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Konzert-Bericht
 
Das bittere Ende

Die Toten Hosen
Beatsteaks/ New Model Army/ El*ke

Düsseldorf, LTU Arena
10.09.2005
Die Toten Hosen
Eigentlich war alles bereit für ein rauschendes Fest: Die Hosen daheim in Düsseldorf, noch dazu zum Tourabschluss und vor 50 000 Menschen in der brandneuen LTU Arena. Was sollte da noch schief gehen? So einiges, denn ein wenig hatte die Band wohl die Liebe ihres Publikums etwas unterschätzt. Zumindest wurde Campino und Co. der Auftritt tags darauf im Fan-Forum kräftig um die Ohren gehauen. Zu Recht, denn das Konzert in der gigantischen Halle (das Stadiondach blieb an diesem Tag geschlossen) war - ebenso wie der Sound - ziemlich dürftig.
Die von Campino angekündigte große Sause war die lang erwartete Rückkehr in die Heimatstadt nämlich nur bedingt. Wer gehofft hatte, die Band würde zum Tourneeabschluss der heimischen Meute mehr bieten als den Fans anderswo, sah sich ge- und enttäuscht. Mehr als das Standardprogramm der "Friss oder stirb"-Tournee gab es nicht zu hören. Wie lahm ist es denn, den Abend groß als "Heimspiel" anzukündigen und ihn dann wie zig Auftritte zuvor mit dem Song "Auswärtsspiel" zu beginnen? Dazu viel Beliebiges der letzten zehn Jahre ("Bayern", "Zehn kleine Jägermeister"), altbekannte Coverversionen wie Blurs "Song #2" und nur ganz vereinzelt Rückgriffe auf die legendären Zeiten in den 80ern - vor dem Aufstieg in die Arena- und Stadion-Liga, als die Hosen noch eine Band, kein Konzern waren.

Ähnlich einfallslos wie die Setlist blieben dann auch Campinos Ansagen, er verhaspelte sich oft und wirkte bisweilen nervös (oder ausgebrannt?), keinesfalls allerdings wie die Galionsfigur der eigenen Party. Hätte man die Geschichte mit dem ersten Hosen-Konzert unter einer Düsseldorfer Brücke nicht mit einem Song aus jenen Tagen verbinden können? Hatte sich Campino wirklich für seine Ankündigung, den Fans in den ersten Reihen Wasser zu reichen, um sie vor dem Zusammenbruch zu bewahren, Applaus erwartet? Gibt es vor "Hier kommt Alex" wirklich seit 17 Jahren die gleiche Ansage?

"Wünsch DIR was" hätte gut und gerne der Leitsatz des Abends sein können, doch leider blieb der offizielle Tourslogan "Friss oder stirb" auch das Motto für die Songauswahl. Wäre dies ein x-beliebiges Hosen-Konzert gewesen, hätte man der Band den Abend als durchschnittlichen Auftritt verzeihen können. Als lange geplante Party, in die Tausende von Fans offensichtlich mehr investiert hatten als Campino und die Seinen, war's eine herbe Enttäuschung. Die Quittung war ein Pfeifkonzert als das Licht anging.

Immerhin war das Rahmenprogramm einigermaßen gut besetzt. El*ke durften die halbleere Halle warm spielen, bevor mit der englischen New Model Army langjährige Freunde der Hosen auf die Bühne kamen. Beim Publikum kamen sie zwar erstaunlicherweise nicht besonders gut an, doch mit ihrem Set machten sie alles richtig. Dass der Auftritt im Düsseldorfer "Enormodome" (O-Ton Sullivan) erst das zweite Konzert des neuen NMA-Gitarristen Marshall Gill war, konnte man allerdings höchstens dem etwas verpatzten Intro von "Wonderful Way To Go" anmerken. Die altbekannten Gassenhauer wie "Green And Grey", "I Love The World" und natürlich "51st State" (das die Hosen peinlicherweise später am Abend noch mal vom Band laufen ließen) klangen knackig wie eh und je. Und auch "Islands" aus dem fünf Tage zuvor veröffentlichten Album "Carnival" bewies, dass die Band auch zum 25-jährigen Dienstjubiläum noch ganz die Alte ist.

Die unsäglichen Beatsteaks verdienten sich danach einmal mehr Bestnoten für Energie und Power auf der Bühne und hämmerten sich mit unbeschreiblicher Arroganz durch ihr Set, in dem an diesem Abend "So Lonely" von The Police, "After Hours" von The Velvet Underground und "Bullet In The Head" von Rage Against The Machine die Höchststrafe (nämlich von den Beatsteaks gecovert zu werden) erhielten. Und egal, ob die Band das (Hosen-) Publikum für seinen angeblich fehlenden Enthusiasmus rügte, zuerst über die Halle herzog und dann dem riesigen Schuppen doch etwas abgewinnen konnte - das Publikum tobte. So viele dumpfe, unreflektierte Ja-Sager hätte man ja bei einem Hosen-Konzert eigentlich gar nicht vermutet. So waren die Berliner trotz ihrer inhaltlich armseligen Vorstellung so etwas wie die heimlichen Gewinner des Abends.

Surfempfehlung:
www.dth.de
www.beatsteaks.de
www.newmodelarmy.org
www.alleselke.de
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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