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Konzert-Bericht
 
Singende Schauspielerin? Von wegen!

Julia Hummer & Too Many Boys

Münster, Luna Bar
19.05.2005
Julia Hummer & Too Many Boys
Zumindest einen Leser sind wir nun wohl los. Den nämlich, der uns letztens seinen Boykott als Sanktion für den Fall androhte, dass wir weiterhin über "singende Schauspielerinnen" (seine Worte im Forum) schreiben würden. Wobei zu hinterfragen wäre, ob Julia Hummer wirklich in diese Kategorie fällt. Nach ihrem Konzert in Münster jedenfalls ist man geneigt zu sagen, dass die Berlinerin als Sängerin und Songwriterin groß rauskommen wird, nicht WEIL, sondern OBWOHL sie bisher vor allem als Aktrice bekannt ist.
Julia Hummer & Too Many Boys
Da kommt sie auf die winzige Bühne der Luna Bar, schnallt sich die Akustikgitarre um, legt sich den Mundharmonikahalter um den Hals und fängt lässig mit einer wunderbar countryesken Nummer an, während ihre Band, bestehend aus Too Many Boys, dazu lässig die Stray Gators mimt. Das Neil Young-Flair hält allerdings nicht lange an, denn die Songs sind geradezu unerwartet abwechslungsreich. Sogar ein richtiges Duett ist dabei, "Simple As Can Be" mag der sehr an Lou Reed erinnernde Song wohl heißen, bei dem der wohl wichtigste "Boy" der Band, der alte Tausendsassa Krite Uhe, sogar von der akustischen zur elektrischen Gitarre greift - ansonsten ist es aber wohltuend, dass die Band, von einem herrlich altmodischen elektrischen Bass einmal abgesehen, in akustischer Besetzung spielt. Ohne Setlist übrigens, was im Verlaufe des ganzen Konzertes zu viel Heiterkeit führt, lässt Julia doch ihre Musiker reihum Songs vorschlagen, nur, um sie letzten Endes dann doch wieder zu überstimmen. Die Single "Boxy, Where Are The Spangles" spielen sie natürlich trotzdem, und Julia lässt uns sogar wissen, dass die Nummer von der pillenvertickenden Hauptperson des Darren King-Romans "Boxy + Star" inspiriert ist (ein gutes Buch übrigens, schaut mal in die Restekiste bei Zweitausendeins), und auch die nächste Nummer, die poppige Uptempo-Nummer "Our Empire", ist nach der Lektüre eines Buches entstanden, "dabei les' ich eigentlich doch so gut wie gar nicht".
Julia Hummer & Too Many Boys
Die schönste Nummer des Abends ist allerdings die vielleicht älteste im Programm: Der sparsam instrumentierte Bluessong "Bowling In Woodstock", den Julia anfangs ganz alleine spielt. Die Ernsthaftigkeit ihrer Songs wird allerdings immer wieder mit witzigen Momenten zwischen den Stücken kontrastiert. Einen Songs bricht Julia gar ab, mit den Worten: "Ich sitze auf meinem Gitarrengurt", was natürlich für reichlich Gelächter sorgt, und dafür, dass Julia dann selber lachen muss, als sie den Song ein zweites Mal beginnen will. Überhaupt kichert sie viel und redet sich gleich mehrfach fast um Kopf und Kragen, als stünde sie nicht auf einer öffentlichen Bühne vor zahlendem Publikum, sondern würde in ihrem Wohnzimmer ein Konzert vor Freunden spielen (wobei die Luna Bar natürlich die Größe und das Ambiente eines Wohnzimmers hat). In jedem Fall ist es ein so überzeugender Auftritt, dass das zahlenmäßig äußerst ansehnliche Publikum eine Zugabe hören will, die Julia uns in Form von "anderthalb Songs", wie sie selbst es formuliert, auch gewährt: "Eine Nummer zwinge ich der Band immer auf und die andere können wir auch noch nicht so richtig." Doch selbst diese Stücke sind äußerst charmant, der Rest des Konzertes war allerdings mehr als das: Einfach gekonnt.
Surfempfehlung:
www.juliahummer.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-

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