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Happy Hour

R.E.M.
The Thrills

Oberhausen, Arena
04.02.2005
R.E.M.
Es war kurz nach 20.00 Uhr, als Michael Stipe auf die Bühne der bis auf den letzten Platz besetzten Arena in Oberhausen kam und persönlich die erste Attraktion des Abends ankündigte: The Thrills aus Dublin! Die durften sich aber nicht nur ob der persönlichen Empfehlung von R.E.M. des Applauses des Publikums sicher sein, denn die Musik des Quintetts mit den ausgefallenen Harmonien passte ganz ausgezeichnet zum Headliner. Anfangs hatten Sänger Conor Deasy und die Seinen zwar noch etwas mit dem verhallten Sound der Halle zu kämpfen, doch nachdem sie einige dem R.E.M.'schen Frühwerk nicht unähnliche Jangle-Pop-Nummern aus dem Weg geräumt hatten und sich auf die üppig produzierten Songs ihres dieser Tage erscheinenden zweiten Albums "Let's Bottle Bohemia" stürzten, wurde auch der Klang in der Arena besser.
Die ersten Highlights waren so "The Irish Keep Gate-Crashing" und – als "Oldie" aus dem Jahr 2002 - die immer noch schwer Ohrwurm-gefährdete Single "Big Sur". Letztere Nummer kannten offensichtlich auch einige Menschen in den ersten Reihen. Die ein oder andere Wunderkerze wurde entzündet, was ein riesengroßes Lächeln auf Deasys Gesicht zauberte. Danach wurde der rund 40-minütige Auftritt dann zum Kinderspiel. Beim Rocker "Rosebud" war Mitklatschen angesagt, bei "Not For All The Love In The World" herrschte zumindest auf dem Parkett andächtige Stille, und bevor sich der Auftritt mit - natürlich! - "Santa Cruz" seinem Höhepunkt näherte, wiederholte sogar Peter Buck noch seinen Gastauftritt des neuen Albums - mit Lederjacke und Brille.

Nach einer unnötig langen Pause war dann alles bereit für einen rauschenden Abend. Ihr letztes reguläres Deutschland-Konzert 2003 in Wiesbaden haben R.E.M. bekanntlich auf der DVD "Perfect Square" festgehalten, doch auch wenn das neue Album der Amerikaner, "Around The Sun", unter dem Strich leider eine Enttäuschung ist und der Band aus Athens in letzter Zeit des Öfteren unterstellt wird, sie näherten sich immer mehr dem Rock-Dinosaurier-Status von Bands wie den Rolling Stones, bewegt sich bei ihnen trotzdem immer noch eine ganze Menge. Weit weniger als die Hälfte des Programms war mit dem Auftritt in Wiesbaden identisch, und in puncto Spielfreude (um nicht zu sagen: Albernheiten) schienen R.E.M. in Oberhausen sogar noch zuzulegen. Explosiv jedenfalls gleich der Beginn: "Finest Worksong" aus dem 1987er-Meilenstein "Document", dann direkt das weitestgehend unbekannte, aber nicht weniger mitreißende "Departure" und eine kleine Sensation als dritter Song. Wohl zum ersten Mal seit Jahren spielten R.E.M. eine Nummer, die völlig ohne Keyboards auskam und stattdessen am Bühnenrand viel Platz für ein wahrhaft ohrenbetäubendes Gitarrenduell von Peter Buck, Scott McCaughey und Ken Stringfellow bot. Das Stück, das sich die Band dafür ausgesucht hatte, war an diesem Abend zum ersten Mal seit genau zehn Jahren (!) wieder im Programm: "I Took Your Name", einer der unbestrittenen Höhepunkte aus dem "Monster"-Album! Wow.

Etwas weniger ehrfurchteinflößend waren dagegen viele der insgesamt sieben neuen Songs aus "Around The Sun". Zwar machte es sich im Gegensatz zum Album im Rahmen eines Konzerts eher positiv bemerkbar, dass die neuen Stücke fast allesamt musikalische Parallelen zu früheren Songs aufweisen, doch über die Tatsache, dass sie trotz teils sehr ambitionierter Texte nur so dahinplätschern, konnte auch das nicht hinwegtäuschen. Lediglich das mit einem unglaublichen Groove ausgestattete "The Outsiders" und das Folk-inspirierte politische Manifest "Final Straw" konnten wirklich überzeugen. Dafür gab es viele alte Songs von zeitlosem Wert: Das auf dieser Tour erstmals seit vielen Jahren wieder gespielte Frühwerk "7 Chinese Brothers" zum Beispiel oder Klassiker vom Schlage "Orange Crush", "Everybody Hurts" oder "Electrolite". Zwischendurch plauderte Michael Stipe locker mit dem Publikum, erkundigte sich vor "Hi-Speed Train" nach der Hochgeschwindigkeitszugverbindung nach Berlin, kommentierte im Publikum hochgehaltene Schilder mit Songwünschen und war auch sonst für jeden Spaß zu haben. Oder zumindest fast, denn als er während "Imitation Of Life" schelmisch zu Mike Mills herüber schlich, um dem Bassisten zuerst beim Singen des Refrains tief in die Augen zu schauen und ihn dann spaßeshalber an seinem Kinnbärtchen zu kitzeln, war er doch ziemlich verdutzt, als Mills sich mit gleicher Münze revanchieren wollte. Offensichtlich erschocken über den Gedanken, Mike könnte ihm ins Gesicht fassen, sprang er einen Meter zurück und vergaß dabei witzigerweise sogar das Singen...

"The One I Love" und "Walk Unafraid" leiteten dann zum großen Finale über, das aus einer ziemlich derangierten Version von "Losing My Religion" bestand, bei dem auf der Bühne so ausgelassene "Letzte Stunde vor den Sommerferien"-Atmosphäre herrschte, dass die musikalische Qualität fast etwas litt. Lustig aber, dass Mills bei der Zeile "consider this" die melodramatische Geste mit der ausgestreckten Faust aus dem 1991er-Videoclip imitierte. Zugaben gab es natürlich auch. Der unfehlbare Rocker "What's The Frequency Kenneth", ein letztes neues Stück ("Aftermath") und ein besonderes - auf der gedruckten Setlist nicht verewigtes - Highlight als Bonus: Für eine Tour-Mitarbeiterin, die sich schon seit Wochen von der Band vergeblich eine bestimmte Nummer wünschte, spielten R.E.M. noch ihren wohl besten Song überhaupt, "Find The River". Ungeprobt, wie Stipe unterstrich, bevor er lachend anmerkte: "Ich glaub, ich weiß gar nicht, wie er beginnt", worauf sich Scott McCaughey ein "Good luck!" nicht verkneifen konnte... Dass die schleppenden Songs des neuen Albums nicht alles sind, an dem R.E.M. in den letzten zwei Jahren gearbeitet haben, bewies die brandneue, bisher unveröffentlichte Rock-Offenbarung "I'm Gonna DJ" ("Death is pretty final, I'm collecting vinyl, I'm gonna DJ at the end of the world"). "Man On The Moon" als Rausschmeißer endete dann in einer regelrechten Feedback-Orgie, an deren Schluss Scott McCaughey wie ein Flummi über die Bühne hüpfte und Peter Buck eine Mischung aus Rolle vorwärts und versuchtem Salto vollführte, bevor er Michael Stipe - sehr zur Belustigung von Ken Stringfellow und Bill Rieflin - huckepack von der Bühne trug.

Natürlich sind R.E.M. inzwischen auch ein gut durchorganisiertes Unternehmen, aber mit diesem Auftritt in Oberhausen bewiesen sie, dass sie auf jeden Fall auch noch aus Spaß an der Freude dabei sind. Und allein dafür gebührt ihnen nach gemeinsamen 25 Jahren Respekt.

BACKSTAGE WITH: THE THRILLS

The Thrills
Vor ihrem Auftritt in Oberhausen traf Gaesteliste.de zunächst auf einen leicht glasig dreinschauenden Drummer Ben Carrigan - die Nacht zuvor in Rotterdam scheint wohl etwas kurz ausgefallen zu sein. Schließlich ist man nicht jeden Tag mit R.E.M. unterwegs...

Ben: Ja, das stimmt, und es ist einfach großartig! Wir sind zwar erst ein paar Tage mit den Jungs unterwegs, aber wir verstehen uns einfach blendend. Jeden Abend werden wir auf der Bühne von einem R.E.M.-Mitglied angekündigt, und Peter Buck spielt - genau wie auf unserer Platte - beim Stück "The Curse Of Comfort" Mandoline. Und nachher kommen sie natürlich auch zu uns in den Backstage-Raum - da muss ich schonmal in mich hinein grinsen und denke mir, hey, das ist R.E.M.! In unserem Backstage-Raum!

Nun gesellt sich Gitarrist Daniel Ryan in kompletter Schlafmontur, in einem schick gestreiften Pyjama, dazu...

Daniel: Es ist absolut großartig, mit einer Band, mit der wir praktisch aufgewachsen sind, auf Tour zu sein....

GL.de: Das erste Album der Thrills war nun ein großer Erfolg, danach folgten Touren mit den Stones, Dylan und jetzt R.E.M. - was lässt einen da nicht einfach abheben?

Daniel: Das ist recht einfach - wir schauen uns R.E.M. an, wir schauen uns an, was eine solche Band seit Jahren großartiges leistet und dabei völlig auf dem Boden bleibt. Diese Band ist für uns auf persönlicher Ebene auch ein großes Vorbild.

GL.de: Das neue Album ist den Menschen von Dublin gewidmet - beide Thrills-Alben wurden aber in Amerika aufgenommen. Gibt es dafür einen besonderen Grund? Und könnte man nicht mal einfach zuhause, in Dublin, aufnehmen?

Daniel: Es wäre zwar schön, aber das Problem ist, man kann keinen amerikanischen Produzenten davon überzeugen, für zwei Monate nach Dublin zu kommen! Amerikaner scheinen es nicht besonders zu mögen, ihr Land zu verlassen.

GL.de: Aber muss es denn unbedingt ein amerikanischer Produzent sein?

Daniel: Es gibt einfach keine guten Produzenten in Irland - die Leute, die wir gut finden, sind entweder aus England oder Amerika. Aber wir hatten natürlich nichts dagegen, nach Amerika zu fliegen und dort unsere Alben aufzunehmen. Außerdem ist es natürlich schon nett, wenn man aus dem Studio kommt, auf die Straßen von Los Angeles geht, die Sonne scheint und es einfach schön ist. Aber all das hat keinen Einfluss auf das Ergebnis - man hat die Songs fertig, nimmt sie ordentlich auf und das war's dann. Aber natürlich würde ich auch gerne mal in Dublin etwas einspielen.

GL.de: Mit der Erfahrung eines Albums im Rücken, kann man bei der zweiten die "Do"s und "Don't"s besser abstecken - worauf hat man denn diesmal besonders geachtet?

Daniel: Wenn man tagelang im Studio ist, neigt man leicht zur Faulheit. Wir haben uns diesmal die Wochenden freigenommen, denn man braucht einfach mal eine Pause. Außerdem sollte man auch immer versuchen, die Dinge etwas zu relativieren und den Blick nach vorne nicht zu verlieren - was aber auch recht schwierig ist, wenn man Tag und Nacht nur Musik um die Ohren hat und in dieser Welt praktisch gefangen ist...


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Konzert: -Carsten Wohlfeld-
Interview: -David Bluhm-
Fotos: -Pressefreigaben-


 
 

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