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Konzert-Bericht
 
Hohes Niveau, aber noch steigerungsfähig

Athlete
Idlewild

Köln, Underground
16.02.2005

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"Das wird bestimmt heute ein Desaster", unkte Idlewild-Sänger Roddy Woomble beim Soundcheck, als anfangs nichts so recht funktionieren wollte, während die Fernsehmenschen bereits mit strenger Miene auf ihre Uhren schauten. Dieser Showcase unserer schottischen Lieblinge, dem am 11. April das neue Album "Warnings / Promises" und im Mai gar die allererste Idlewild-Headline-Tournee folgen sollen, war schließlich Teil der TV-Reihe "Rockpalast Bootleg". Von den anfänglichen Soundproblemen war dann später bei der leider viel zu kurzen Show zum Glück nichts mehr zu hören. Trotzdem hatte man ein wenig das Gefühl, Idlewild hätten auf die Kameras auch gerne verzichtet.
So klammerte sich Roddy - der nach seinem berühmten deutschen Monolog beim letzten Konzert im Underground vor zweieinhalb Jahren sein Schul-Deutsch dieses Mal nur mit einem knappen "Guten Tag, gute Nacht" auf die Probe stellte - noch mehr als sonst (und teils beidhändig) an seiner Bierflasche fest, begrüßte schüchtern, aber charmant nicht das Fernsehpublikum, sondern lediglich die Kameras und versprach - etwas zur Verwunderung seiner vier Mitstreiter - für die angedachten Deutschland-Konzerte im Mai ein Zwei-Stunden-Set. Im Underground dagegen mussten wir uns mit einem 45-Minuten-Gig begnügen, bei dem Idlewild zwar bemüht waren, die große Bandbreite ihres neuen Albums unter Beweis zu stellen, dafür aber ihre (punk-)rockige Vergangenheit etwas zu sehr vernachlässigten. So erlebten wir an diesem Abend eine ungewohnt zahme Version des schottischen Quintetts, das nur bei wenigen alten Krachern à la "Little Discourage" oder "Modern Way Of Letting Go" so richtig explodierte. Dass die fünf allerdings auch in ihren poppigeren Momenten eine großartige Band sind, bewiesen sie mit "I Understand It" (von dem Roddy augenzwinkernd sagte, dass es davon handele, NICHTS zu verstehen - das sei typisch schottisch) und ganz zum Schluss mit "American English". Ein toller Auftritt, wenngleich auch feststeht, dass Idlewild es noch besser können! (Das Publikum schien beim Idlewild-Auftritt noch nicht wirklich im Kölner Underground angekommen zu sein - es war extrem zurückhaltend, die eher hilflosen Versuche einiger Fernseh-Crew-Mitglieder, per Zwischenrufe für mehr Stimmung zu sorgen - schließlich muss ja im TV ein begeisterungsfähiges Publikum zu sehen und hören sein -, verpufften nahezu wirkungslos im Club.)

Mit Athlete stand anschließend nach einem fast einstündigen Umbau die "Band der Stunde" auf der Bühne des Undergrounds. Just in dieser Woche katapultierten die vier Engländer nämlich ihr zweites Album "Tourist" von 0 auf 1 in den britischen Charts, zudem verkaufen sich die Tickets für ihre Tournee daheim wie geschnitten Brot. Eine Erklärung, warum das so ist, konnte der Auftritt in Köln allerdings nur bedingt liefern. "Athlete machen Musik für Weinbars", hatte vor der Show jemand gesagt, der es wissen sollte, aber vermutlich lieber ungenannt bleiben möchte, und da ist etwas dran. In ansonsten seltener Perfektion zelebrierten die vier ihre Popsongs voll von hübschen Sounds und erinnerungswürdigen Melodieböden, dem Oeuvre Coldplays nicht unähnlich - allerdings nicht mit dem gleichen Charisma. Gepflegte Langeweile auf einem sehr hohen Niveau war das, was Athlete an diesem Abend boten. Alternative Popmusik für all diejenigen, die die wahren Alternativen zum Formatradio-Einheitsbrei nicht kennen.

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Surfempfehlung:
www.athlete.mu
www.idlewild.co.uk
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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