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Konzert-Bericht
 
Century Of Song

Patti Smith

Bochum, Jahrhunderthalle
20.08.2005/ 21.08.2005
Patti Smith & Band
Nein, an ein besseres Patti Smith-Konzert als dieses am Eröffnungsabend der RuhrTriennale in Bochum können wir uns wirklich nicht erinnern, obwohl es nicht das hielt, was von den Veranstaltern im Vorfeld versprochen worden war. Von einer speziellen Unplugged-Performance von Patti und ihrer Band war da die Rede gewesen und von einem ungewöhnlichen Set, mit eigenen Werken und Songs ihrer Idole und Freunde von Brecht über R.E.M. bis Nirvana. Stattdessen gab es einen nahezu perfekten Auftritt in der ausverkauften Jahrhunderthalle und davor. Vor dem Saal wurde das Konzert nämlich auf einer Leinwand übertragen, und auch das war ein Erlebnis. Zunächst kam Patti nämlich wenige Minuten vor dem Konzert auf den Vorplatz, um auch die Zuschauer draußen zu begrüßen und ihnen viel Spaß beim Konzert zu wünschen.
Gleich zu Beginn gab es die einzige semi-akustische Nummer des Abends, "Beneath The Southern Cross", die zusammen mit "My Blakean Year" kurz danach die einzigen Ausflüge ins Spät-Oevre bleiben sollte. Ansonsten gab es strikt Songs aus den 70ern, allesamt allerdings in perfekten Versionen, egal ob "Redondo Beach", das immer wieder grandiose "Free Money", ein wunderbar sanftes und emotionales "We Three" oder ein gekonnt brachiales "25th Floor", bei dem der Special Guest an der Gitarre, Tom Verlaine, sein Arbeitsgerät mit etwas malträtierte, das sehr nach einem Schraubenschlüssel aussah. Doch nicht nur die Band, auch Patti selbst war in Höchstform. Zwar redete sie wesentlich weniger als sonst üblich, dafür aber riss sie viel öfter als gewöhnlich das Mikro vom Ständer und tigerte damit über die Bühne und ließ sich von ihrer eigenen Musik so richtig mitreißen. Zum Beispiel, als sie plötzlich vor Gitarrist Lenny Kaye kniete und andächtig seinem Solo bei "Ain't It Strange" lauschte... Danach gab es sogar "Dancing Barefoot" zu hören, den eigentlich dazugehörigen Strip beschränkte Patti an diesem Abend allerdings auf ein Minimum. Lediglich den um ihren Hals baumelnden Backstagepass nahm sie ab und warf ihn hinter sich. "Dancing Barefoot" bot auch Platz für einen kurzen Ausflug ins Publikum, und das wiederum war dann der Auslöser für den Stagerush. Gut getimt übrigens, denn danach gab's die echten Hits: "Because The Night" und "Gloria" (gewidmet Papst Benedikt XVI.) gleich hintereinander. Die erste Zugabe war dann ein ganz besonderer Höhepunkt. Der österreichische Jazz-Trompeter Thomas Gansch (der mit seinem Ensemble Gansch & Roses auch in Bochum aufgetreten war) kam mit auf die Bühne, um "Elegie" zu zelebrieren, das Patti den Opfern der Bombenangriffe des zweiten Weltkriegs widmete, die in der Nachbarschaft des Geländes der heutigen Jahrhunderthalle wohnten und einem missglückten Angriff zum Opfer fielen, der eigentlich dem damaligen Gussstahlwerk gegolten hatte. Für das Stück wurde Drummer Jay Dee Daugherty übrigens zum Bassisten befördert. Nachdem sich Patti und Band schon im Mainset mit der Coverversion von "Sea Of Love" vor Phil Phillips And The Twilights verneigt hatten, gab's bei den Zugaben sogar noch Bob Dylans "Like A Rolling Stone", mit 1A-Hammondorgelbegleitung von Tony Shanahan (der übrigens den Markennamen seines Keyboards mit dem Spruch "Elvis lives" überklebt hatte), bei dem Lenny Kaye die dritte Strophe alleine singen durfte, und das tat er mit sichtlicher Freude. "People Have The Power" - natürlich - ganz zum Schluss, und dann war es zu Ende, das erste von zwei perfekten Patti Smith-Konzerten in Bochum.
Für das Konzert am Tag darauf hatte sich Patti dann offensichtlich ein wenig mit sowohl der Geschichte des alten Krupp-Geländes in Bochum-Stahlhausen als auch mit der Ausrichtung des "Century Of Song"-Festivals beschäftigt. Los ging es dieses Mal nämlich sofort mit einer Coverversion eines ihrer Helden, Jimi Hendrix, in dessen "Are You Experienced?" sie erneut eine kleine Improvisation über die fehlgeschlagenen Bombenangriffe auf die Fabrikgebäude einfließen ließ. Von Hendrix' Originalmusik blieb dabei wenig übrig - Patti und Band spielten die Nummer sogar ohne Drummer. Mit "Space Monkey" und Ghostdance" (mit einem feinen Solo von Special Guest Verlaine) hatten sich zudem zwei weitere Klassiker aus dem "Easter"-Album ins Set geschlichen, überraschender war jedoch, dass es am zweiten Abend eine ganze Reihe Coverversionen gab. Neben dem wunderschönen Gospel "Trampin'" (das Patti ihrer Tochter Jesse widmete) auch "Be My Baby", bei dem Patti skurrilerweise klang wie Joey Ramone, während sich Lenny Kaye und Tony Shanahan im Chor wirklich anhörten wie die Ronettes... Auch in die Jam-Version von "Not Fade Away" ließ Patti einen kleinen Monolog über die Jahrhunderthalle einfließen und änderte sogar den Text "you're gonna give your love to me" in "you're gonna give your love to THE FACTORY". Bei den Zugaben widmete sie ein wunderbar sanftes "Peaceable Kingdom" den Weltjugendtagsbesuchern und wünschte den Pilgern wie auch den Konzertbesuchern einen sicheren Heimweg. Nicht allerdings, ohne ihnen noch "ein kleines amerikanisches Volkslied" ("Like A Rolling Stone") vorzuspielen und beim an diesem Abend finalen "Gloria" noch einmal richtig aus sich herauszugehen. Ganz so überschäumend wie am ersten Abend war die Freude dieses Mal auf der Bühne zwar nicht, ein einmal mehr ganz hervorragendes Konzert war aber auch die zweite Vorstellung Pattis im Ruhrpott. 26 Jahre sind seit ihrem legendären Auftritt beim Rockpalast in der Essener Grugahalle vergangen, hoffen wir, dass sie ihre Fans an Rhein und Ruhr nicht wieder ein Vierteljahrhundert auf weitere Besuche warten lässt.
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Text: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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