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Take Me To The Moon

Okta Logue
Suzan Köcher

Köln, Gebäude 9
08.12.2017

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Okta Logue
"Okta Logue brauchen immer etwas länger für den Soundcheck", meinte Suzan Köcher warnend auf die Frage, wann man denn am besten zu der gemeinsamen Show im Kölner Gebäude 9 erscheinen solle. Und in der Tat: Da wurde dann ein Soundcheck gefahren, wie er selbst in den 60er Jahren nicht gründlicher hinzubekommen gewesen wäre. Und das machte dann auch irgendwie Sinn, denn beide Acts - also Suzan Köcher und ihre Band aus Solingen wie auch Okta Logue aus Hessen - haben schließlich einen Sinn für die traditionellen Old-School-Werte der klassischen Altvorderen.
Tatsächlich war das sowieso eine Show, bei der es angenehme Parallelen zwischen Support-Act und Headliner zu beobachten gibt, denn sowohl Suzan wie auch die Griesheimer machen schließlich - auf ihre Weise - eine Art psychedelischer Popmusik: Suzan Köcher, die gerade mit ihrer brillanten Debüt-LP "Moon Bordeaux" überraschte, outete sich an diesem Abend in eine überraschen rockige Richtung, in der die zugrundeliegende Psychedelia aber auch mit Folk-Roots eingebunden ist, während es bei Okta Logue eher in eine poppige Richtung geht, die indes mit Prog-Ambitionen und großen Gesten garniert ist. Was beiden Acts des Weiteren gemein ist, ist die respektvolle Art, in der sich die Musiker den zweifelsohne vorhandenen Inspirationsquellen der Musikhistorie nähern - ohne diese bloß zu emulieren oder zu kopieren. Suzan Köcher zum Beispiel hat auf die Frage, wie man die eigene Identität in einem Genre einbringt, das grundsätzlich bereits hinreichend beackert worden ist, endlich mal eine interessante Antwort: Es genüge nämlich schon, in unseren wirren, heutigen Zeiten zu leben, um eine eigene Identität in die Musik einflechten zu können. Da ist was dran - auch unter dem Gesichtspunkt, dass sich so alle Fehler, die die Altvorderen auf der Suche nach dem musikalischen Ausdrucksmittel du jour machten, auf diese Weise - mit dem Wissen, was eben vorher passiert ist - vermeiden lassen. In beiden Fallen bezog sich das an diesem Abend vor allen Dingen darauf, dass das Medium Psychedelia nicht zu einem selbstverliebten Trip ins spacige Gedaddel missbraucht wurde, sondern dass stets die Songs als solche in einem vernünftigen Format und die Kommunikation mit dem Publikum im Zentrum standen.
Suzan Köcher und ihre brillanten Mitstreiter trugen die Songs von "Moon Bordeaux" - sowie zusätzlich ein atmosphärisch dräuendes Intro wie auch eine Cover-Version von "Harley Davidson", einem Stück des von Suzan hochverehrten Serge Gainsbourg, das weiland von Brigitte Bardot gegen die Wand gefahren wurde, in einem druckvollen, rockigen Setting an das Publikum heran. Das bedeutete zugleich, dass hier echte Live-Versionen geboten wurden - und zwar in dem Sinne, dass die Tracks gegenüber der Studio-Versionen noch mal eine Portion spielfreudiger dargeboten wurden und - trotz des knappen Zeitrahmens - auch immer wieder improvisierte Jam-Passagen eingebaut wurden. Das machte auch Sinn, denn während im Studio Suzan und ihr Mitstreiter Julian Müller praktisch alles alleine gemacht hatten, wirkte auf der Bühne die ganze Band mit. Drummer Jens Vetter zum Beispiel hantierte zu diesem Behufe an einem analogen Synthesizer herum, Suzan griff zur Präsentation von "Harley Davidson" zu einem Glockenspiel und Julian Müller schnallte sich beim Outro des als letztem gegebenen Titeltracks - dem dem Phänomen eines Blutmondes gewidmeten "Moon Bordeaux" - eigens noch eine neue Gitarre um, um das Publikum mit einem spacigen Slide-Solo mit ins Weltenall zu nehmen. Dafür, dass es sich bei dieser Show "nur" um einen Aufwärmgig gehandelt hatte, war das eine ziemlich beeindruckende Show, bei der nicht nur alles stimmte, sondern bei der zum Beispiel auch die körperlich ja eher überschaubare Suzan Köcher auf der Bühne zu einer ungeahnten performerischen Grandezza auflief.

Auch bei dem folgenden Gig von Okta Logue galt vor allen Dingen, dass hier einfach alles richtig gemacht wurde. Die Musik der Hessen ist ja nicht besonders schwer zu verstehen - und darin liegt wahrscheinlich auch das Erfolgsgeheimnis der Band. Jedenfalls ist es Benno Herz & Co. in den acht Jahren, seit sie zum ersten Mal in Köln - damals im King Georg - aufgetreten sind, gelungen, eine Menge echter und potentieller Hits im Psychedelia-Setting zu kreieren. Das liegt vor allen Dingen daran, dass die Jungs den Pop nicht scheuen, sondern geradezu umarmen. Gerade die Tracks der letzten LP "Diamonds And Despair" warten - immer wieder mit (zumindest in diesem Setting eher unerwarteten) melodiösen Hooklines und Refrains auf. Witzigerweise gilt das auch für Instrumentalen Austausch der Musikanten untereinander: Bei Songs wie "Pitch Black Dark" oder "One Way Ticket" gehören griffige "Duelle" von Herz und Gitarrist Phil Meloi (der in klassischer Gitarrero-Tradition mit ordentlich Herzschmerz und entsprechend verzerrte Gesicht in die Saiten greift) oder Einlagen des gut gelaunten Keyboarders Max Schneider mit zum Unterhaltungsprogramm. Die Prog-Elemente - mit Rhythmus- und Tempi-Wechseln und vertrackt verhakelten Instrumentalpassagen - bleiben dabei auch im Rahmen eines Pop-geeigneten Formates. Drummer Robert Herz, der am Tag zuvor noch einen Bandscheibenvorfall hatte wegspritzen lassen - spielte zum Beispiel dafür, dass er alleine zuvor eine halbe Stunde Drum-Soundcheck gemacht hatte, geradezu geradlinig. Insgesamt war die Show von Okta Logue aufgrund dieses Konzeptes vor allen Dingen unterhaltsam und kurzweilig, so dass am Ende ein rundum gelungener, spaciger Konzertabend als unterhaltsame Reise zum Mond (denn auch Okta Logue zollen dem Himmelskörper schließlich mit "Under The Pale Moon" Respekt) im Raum stand.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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