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Everything is brilliant in Leeds

Kaiser Chiefs
The Cribs

Berlin, Postbahnhof
02.05.2005
Kaiser Chiefs
"Everything is brilliant in Leeds" – zumindest, wenn man den T-Shirts der Kaiser Chiefs glaubt. Doch nicht nur Merchandise mit pfiffigen Sprüchen hatten die fünf Herren aus Englands Norden an diesem Abend im Postbahnhof zu bieten. Auch wenn sie noch Newcomer sind – sie wissen, wie's geht! Wie Sänger Ricky Wilson das Publikum von Anfang an im Griff hatte, war schon beachtlich. Selbst die Tatsache, dass er bisweilen mangels Ideen für Ansagen einfach nach fast jedem Lied den Bandnamen wiederholte, stieß nicht übel auf, sondern wurde im Laufe des kurzen Auftritts zu einem geradezu netten Running-Gag. Dabei hätte er die Band gar nicht großartig vorstellen müssen, denn der Laden war nicht nur rappelvoll, die Leute vor der Bühne sangen sogar fast jede Zeile mit - auch die Texte der Songs, die sie offiziell noch gar nicht kennen durften.
Dass das Kaiser-Debütalbum "Employment" in Deutschland noch nicht einmal auf dem Markt ist (in England reichte es dagegen schon für einen waschechten Hype), störte an diesem Abend offensichtlich auch niemanden, und die Band wurde gefeiert, als hätten wir es hier mit Veteranen der Szene und nicht mit einer Band zu tun, die erstmals auf einer hiesigen Bühne stand. Die positive Stimmung schien sich auch auf die Vorgruppe zu übertragen. Zwei Wochen zuvor waren The Cribs im Vorprogramm von Bloc Party in Köln noch an der miserablen Stimmung in der Halle (und vermutlich an der eigenen Übermotivation) gescheitert, vor den Kaiser Chiefs in einer wirklich schönen Location dagegen konnten sie richtig abräumen. Dabei blendete das britische Brüder-Trio auch an diesem Abend interessanterweise die ihm häufig unterstellte Affinität zum Pop weitestgehend aus und überzeugte lieber durch eine Energieleistung. Dass den dreien bereits eine Nähe zum verschroben-ungezügelten Rock des pazifischen Nordwestens nachgesagt wurde (egal, ob Kill Rock Stars oder Pavement), machte mit diesem Auftritt als Maßstab wirklich Sinn. Das Publikum zeigte sich begeistert, und die Musiker verließen am Ende ihres Acht-Song-Sets freudestrahlend die Bühne.

Danach waren dann die Kaiser Chiefs angetreten, um den Thron des Britpop für sich zu reklamieren und, wenn sie schon an The Kinks, XTC oder Blur nicht heranreichen konnten, sich doch zumindest als legitime Nachfolger von Supergrass zu präsentieren. Das gelang ihnen auch prima, ohne deshalb wirklich restlos zu überzeugen – dazu fehlten ihnen einfach die eigenen Ideen. Ein wenig Franz Ferdinand'scher Minimalismus, die Präzision von Maximo Park oder die himmlischen Melodien von Dogs Die In Hot Cars waren es, die in den Songs Kaiser Chiefs widerhallten, und das machte sie mitunter zu einer Band nach Baukastenprinzip – ganz zu schweigen davon, dass die Ideen der vorgenannten Bands auch nicht gerade taufrisch sind.

Wer sich weniger Gedanken über die Ursprünge der Songs machte, durfte sich allerdings gut unterhalten fühlen, durch die Single "Every Day I Love You Less And Less" zum Beispiel und natürlich durch den heimlichen Hit "I Predict A Riot", zu dem Ricky stilecht ins Publikum hechtete und sich auf Händen durch den Raum tragen ließ. "Das war für die Jungs", meinte er danach, "und jetzt kommt was für die Mädchen". Dass den Damen ausgerechnet die schwächste Nummer des Sets, die schwer 60s-lastige Ballade "Modern Way" gewidmet wurde, hatten sie zwar nicht verdient, doch spätestens als die Chiefs ihre neue Single ankündigten, war das auch wieder vergessen. "Oh My God" hat ohne Frage einen der eingängigsten Refrains des Jahres 2005 und ist drauf und dran, ein Konsenshit wie etwa Snow Patrols "Run" zu werden.

Nach weniger als einer Stunde war's dann bereits Zeit für den Rausschmeißer, und dafür hatte sich das Quintett die zu Unrecht nur auf der "Oh My God"-EP versteckte High Energy-Nummer "Take My Temperature" aufgespart, mit der es auch im Postbahnhof groß abräumen konnte. Rund 50 Minuten gute, vor Energie sprühende Unterhaltung, mit der die Band allerdings den Beweis schuldig blieb, warum gerade den Kaiser Chiefs mehr als nur die berüchtigten "15 minutes of fame" vorbehalten sein sollten.

Surfempfehlung:
www.kaiserchiefs.co.uk
www.kaiserchiefs.de
www.thecribs.com
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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