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Konzert-Bericht
 
Rilo Kiley 1 Bright Eyes 0

Bright Eyes
Rilo Kiley

Köln, Live Music Hall
22.02.2005
Brigh Eyes
Seit Wochen schon war das Bright Eyes-Konzert in Köln ausverkauft, obwohl es vorsorglich sogar vom kuscheligen Stollwerck in die hässliche Live Music Hall verlegt worden war. Kunststück, schließlich zierte Conor Oberst in den vergangenen Wochen (verdientermaßen) das Titelblatt so ziemlich jeder Musikzeitung, die etwas auf sich hält - oder einen der begehrten Interviewslots mit dem Tausendsassa aus Amerika bekommen hatte. Im Innern der Halle waren außer vielen, vielen jungen Damen auch die besten deutschen Troubadoure (Jona, Maximilian Hecker) und so ziemlich jeder, der mal in Diensten der Musikindustrie gestanden hat, zugegen.
Sie alle durften sich zunächst eine wahre Weltklasse-Vorgruppe anschauen: Rilo Kiley mit ihrer unwiderstehlichen Sängerin Jenny Lewis. Am Tag nach der Deutschland-Veröffentlichung ihres dritten Albums, "More Adventurous", wurde das an diesem Abend zum Sextett erweiterte Quartett aus Los Angeles (dessen Drummer Jason Boesel später auch für Bright Eyes trommelte) ziemlich stürmisch gefeiert - erstaunlich, wenn man bedenkt, dass außer ein paar Hardcore-Fans eigentlich niemand die Songs kennen konnte. Besagte Hardcore-Fans waren vielleicht ein wenig traurig, dass es fast nur neue Lieder zu hören gab (den Publikumswunsch "Pictures Of Success" aus dem Debüt "Take Offs And Landings" ignorierte Jenny geflissentlich), die allerdings waren erste Sahne: Nachdem es anfangs mit "It's A Hit" und "Portion For Foxes" eher klassisch indierockig zuging, wurde danach die große Bandbreite Rilo Kileys unterstrichen: Mit dem Crooner-Song "I Never", dem fluffig-countryesken Titelstück ihrer neuen LP oder dem einzigen Gesangsauftritt von Gitarrist Blake Sennett, "Ripchord". Letzteres übrigens live um einiges überzeugender als auf Platte. Und die beste Nachricht: Eine brandneue, bisher unveröffentlichte Nummer mit der wiederkehrenden Textzeile "I will survive" gehörte zu den Highlights des Abends!
Danach schlurfte Conor Oberst, das Gesicht anfangs unter einer großen Kapuze versteckt, auf die Bühne und stellte die siebenköpfige Band mit einer schwerzüngigen Langsamkeit vor, die man bisher nur von den Amphetamin-geschwängerten 1966er Konzerten von Bob Dylan zu kennen glaubte. Doch nachdem das Konzert etwas vorhersehbar mit den ersten drei Songs des neuen "Akustik"-Albums - in diesem Lichte betrachtet wohl eher ironisch "I'm Wide Awake, It's Morning" betitelt - langsam ins Rollen gebracht worden war, wachte Conor zusehends auf, legte mehr Emotionen in seine Songs und konnte sich auch einige nette Seitenhiebe auf seine Bandmitglieder nicht verkneifen. So wurde Mike "from the country" Mogis ob seiner Heimatstadt "in the middle of fucking nowhere", auf halbem Wege von Omaha nach Colorado, gehänselt, Bassistin Stephanie Drootin (deren Band The Good Life erst vor kurzem in Köln zu Gast war) dagegen musste sich anhören, dass sie wie ein Landei aussehe, obwohl sie aus der Großstadt komme, und Trompeter / Keyboarder Nate Walcott wurde als der größte Hasch-Raucher New York Citys geoutet. Conor selbst fing sich dagegen einen Spruch dafür ein, dass er (angeblich) ständig ins Mikro spucke und dieses deshalb nach nicht einmal der Hälfte der Show ausgetaucht werden musste. Die Hälfte des Publikums konnte er mit diesen charmanten Einlagen einfangen, und in den einschlägigen Online-Foren sprachen tags darauf einige von einem der besten Konzerte seit langem. Die andere Hälfte des Publikums hatte sich zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon auf den Heimweg gemacht, enttäuscht auch von der Tatsache, dass es aus dem 2002er-Meisterwerk "Lifted..." gerade einmal zwei Songs zu hören gab und Conors übermäßiger Alkoholzuspruch sicherlich auch keine Hilfe war. Die US-Nummer-1-Single "Lua" gab's übrigens solo als Zugabe, und beendet wurde das Konzert ähnlich vorhersehbar, wie es begonnen hatte: Mit "Road To Joy", dem letzten Song des neuen Albums. Vielleicht waren die Erwartungen einfach zu hoch, vielleicht hatten Bright Eyes in Köln einen schlechten Tag erwischt, aber seinen inzwischen geradezu gottgleichen Status konnte Conor mit diesem alles andere als magischen Auftritt nur sehr bedingt unter Beweis stellen. Fazit? Rilo Kiley 1, Bright Eyes 0.
Surfempfehlung:
www.saddle-creek.com
www.rilokiley.com
www.rilokiley.net
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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