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Konzert-Bericht
 
Ehrlich und unverfälscht

Magnolia Electric Co.

Köln, Gebäude 9
27.06.2005

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Magnolia Electric Co.
Als "Working Class Rock" hatten wir in unserer Tourneeankündigung die Musik des Songs: Ohia-Nachfolgeprojekts Magnolia Electric Co. beschrieben, und viel treffender lässt sich wirklich kaum ausdrücken, was die Amerikaner auch auf der Bühne fabrizieren. Vordenker Jason Molina ist ein Besessener, der Musik wirklich arbeitet und nicht nur theatralisch zelebriert. Auf eine Show musste das Publikum - mal abgesehen von einem kleinen Geburtstagsständchen inklusive "Alkoholkuchen" für Pianist / Trompeter Michael Kapinus - an diesem Abend verzichten, nicht aber auf große Songs.
Die stammten - auch das unterstreicht die Tatsache, dass Molina nicht auf der Bühne steht, um schnell reich und berühmt zu werden - nur zu einem Bruchteil aus dem aktuellen Werk "What Comes After The Blues", und große Rückgriffe auf die noch weiter zurückliegende Vergangenheit blieben ebenfalls die Ausnahme. Stattdessen präsentierten Magnolia Electric Co. im Gebäude 9 - übrigens als Sextett, ohne die auf der Platte so zentrale Jennie Bedford - eine ganze Reihe brandneuer, teils unveröffentlichter, teils obskurer Songs, die größtenteils weniger von dem Country-Flavor gekennzeichnet sind, der das aktuelle Album so beherrscht, allerdings ohne Zweifel die gleiche ehrliche Unverfälschtheit besitzen. Sägte zum Beispiel Mike Brenner auf "What Comes After The Blues" ziemlich traditionell an seiner Steel Guitar, entfachte er in Köln des Öfteren einen psychedelisch anmutenden Orkan. Überhaupt wurde es oft ziemlich laut, denn seine Zeit als Leisetreter in Low'schen Fußstapfen hat Molina nun endgültig hinter sich gelassen. Die Neil Young-Vergleiche kann er zwar ebenfalls schon nicht mehr hören, aber den Vergleich zu Crazy Horse Mitte der 70er ließ sich auf dieser - von Gaesteliste.de präsentieren - Tournee dennoch nur selten von der Hand weisen. Dass bei den neuen Songs nicht immer alles gelang, gehörte dabei zum Prinzip. Nur wenige Monate vor "What Comes After The Blues" veröffentlichte Molina schließlich ein Livealbum, bei dem der Titel das Konzept war: "Trial And Error".
Highlights in Köln waren die eingängigsten Stücke des letzten Albums wie "Leave The City" oder "The Dark Don't Hide It", doch auch die Überraschungen bei den Zugaben hatten es in sich. Die auf gefühlte zehn Minuten ausgeweitete Allman Brothers-Jam "Texas 71" zum Beispiel, der Inbegriff eines perfekten, sich stetig steigernden Schlussstücks, das das Publikum ohne Zweifel mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht nach Hause geschickt hätte. Doch ähnlich wie auf seinem aktuellen Album, auf dem die leichter verdaulichen Stücke bewusst am Anfang stehen und die harte Kost das Werk beschließt, gab's auch in Köln einen todtraurigen Abschied mit Warren Zevons "Carmelita" und den Zeilen "I'm so strung out on heroin / at the outskirts of town". Gelächelt hat bei diesem Song nämlich nur einer - Jason Molina. Wiederkommen werden die Zuschauer beim nächsten Mal trotzdem, schließlich war der Auftritt wirklich erste Sahne.

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Surfempfehlung:
www.songsohia.com
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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