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Konzert-Bericht
 
Rock N Roll!

Tilman Rossmy Quartett

Dortmund, Subrosa
17.06.2005

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Tilman Rossmy
Wenn wir ganz ehrlich sind - ein bisschen hätten wir vor diesem Konzert schon vermutet, dass das Tourneeplakat, auf dem von der gut geölten Landstraßenkapelle mit der Vorliebe für countryeskes Singer-Songwritertum kurioserweise "Rock N Roll" versprochen wurde, das einzig Neue an diesem Abend sein würde. Schließlich war das Tilman Rossmy Quartett zum ersten Mal seit längerer Zeit ohne neues Album unterwegs, und die meiste Zeit seit der letzten Gastspielreise 2004 hatte Rossmy zudem in Südschottland, fernab seiner Band, verbracht. Tja, so kann man sich irren!
Wie sie es angestellt haben, konnten uns nach dem Konzert weder Rossmy noch Keyboarder Ralf Schlüter erklären, aber bisweilen schien es, als stünde dort eine andere Band auf der Bühne. Vom federleichten Countryfeeling früherer Konzerte war jedenfalls nicht mehr viel zu spüren, dafür gab es emotionsgeladene, bluesige Versionen vieler alter Klassiker, die RICHTIG rockten. Schlagzeuger Rob Feigel drosch ungewohnt hart auf seine Drums ein, Ralf Schlüter brachte ebenfalls seine Keyboards durch Körpereinsatz mehr als nur einmal kräftig ins Wanken, und selbst Folke Jensen, ansonsten die Ruhe in Person, ging richtig mit und ließ sich zu einigen ausgiebigen (und zudem sehr guten) Bluesrock Gitarrensoli hinreißen. Rossmy tat derweil gut daran, seine Akustikgitarre auf dem Ständer zu lassen und sich auf's Singen zu konzentrieren: Als er bei "Junkie" die Klampfe zum ersten und einzigen Mal bemühte, übertönte ihn seine ungewohnt, aber willkommen laute Band nämlich eh. Dazu passte Rossmys Ansage, dass es diesmal eine offene Setlist gäbe und jede Menge Songwünsche erfüllt würden. Es sei lediglich fraglich, ob die Band oder "wir" (und damit meinte er witzigerweise das Publikum und sich selbst) schneller beim Wünschen seien...
Gewünscht wurde interessanterweise viel aus "Passagier", und so gab's den alten Gassenhauer "15 Jahre" genauso zu hören wie "So sieht das aus". An letzteres Stück ging an diesem Abend der Preis für die wohl lauteste Nummer, die das Quartett je gespielt haben dürfte. Dass Rossmy irgendwann mittendrin die Combo als "Die Rob Feigel Band" vorstellte, machte also durchaus Sinn! Doch die Songs klangen nicht nur anders, oft waren es faktisch neue, laut Band zufällig entstandene Arrangements, die gespielt wurden. "Corinna" zum Beispiel hatte nicht nur eine veränderte Gesangslinie, sondern vor allem auch einen komplett neuen Beginn mit viel U2-Stadionfeeling. Das fiel dann auch Rossmy selbst auf, der die Nummer ankündigte mit: "The next song is called 'Sunday Bloody Sunday'!" Überhaupt hatte Rossmy viele gute Sprüche parat, wie den, dass "wir heute die ganze Nacht im Subrosa spielen", um dann mit Hinblick auf den für seine strikte Lärmschutz-Curfew bekannten Laden hinzuzufügen: "Auf besonderen Wunsch der Nachbarn!" Sogar "Loswerden" wurde in einer echten Rockversion geradezu unkenntlich gemacht. So unkenntlich sogar, dass sich am Ende einige das Stück wünschten, obwohl es schon gelaufen war. Auch neu war der hausgemachte Vokoder-Effekt (sprich: Man forme mit seinen Händen einen Trichter über dem Mikro) bei vielen Songs, die vor allem den alten Stücken den Trash-Faktor zurückgaben, der lange Zeit verloren schien. "Immer jemand im Busch" von der 1984er "Supermüll"-LP jedenfalls klang selten so authentisch. Das unerwartete Highlight des Abends war allerdings "Die Heimkehr" aus der aktuellen LP "Alles muss gehen".

Die größte Überraschung hingegen war eine Coverversion - und eine englische noch dazu. Als ginge es darum, den Slogan des eingangs erwähnten Tourplakats umzusetzen, spielten die vier doch tatsächlich eben jenes "Rock N Roll" von Led Zeppelin! Und das gar nicht einmal schlecht! Und das Stück blieb nicht die einzige englische Nummer des Abends. Als letzte Zugabe ließ sich Rossmy nämlich noch zu "1975" überreden, beziehungsweise zu "Nineteenhundredandseventyfive", der fast 1:1 ins Englische übertragenen Version des alten Regierungs-Klassikers! Ob dieser Auftritt besser war als das eigentlich unschlagbare Wochenende, das das Quartett letzten Herbst im Subrosa absolviert hatte, lässt sich schwerlich sagen, dass die vier an diesem Abend mehr Überraschungen aus dem Hut zauberten als bei fast all ihren Auftritten zuvor, dürfte dagegen feststehen.

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Surfempfehlung:
www.tilman-rossmy.de
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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