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Ohmme

New York, Bryant Park
17.08.2018

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Ohmme
Im Herzen von Manhattan - auf der 42. Straße, unweit des Times Square und ungefähr an der Stelle, wo King Kong weiland die Fahrgäste aus der heutzutage nicht mehr existierenden Hochbahn geschüttelt hat - liegt der malerischer Bryant Park im Häusermeer New York Cities. Dieser ist eine insbesondere von den berufstätigen Einheimischen in Pausen oder nach Feierabend frequentierte relative Quelle der Ruhe in der Stadt, die niemals schläft. Damit ist im Sommer des Öfteren Schluss, denn dort finden kostenlose Open Air-Veranstaltungen statt, die weniger überlaufen und reglementiert sind als jene im Central Park. Seit einiger Zeit gibt es dort auch das Emerging Music Festival, auf dem sich hoffnungsvolle Newcomer oder Indie-Acts dem zwar musikalisch weitgehend indifferenten, aber höflich zuhörenden und artig applaudierenden, urbanen Publikum präsentieren können. Und dort spielten am 17.08.18 Sima Cunningham und Macie Stewart aus Chicago, die auch dem New Yorker Publikum noch nicht besser unter ihrem Projektnamen Ohmme bekannt sind, denn das von Doug McCombs (Tortoise) mitproduzierte Debüt-Album "Parts" sollte nämlich erst eine Woche nach diesem Konzert auf dem legendären Sub Pop Label erscheinen. "Ohmme" - das sagt man ja gemeinhin beim Meditieren oder beim Yoga; ab nun aber wohl auch, wenn es um den heißesten Artrock aus Chicago geht.
Beide - also Sima und Macie - sind ausgebildete klassische Pianistinnen, die zuvor alleine und in Bandprojekten gearbeitet haben und mit oder für so unterschiedliche Acts wie Jeff Tweedy, Iron & Wine, Tortoise, Twin Peaks (die Band - nicht die Serie) oder Chance The Rapper gearbeitet. Das vergisst man aber am Besten gleich wieder, denn darum geht es hier nicht. Um sich als Musikerinnen und Songwriterinnen selbst herauszufordern, haben sich Sima und Macie nämlich klassische Gitarrenbands als Leitmotiv für ihr Tun vorgenommen - nur dass sie ohne Bassisten auskommen.

Sima und Macie (und nicht zu vergessen Drummer Matt Carroll) - waren an diesem Tag extra aus Chicago eingeflogen, um diese Show zu spielen. Da einen Tag zuvor gerade Aretha Franklin gestorben war, eröffneten die Mädels die Show spontan mit einer Coverversion von "Say A Little Prayer For You". Das ist keineswegs typisch für den Ohmme-Sound (wenngleich die makellos inszenierte Version durchaus berührte) - zeigte aber schon, worum es bei Ohmme (neben den Gitarren) geht: Nämlich um den traumhaft harmonisierenden Gesang der eigentlich recht unterschiedlichen Stimmen der beiden Protagonistinnen. Musikalisch finden sich allerlei offensichtliche Referenzen im Sound der Mädels - von den Pixies bzw. Breeders über Nirvana (dank Matt Carrolls raumgreifenden Dave Grohl-Drumming) bis hin zu den Dirty Projectors oder PJ Harvey kann man da durchaus alles Mögliche heraushören, wenn man möchte. Es gibt dann aber auch noch ganz andere - nicht so offensichtliche - Inspirationsquellen. So coverten die Damen mitten im Set etwa "Give Me Back My Man" von den B-52’s (und zwar nicht auf die parodistische Art, die die Band selbst heutzutage pflegt) und dann traktierten beide ihre Gitarren mit einer dezidiert handwerklich kruden Technik, die rüberkommt, als wollen sie ihre Instrumente aufbohren oder zerhacken. Sowas kennen ältere höchstens vielleicht noch von Andy Gill von der Gang Of Four. "Game Of Thrones?", fragt Macie - darauf angesprochen - erstaunt nach der Show, weil sie das falsch verstanden hatte; räumt dann aber ein, dass die Briten absolut einen Einfluss auf sie gehabt haben. Eine Prise Postrock und - sagen wir mal - Krautrock-Unerbittlichkeit runden das Bild ab.

Das bedeutet nicht, dass die Musik von Ohmme ohne eigene Ideen aus bestehenden Elementen zusammengesetzt wurde, sondern nur, dass Sima und Macy sehr genau wissen, worauf es ankommt, was sie wollen und wie man da hingelangt. Und dann ist da ja - wie gesagt - noch dieser Gesang, der in diesem Zusammenhang in dieser Art und Qualität ja durchaus auch nicht selbstverständlich ist. Bei ihrem eigenen Stück "Water" etwa schaffen es Sima und Macie mühelos, die im Studio sorgsam ausgeklügelte, wechselseitige Vokalakrobatik im Live-Kontext zu replizieren. Aber auch bei persönlicheren Tracks, wie etwa "Grandmother", ist dieser ausgefeilte Harmonie-Gesang ein Mehrwert - einfach weil er den Stücken eine Emotionalität verleiht, die man zwischen den abrasiven Rockriffs eigentlich gar nicht gesucht oder erwartet hätte.

Nun ist das ja etwas seltsam, die Live-Qualitäten einer Band zu beschreien, deren Scheibe noch gar nicht erschienen ist - sie ist aber in dem Fall durchaus angebracht, da sich genau diese Qualitäten nämlich durchaus auch bei den Einzelteilen des Albums "Parts" prägend niederschlagen. Keine Frage: Das ist alles sehr rund und schlüssig und es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn uns da mal nicht gleich die nächste Indie-Sensation ins Haus stünde.

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www.facebook.com/ohmmemusic
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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