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"That was gorgeous!"

Rufus Wainwright
Joan As Police Woman

Köln, Bürgerhaus Stollwerck
20.04.2005
Rufus Wainwright
"Want Two" ist bereits die vierte Platte des Kanadiers aus der großen Singer / Songwriter-Dynastie, aber die erste, die er auch live in Deutschland vorstellt. Wenige Wochen nachdem er für die Briten Keane nur als Support ran durfte, war es nun endlich Zeit für seine erste Headline-Tournee - und was für eine großartige Performance lieferte der smarte 31-Jährige mit seiner sechsköpfigen Begleitband ab! Rund zwei Stunden stand er auf der sympathisch niedrigen Bühne des Stollwercks, auf der er sich sichtlich wohl fühlte ("I feel very artsy tonight", meinte er ob des Blicks auf die Galerien, die den eigentlichen Saal umgaben, und hatte auch sonst jede Menge Ansagen bereit, die wahlweise pfiffig waren oder aus anderen Gründen das Publikum zum Schmunzeln brachten).
Zunächst jedoch gab es einen kurzen Solo-Auftritt von Joan Wasser alias Joan As Police Woman, einer klassisch ausgebildeten Geigerin, die schon mit Größen wie Sheryl Crow, Lou Reed und eben Rufus aufgenommen hat, bei The Dambuilders zu lokalem Ruhm gekommen ist und sich - sozusagen nebenbei - auch als Singer / Songwriterin betätigt. Nur an der halbakustischen Gitarre begleitet klangen ihre Songs leider bisweilen etwas spröde. Aus ihrer just veröffentlichten Debüt-EP spielte sie erstaunlicherweise so gut wie nichts, dafür gab's in ihrem gegen Ende merklich besser werdenden Set ein nettes Cover von David Bowies "Sweet Thing" und eine feine Folk-Nummer namens "We Don't Own It", die sie Elliott Smith widmete.

Kurz danach - in der Umbaupause lief die Platte von Rufus' Schwester Martha - stand Joan dann gleich noch einmal auf der Bühne, als Geigerin, Gitarristin und Backing-Sängerin für die "Main Attraction". Rufus begann - wie schon bei den Keane-Supportsets - sein Programm mit "Agnus Dei" aus dem aktuellen "Want Two"-Album (das übrigens an diesem Abend in Gänze zur Aufführung kam) und sorgte damit unter den Touristen für einige verwirrte Blicke. Mit der schrägsten Nummer des gesamten Repertoires anzufangen, ist natürlich auch - je nach Sichtweise - dumm oder mutig. Das gilt übrigens auch für seinen Exkurs in die Geographie. "Sind wir heute im Süden von Deutschland? Nein? Dann wohl im Norden? Auch nicht? Im Osten? [zu diesem Zeitpunkt bog sich Joan übrigens bereits vor Lachen] Ah, im Westen! Ihr seht, ich habe noch eine Menge zu lernen, aber das gilt ja auch für euch!"

Während des gesamten Konzerts ließ Rufus keinen Zweifel daran, dass seine Musik und vor allem natürlich seine Texte sehr persönlich gefärbt sind. Da gab's das Tribut an seine frühere Heimat Montreal ("Hometown Waltz") oder das bereits viel diskutierte "Gay Messiah" (in Verbindung mit einigen amüsanten Anmerkungen zur Papstwahl im Allgemeinen und Ratzinger im Speziellen). "The Art Teacher" brachte Rufus - wie schon am Nachmittag bei Sarah Kuttner - solo, doch für die wahren Highlights sorgten vor allem die Songs, bei denen die Band sich voll entfalten konnte. "Grey Gardens" aus dem "Poses"-Album zum Beispiel oder das für Rufus' Verhältnisse ungemein rockige und dazu noch ungeheuer eingängige "The One You Love".

Herzerweichend schön natürlich auch die kurze Passage mit Coverversionen: Zunächst das im Vergleich zur USA-Tour 2004 umarrangierte "Hallelujah" von Leonard Cohen (als Tribute zugleich an den größten Songwriter seiner alten Heimatstadt und an Jeff Buckley, mit den ihn bekanntermaßen eine Hassliebe verbindet), bei dem seinen beiden Backing-Sängerinnen, der bereits erwähnte Joan Wasser und Jennifer Stills, jeweils eine Solostrophe eingeräumt wurde (sie durften die zusätzlichen Strophen der John-Cale-Version singen, während Rufus Cohens Original übernahm), und dann noch "Across The Universe" von den Beatles.

Doch damit der Huldigung anderer Künstler noch nicht genug: Gleich im Anschluss setzte sich Rufus allein ans Klavier, um sowohl seiner Mutter Kate McGarrigle als auch seiner Schwester Martha und seinem Vater Loudon III je einen Song zu widmen. Dass er das McGarrigle-Duo dabei als "zwei der besten Songwriterinnen und großartigsten Frauen, die je einen Fuß auf die Erde gesetzt haben" beschrieb und über seine Schwester sagte, sie sei völlig anders als er, aber genauso toll, hätte man vielen anderen Künstlern wohl übel genommen, aber beim Charmebolzen Rufus konnte man problemlos ein Auge zudrücken. Ja, er kam sogar damit durch, dass er sich bei einer Nummer, "Dinner At Eight" war es wohl, zu einer gelungenen Phrasierung mitten im Song selbst mit "Oh, that was gorgeous" beglückwünschte!

Das alles war schon keine normale Rockshow, aber bei den Zugaben schossen Rufus und seine Band dann wirklich den Vogel ab, indem die sieben Musiker allesamt auf der Bühne strippten und sich - zumindest für eine Nummer - in - vorsichtig formuliert - exotischen Kostümen präsentierten. Allen voran natürlich Rufus: Im Tanga, mit Misswahl-Schleifchen und Krone! Doch auch musikalisch zauberte er in Köln noch eine Überraschung aus dem Hut. Auf Wunsch einer jungen Dame in Reihe eins änderte er nämlich sein ansonsten von Konzert zu Konzert unverändertes Set und ließ sich dazu hinreißen, auch noch den Titelsong von "Poses" zum Besten zu geben und den Abend mit seinem heimlichen ersten Hit, "California", nach rund zwei Stunden und mehr als zwei Dutzend 1A-Songs ausklingen zu lassen. That was gorgeous, indeed!

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www.rufuswainwright.com
www.rufuswainwright.de
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-

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