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Konzert-Bericht
 
Prinz William

Billy Corgan

Köln, Live Music Hall
11.06.2005
Billy Corgan
"Ich denke, es war ein großer Fehler, vor der Veröffentlichung des Albums und noch dazu während der Festivalsaison auf Europa-Tournee zu gehen", sinniert Billy Corgan vor seinem ersten Auftritt als Solist in Köln beim Treffen mit Gaesteliste.de. "Bei Rockmusik - den Pumpkins oder auch bei Zwan - war es vermutlich okay, so vorzugehen, weil du als Zuschauer weißt, dass du zumindest eine energiegeladene Show sehen wirst. Damit können die Leute etwas anfangen. Das Gleiche jetzt mit der ganzen Technik und der Kehrtwende in meiner Musik - zumindest was meine Soloaktivitäten angeht - zu versuchen, war ein Fehler. Auch wenn das Konzert letzte Nacht in Paris unglaublich war (und das Publikum ist dort eigentlich immer schwierig) - wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, hätte ich vermutlich bis zum Herbst gewartet, wenn die Leute die Platte kennen."
Billy Corgan
Es ist mehr als fraglich, ob er das nach dem geradezu triumphalen Auftritt in der Live Music Hall noch genauso gesehen hätte. Minutenlang stand er nach dem Konzert nämlich noch auf der Bühne, machte artig Diener, warf Kusshändchen in die Menge und schüttelte, sichtlich gerührt von den großartigen Reaktionen auf das 90-minütige Konzert, jede Menge Hände in den ersten Reihen. An diesem Abend gab es nämlich keine Spur von Verbitterung bei den Fans darüber, dass Corgan und seine Band - Brian Liesegang an den Keyboards, Matt Walker am elektronischen Schlagzeug und Keyboarderin und Sängerin Linda Strawberry - keine Songs von Zwan oder den Smashing Pumpkins im Programm hatten, sondern lediglich das neue, elektronische Solomaterial und einige Obskuritäten zum Besten gaben - Slim Harpos steinalten Klassiker "I'm A King Bee" zum Beispiel, von Corgan und Co. gespielt als schräger Elektroblues.

Doch auch wenn die Stücke auf "The Future Embrace" beim ersten Hören etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen, nach mehreren Durchläufen stellt man fest, dass sie eigentlich doch trotz der soundtechnischen Neuausrichtung, die hörbar von Bands wie Depeche Mode oder The Cure in ihrer synthetischen Phase geprägt ist, sehr Corgan-typisch sind. Ein Eindruck, der sich beim Konzert noch verstärkte. Anfangs schien es zwar, dass Corgan die kühle Unnahbarkeit der Platte auch bei der Livepräsentation umsetzen wollte, indem er zu Beginn keine Miene verzog, doch spätestens als sich die schneeweißen Bühnenaufbauten hinter der Band, die im ersten Moment wie Badezimmerkacheln ausgesehen hatten, als riesige Videowand entpuppten, die das Quartett in bunte Farben tauchte, und zwei Mädels vom polnischen Fanclub eine beschriftete Nationalflagge direkt vor seiner Nase ausrollten, huschte doch ein breites Lächeln über sein Gesicht. Großartig mit dem Publikum reden wollte er - von den obligatorischen "Thank you's" einmal abgesehen, dennoch nicht. "Ich heiße nicht mehr Billy. Wenn ihr mit mir reden wollt, nennt mich Prinz William, und ich werde euch vielleicht antworten", wies er - wenngleich augenzwinkernd - einen Zwischenrufer zurecht, und ein anderes Mal reagierter er auf ein "Billy, we love you!" aus dem Publikum mit "Sorry, I don't speak German". Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, ganz zum Schluss beim eher melancholischen "All Things Change" das Publikum noch zu einem Singalong zu bewegen. Was angesichts der Tatsache, dass - zumindest theoretisch - noch niemand das Stück kennen konnte (es wurde dennoch fast jedes Stück des Albums mitgesungen), auch ziemlich gut funktionierte.

Billy Corgan
Richtig gerockt wurde übrigens auch: Bei "Dia", dem wohl Pumpkins-mäßigsten Stück der neuen Platte, bei einer anscheinend neuen, ziemlich zerfahrenen, aber gerade deshalb sehr spaßigen Computer-Punkrocknummer und natürlich bei "It's A long Way To The Top (If You Wanna Rock N Roll)", der phongewaltigen Coverversion von AC/DC! Wer braucht da noch alte Corgan-Songs? Zumal die ja nicht unbedingt für immer verloren sind. "Ich habe nie gesagt, dass ich die alten Songs nie wieder spielen werde. Ich halte es lediglich zum jetzigen Zeitpunkt für unpassend, sie ohne die Pumpkins zu spielen", hatte uns Corgan vor der Show gesagt und lächelnd hinzugefügt: "Für den Moment müssen AC/DC reichen".
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Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

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