigentlich überschaubaren Mitteln (Gitarre und fußballfeldgroßem Effektpedal) das Publikum in seinen Bann zu ziehen - und dabei (wie Anna auch) eine Art Aufhebung des Zeitgefühls zu vermitteln - denn obwohl Joel eigentlich nur einige überlange Gitarrenfiguren zerdehnte, war die Sache keineswegs langweilig.
Als dann Anna mit ihrer fünfköpfigen Band die Bühne betrat (und erstmalig die Zentralposition auf einem Podest in der Bühnenmitte übernahm), war der Boden dann entsprechend bereitet. Eines hatte sich im Vergleich zu den bisherigen Shows von Anna an gleicher Stelle nicht geändert - auch wenn sie nun im Zentrum des Geschehens agierte: Im Rampenlicht wollte sie nach wie vor nicht stehen. Deswegen gab es von Beginn des Konzertes an eine pausenlose Kunstnebel-Berieselung, die - zusammen mit der optimistisch ausgelegten Raumtemperatur - nicht nur zu einem wohltemperierten Sauna-Feeling führte, sondern auch dazu, dass man die Musiker kaum - und wenn dann nur als Schemen - ausmachen konnte. Nun aber zu der Performance: Das neue Bewegungs-Konzept Annas erforderte natürlich auch eine musikalische Anpassung - denn es hätte ja keinen Sinn gemacht, sich zu den bislang dominierenden Zeitlupen-Drones stärker zu bewegen. Ergo war dann zu beobachten, dass die neuen Tracks - wie auch die vom Vorgängeralbum "The Miraculous" (der Rest wurde ausgespart) - mit einem deutlich druckvollerem Ansatz präsentiert wurden - was letztlich dazu führte, dass alles mit mindestens der doppelten Geschwindigkeit gespielt wurde. Obwohl: "Geschwindigkeit" ist natürlich nicht das beste Attribut, mit dem sich Annas Musik beschreiben ließe, da die Energie hier immer noch eher vertikal, auf kinetischer Ebene mit viel Dynamik ausgelebt wird. Dennoch wurde da - insbesondere aufgrund des herzhaften Einsatzes von Drummer Ulrik Ording und Bassist David Sabel - tatsächlich zuweilen ein regelrechten Rock-Drive entwickelt. Jedenfalls waren die Stücke auf diese Art kaum wiederzuerkennen und boten konzeptionell ein ziemlich pures Inferno - allerdings ein immens unterhaltsames Inferno deutlich unterhalb der Kakophonie-Schwelle.

Zusätzlich unterstützt wurde das mit einem flächigen, orchestralen Ansatz der ganzen Performance. Dieses wurde zum Beispiel dadurch erreicht, dass die Saiteninstrumente zeitweise nur mit E-Bows und echten Geigenbögen bearbeitet wurden - quasi als Verlängerung der von Anna und Keyboarder Filip Leyman vorgegebenen Orgel- und Synthie-Sounds. Auf eine Emulation der auf den Studioaufnahmen vorhandenen Streicherarrangements konnte auf diese Weise getrost verzichtet werden. Anna verausgabte sich derweil hinter dem Keyboard mit vergleichsweise wüsten Tanz-Moves - ganz so, wie sie es auch angekündigt hatte -, unterstützt von einem Stroboskop-Gewitter, das nun wirklich nicht für Epileptiker geeignet schien. Zum Ende der Show kam sie dann auch an den Bühnenrand, wo sie - mit Mundharmonika und Akkordeon bei einem Auszug aus "Källans återuppståndelse" - für den einzigen lyrischen Moment innerhalb der Show sorgte - bevor es dann mit der akustischen Gitarre an die bereits erwähnte Zerstörungsaktion ging. Als Besonderes Bonbon gab es dann zur Zugabe noch den Titeltrack des auf Selma Lagerlöfs Werken basierenden Theaterstückes "Gösta Berlings Saga", für das Anna die Musik geschrieben hatte. Hierzu wanderte sie mit einem Mikrophon bewaffnet singenderweise durch das Publikum, während die Band von der Bühne aus die Musik beisteuerte.

Insgesamt gefiel diese Show dann dadurch, dass es Anna offensichtlich immer wieder gelingt, aus ihrem prinzipiell doch eigentlich limitierten Konzept neue, spannende Aspekte herauszukitzeln - und damit ein erstaunlich breit gefächertes Publikum zu erreichen, was sich an diesem Abend durch ein nahezu ausverkauftes Konzert manifestierte.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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