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Konzert-Bericht
 
Brooklyn Rodeo

Luna
Acid Dad

New York, Industry City, Brooklyn
24.08.2018

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Luna
Ganze 13 Jahre ist es her, seit Luna in der ehemaligen Homebase der Band, NYC, aufgetreten waren. Im Rahmen der damaligen Umstrukturierungen (und wohl auch, weil er sich mit seinem Sidekick Sean Eden nicht mehr so recht verstand) hatte Dean Wareham die Band 2005 kurzerhand aufgelöst. Es folgten einige Scheiben, die Dean zusammen mit seiner Gattin Britta Phillips (seit 2000 die Luna-Bassistin) unter dem Namen Dean & Britta aufnahm. Schließlich zogen er und Britta von New York nach Los Angeles - womit das endgültige Ende des Projektes Luna besiegelt schien. Doch man soll nie "nie" sagen: 2012, bei einem Besuch in NY, spielte Sean Eden zusammen mit Dean & Britta ein Set mit Luna-Nummern und 2014 gab es zunächst mal eine Reunion für eine Tour, bis dann 2017 ziemlich überraschend zwei neue Luna-Scheiben erschienen: Das Cover-Album "A Sentimental Education" und die Instrumental EP "A Place Of Greater Safety". Die nun laufende US-Tour ist das erste Lebenszeichen von Luna, bei der somit "neues Material" im Spiel ist. In Anführungszeichen gesetzt ist das deswegen, weil dieses "neue Material" aus Cover-Versionen besteht - freilich anderen, als jenen, die Luna vor der Trennung im Programm hatten. Neues Material hat Dean Wareham bislang noch nicht für Luna geschrieben.
Industry City ist - wie der Name schon vermuten lässt - ein aus alten Fabrikgebäuden und Lagerhäusern umgebauter Komplex im Distrikt Sunset Park im Herzen von Brooklyn, in dem sich jede Menge Shops, Cafés, Bars, Offices und Clubs angesiedelt haben - und in dessen Innenhöfen im Sommer auch Open-Air-Konzerte stattfinden. Die Show im Courtyard begann für Luna, als sei das letzte Jahrzehnt ohne jede Spur an der Band vorübergezogen - nämlich mit einer Version von "23 Minutes Over Brussels" (bei der sie auf der ursprünglichen Aufnahme Tom Verlaine an der Gitarre unterstützt hatte), die Luna ganz darauf ausrichteten, die im Titel besungenen 23 Minuten in Echtzeit für die Performance zu nutzen. Das gelang auch fast - es zeigte aber vor allen, dass die Band die Dynamik, die weiland ihre Live-Shows ausgemacht hatte, mühelos in die Jetztzeit hatte hieven können. Es gab aber freilich auch Unterschiede zu früher. Denn während sich Sean und Dean ehemals auf der Bühne bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Gitarristen duellierten, ist heutzutage eine gewisse Aufgabenteilung zu beobachten: Wenn Sean zu einem Solo ansetzte, ließ ihn Dean gewähren und wechselte in den Rhythmusgitarrenmodus und umgekehrt galt das Gleiche. Das ging dann sogar soweit, dass man Britta Phillips so etwas wie Raum für Bass-Soli bot - was früher ja eher ungewöhnlich gewesen wäre. Die Setlist bestand dabei - wie angedeutet - zum Teil aus den bereits erwähnten Coverversionen: "Fire In Cairo" von The Cure etwa, "Sweetness" von Yes oder "Car Wash Hair" von Mercury Rev (was insofern Sinn macht, als dass Dean Wareham auf der Originalversion des Songs Backing Vocals sang). Als besonderes Bonbon gab es dann noch "Lonesome Cowboy Bill" von Velvet Underground (das geht eben nicht ganz ohne VU-Faktor) - das die Band zuvor als Single-Titel eingespielt hatte. Letzteres wurde ganz dicht am Original als Fake-Rodeo-Hoedown-Nummer gespielt (mit allerdings reservierter Reaktion seitens des Publikums), während die Band bei den anderen Cover-Versionen durchaus die eigene Identität einfließen ließ; wobei der Cure-Song sicherlich das Highlight darstellte, da hier das Potential des Songs durch eine Verschleppung des Tempos in eine ganz andere Richtung als jene des Originals geleitet wurde. Der Rest des Sets bestand dann weniger aus soliden Gassenhauern, sondern aus selten gespielten Tracks wie z.B. "Slide" vom ersten Album "Lunapark", "Bewitched" vom gleichnamigen zweiten oder "Math Wiz" von "The Days Of Our Night". Lediglich das Album "Penthouse" wurde etwas intensiver bedacht - u.a. mit dem grandios hingehauenen "Chinatown" - während "Romantica" und "Pup Tent" ganz ausgespart wurden. Aber es ging hier ja nicht um eine Greatest Hits-Show, sondern darum, zu demonstrieren, dass man sich - mit einer Prise Altersweisheit und in heiterer Gelassenheit - wieder in alter Frische zusammengerauft hatte. Und das demonstrierten Luna eindrucksvoll. Nicht jeder Ton stimmte hierbei - aber das war ja früher auch nicht anders. Insofern sind sich Luna also auch diesebzüglich treu geblieben.
Als Support war die lokale Band Acid Dad angetreten. Dabei handelt es sich zum Glück nicht um eine HipHop-Crew, sondern um eine jugendlich ungestüme Gitarrenband. Das "Acid" im Namen bezieht sich hier also auf den abrasiven Stil der Jungs und die leicht psychedelische Note ihrer Musik. Die Herren machten dabei eigentlich alles richtig: Orientiert an den guten alten Vorreitern (namentlich MC5) und einem Faible für einen britischen Touch arbeiteten die Herren ihr Programm nach allen Regeln der Kunst ab und rockten das Haus ganz ordentlich - womit sie ihre Aufgabe als Anheizer mehr als erfüllten. Dass die junge, ungestüme Band dann fast eine Stunde auf der Bühne ausharrte (was für einen Support Slot eigentlich zu lang ist), darf angesichts dessen, dass hier ja nicht gelangweilt wurde und es angemessen gut zum Headliner passte, verziehen werden.

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Surfempfehlung:
lunamusic.com
www.facebook.com/Luna.Official.Bandpage
www.aciddad.com
www.facebook.com/aciddad
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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