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Heldenzeit

Mike Watt And The Secondmen

Münster, Gleis 22
09.04.2005

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Mike Watt And The Secondmen
"Ich habe gar keine Lust, große Worte zu verschwenden, denn: MIKE WATT IST DER GRÖSSTE, sozusagen der 'Godfather des Indierock'! Minutemen, fIREHOSE und zuletzt auch bei - genau - den Stooges. Wenn du's jetzt noch nicht kapiert hast, begrab' dein Hirn an der Biegung des Flusses." - Treffender als im Programmheft des Gleis 22 kann man einen Auftritt von Mike Watt wahrlich kaum ankündigen. An diesem verregneten Samstagabend war Heldenzeit in Münster - und wie bei den anderen Konzerten der laufenden Europa-Tournee kamen die Zuschauer leider nicht gerade in Scharen.
Nun gut, sieben Jahre ist es her, seit sich Watt hierzulande mit eigener Band hat blicken lassen, und sein aktuelles drittes Solowerk "The Secondmen's Middle Stand" wird offiziell in unseren Breiten erst in Kürze (über Easy Action / Soulfood) veröffentlicht. Dass aber trotzdem nur noch so wenige zu wissen scheinen, dass Watt der Inbegriff des Punkrock Spirit ist und Bass zu spielen versteht, wie wohl kaum ein Zweiter, ist schon sehr, sehr traurig. Nachdem das einheimische Trio Endearment dem Publikum mit seinem selbsterklärten "Math- / Mass- / Mess-Rock" (= gefällige, energiegeladene Musik zum Zeitgeist) sein drittes Album "We Are The Factory" vorgestellt hatte, verschwand der Gitarrenverstärker - ansonsten doch Synonym einer jeden (Punk-) Rockshow - von der Bühne.

Um seine aktuelle Minirockoper, die nicht zuletzt von seiner lebensbedrohlichen Krankheit im Jahre 2000 handelt, die ihn lange außer Gefecht setzte, zu inszenieren, brauchte Watt nicht mehr als seine vier Bass-Saiten und mit dem gerade einmal 27-jährigen Geburtstagskind Raul Morales und Nina Hagen-Band-Veteran Paul Roessler zwei Mitstreiter an Schlagzeug und Orgel. Das Ergebnis war ein intensiver bisweilen auch anstrengender 60-Minuten Trip, bei dem das ganze Album von Anfang bis Ende auf die Bühne gebracht wurde. Zuerst verschroben und kantig ("Boilin' Blazes"), dann ausgewalzt mit einem Drei-Worte-Refrain als Anker ("Pissbags And Tubing"), dann - zumindest für die ungewöhnliche Besetzung - geradezu einschmeichelnd poppig ("Pluckin', Pedalin' And Paddlin'") und zum Schluss musikalisch versöhnlich ("Pelicanman").

Dass Watt für sein nächstes Album zu kurzen, präzisen Songs zurückkehren will, wird all diejenigen freuen, die bei der Zugabe den meisten Spaß hatten. Da gab es nämlich sogar einen rund zwanzig Jahre alten Minutemen-Klassiker in neuem Gewand zu hören ("Corona"), Roessler durfte für eine Psychedelic-geschwängerte Version von Bob Dylans "It's Alright Ma (I'm Only Bleeding)" ans Mikro, und selbst vor "The Red And The Black" von Blue Öyster Cult - das auch die Minutemen und fIREHOSE schon gecovert hatten - machten die drei nicht halt! Auch wenn die Zugabe mitunter den Schluss zuließ, dass mehr knappere Songs dem Konzert besser getan hätten als die Konzentration auf die neun ellenlangen Stücke des "Middle Stand"-Songzyklus: Es war eine helle Freude, einer der inspirierendsten Persönlichkeiten der US-Musiklandschaft und einem Mann, der sich einfach nicht verbiegen läst, bei der Arbeit zuzuschauen.

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Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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