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Konzert-Bericht
 
Klinkenputzen de luxe

NON-COMMvention, WXPN Listener Appreciation Show

Upper Darby, Pennsylvania, Tower Theatre
21.05.2005
My Morning Jacket
Wie schafft man es, fünf Acts, von denen derzeit eigentlich (fast) keiner auf Tournee ist, zu exklusiven Auftritten in Philadelphia zu überreden? Zum einen lädt man sie ins schönste Venue der (Vor-) Stadt, das Tower Theatre in Upper Darby, ein, zum anderen bindet man das Minifestival in eine Konferenz des nicht-kommerziellen Radios ein - also genau der Stationen, die für gewöhnlich geneigt sind, die Musik von Acts wie My Morning Jacket, Son Volt oder Bob Mould zu spielen. Dafür allerdings, dass die meisten zum Klinkenputzen gekommen waren, wurde es ein richtig feiner Abend - trotz des eher trägen Messepublikums, das Ausweis-schwenkend die ersten Reihen bevölkerte.
Den Anfang machten West Indian Girl, eine der typisch amerikanischen Bands, die ihrem Publikum als "Alternative" verkauft werden, dennoch aber Musik machen, die nur dazu da ist, möglichst hoch zu charten. Ausgestattet mit einem Sänger, der so aussieht, als sei er ein verlorener Sohn Lynyrd Skynyrds, einer exotischen Backup-Sängerin, die von sich selbst sagt, ihr Job sei "mit dem Arsch und dem Tambourine zu wackeln", und dem aus der Samsung Handy-Werbung bekannten Song "What Are You Afraid Of" kam die Band aus L.A. mit ihrem allerdings ziemlich belanglosen, sonnendurchfluteten Dream-Pop erstaunlich gut an.

Bob Mould hatte danach dagegen anzuspielen, dass kaum jemand gekommen war, um ihn zu sehen, doch das tat er sehr erfolgreich. Anders als bei seinen Clubshows, bei denen er gerne auch mal die 12-saitige Akustikgitarre bemüht und leisere Nummern zum Besten gibt, verlegte er sich an diesem Abend auf neun Hits und Hymnen seiner inzwischen 25-jährigen Karriere und brachte dazu nichts als seine Stratocaster als Begleitung. Den Sugar-Classic "Hoover Dam" gab's gleich zu Beginn, der makellose Popsong "I See A Little Light" war der einzige Rückgriff auf seine frühe Solozeit, und mit "I Apologize" und "Celebrated Summer" gab es sogar zwei Hüsker-Dü-Nummern zu hören. Spürbar die meisten Emotionen legte Mould allerdings in die beiden derzeit noch unveröffentlichten Stücke seines kommenden "Body Of Song"-Albums, "Circles" und "Paralyzed". Vielleicht nicht die beiden besten Songs seines kurzen Sets, ohne Zweifel jedoch die besten Performances an diesem Abend! Überhaupt genoss Mould den Auftritt sichtlich und fragte lachend in die Runde, wer denn sein neues Album bereits illegal heruntergeladen hätte, "jedenfalls hab ich letzten Freitag nur Mails bekommen, die mich fragten: 'Hast du gehört - dein Album steht bereits im Netz!'"

Ebenfalls erst in einigen Monaten gibt es das Comeback-Album von Son Volt zu kaufen, wobei Comeback nicht ganz das richtige Wort für diesen Etikettenschwindel ist. Richtig ist, dass der frühere Uncle Tupelo- und Son Volt-Mainman Jay Farrar seit einiger Zeit wieder zusammen mit einer Band spielt, anstatt solo unter seinem eigenen Namen aufzutreten. Warum diese Shows allerdings zunächst als Farrar & Band und nun plötzlich wieder unter dem Son Volt-Banner laufen, wird vorerst sein Geheimnis bleiben. Von der alten Besetzung, die Mitte der 90er drei feine Alben aufnahm, ist jedenfalls kein einziger Mitstreiter mehr übrig. Trotzdem war es ein wirklich überzeugender Auftritt, vor allem, weil Farrars neuer Gitarrist, Brad Rice heißt er wohl, nicht nur aussieht wie der junge Mick Taylor, sondern an diesem Abend auch ähnlich gottgleich in die Saiten griff. Das Programm mit fast ausschließlich neuen Nummern des kommenden "Okemah And The Melody Of Riot"-Albums jedenfalls zeichnete sich durch eine willkommene, erdige Rockigkeit aus, und den Oldie "Windfall" gab's obendrein als Rausschmeißer.

Danach stand dann der Mann für einen Kurzauftritt auf der Bühne, auf den die Teeniemädchen im Publikum schon den ganzen Abend gewartet hatten: Jason Mraz. Wie John Mayer oder Dave Matthews vor ihm, erweckt er den Eindruck, anspruchsvolle Songs zu machen, die sich bei näherem Hinhören allerdings als schnöder Plastikpop entpuppen. Sein Debüt erreichte dennoch bereits Millionenauflage, sein kommendes neues Werk "Mr. A-Z" (tolles Wortspiel mit seinem Nachnamen, was?) wird sich noch besser verkaufen, und vermutlich werden in Zukunft auch noch mehr Stofftiere auf die Bühne fliegen und noch mehr kleine Mädels in den höchsten Tönen vor Begeisterung quietschen. Wie schrieb jemand so schön im Gästebuch der Headliner My Morning Jacket: "Jason macht das, was er tut, wirklich gut - aber das kann man vom sauren Regen auch sagen!" Ganz genau!

My Morning Jacket standen danach zwar als Hauptattraktion, allerdings trotzdem noch nicht einmal eine Stunde auf der Bühne. Die eigentlich geplante Zugabe fiel nämlich leider der Curfew zum Opfer. Schade eigentlich, hatte uns Mastermind Jim James doch letztes Jahr noch erzählt, dass My Morning Jacket erst nach einer Stunde Spielzeit so richtig warm werden. Dass wir es hier mit keiner gewöhnlichen Band zu tun hatten, zeigte sich allerdings schon, bevor nur ein Ton gespielt war: In der Mitte der Bühne, mit dem Rücken zum Publikum, hatte sich nämlich, mit Frack und gepuderter Lockenperücke - ein Dirigent aufgebaut, der Nichts weiter zu tun hatte, als das Ensemble zu leiten (bei einer perfekt eingespielten Rockcombo eigentlich völlig überflüssig) und ab und zu mit dem Taktstock auf den Notenständer zu klopfen, wenn sich die Band zwischen den Songs zuviel Zeit ließ. Gitarrist und Sänger Jim James konnte sich derweil am linken Bühnenrand so richtig gehen lassen und genoß es sichtlich, dass nicht ständig alle Augen auf ihn gerichtet waren, und manövrierte seine Band durch ein fulminantes Set, das größtenteils aus Songs des letztjährigen Albums "It Still Moves" und einigen brandneuen Songs bestand, und unterstrich, dass der Band aus Kentucky das Prädikat "Acid-Country Radiohead" letztes Jahr nicht zu Unrecht angeheftet worden war. Großes Tennis, nur leider eben viel zu kurz!
Surfempfehlung:
www.mymorningjacket.com
www.jasonmraz.com
www.jayfarrar.net
www.bobmould.com
www.westindiangirl.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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