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Bob is back!

Bob Mould

Köln, Prime Club
13.09.2005
Bob Mould
Der oft inflationär gebrauchte Begriff der Legende - zu kaum jemand passt er besser als zu Bob Mould. Vermutlich 80% der gesamten so genannten Alternative Music der 90er Jahre lässt sich problemlos auf seine erste Band Hüsker Dü zurückführen, mit Sugar und deren Debütalbum "Copper Blue" schwamm Mould 1992 auf der Erfolgswelle mit, versorgte uns danach mit einer ganzen Reihe guter bis mutiger Soloalben und ging dabei seinen Weg unbeirrt weiter. Für seine aktuelle - von Gaesteliste.de präsentierte - Tournee wurde er nun gleich zweimal wortbrüchig - und wir sind ihm dankbar dafür. Zum einen bedeutet diese Band-Gastspielreise nämlich den Rücktritt vom Rücktritt (seine letzte elektrische Tournee im Jahre 1998 sollte eigentlich die Abschiedsvorstellung sein), zum anderen spielt er nun erstmals im Bandgefüge Songs aus seiner gesamten Karriere. Und nicht irgendwelche, sondern die besten!
Bob Mould
"Seven Years!", sagte Mould zur Begrüßung, auf seine Europa-Pause anspielend, und dann ging es dann gleich los mit dem Eröffnungstrio des Sugar-Albums "Copper Blue". Laut, explosiv, ohne Pause spielten Mould und seine Mitstreiter Jason Narducy am Bass, Brendan Canty am Schlagzeug und sein "Blowoff!"-Partner Rich Morel an den zumeist ob der Rockpower nicht zu hörenden Keyboards "The Act We Act", "A Good Idea" und "Changes", und auch wenn sich zumindest Canty nicht immer an die Vorgaben der Originalparts hielt, klangen die Songs keinesfalls wie nachgespielte, verwässerte Kopien, sondern ebenso frisch wie vor 13 Jahren. Wer geglaubt hatte, die Stücke von "Body Of Song" würden gerade im direkten Quervergleich mit den alten Klassikern verblassen, lag daneben. Geschickt wählte Mould die passenden Songs aus, und so fügten sich beispielsweise "Circles" oder "Paralyzed" nahtlos ein. Selbst "High Fidelity" wirkte nicht so deplatziert wie erwartet, obwohl eine solche (wenn auch gelungene) Ballade auf einem Mould-Bandkonzert trotzdem ziemlich aus dem Rahmen fällt.

Die Songs der "Copper Blue"-LP, die fast komplett gespielt wurde, blieben natürlich nicht die einzigen Rückgriffe auf die Vergangenheit. Interessant allerdings, dass Mould bis auf ein, zwei Ausnahmen keine Stücke brachte, die er schon 1998 gespielt hatte. "Hardly Getting Over It" stand im Prime Club - übrigens fast auf den Tag genau zwanzig Jahre nach seinem ersten Konzert an gleicher Stelle, am 16. September 1985 - als erste Hüsker Dü-Nummer auf dem Programm, wirkungsvoll von Morels Piano eingeleitet, dann der langsamen, sich dramatisch aufbauenden Liveversion Hüsker Düs von 1987 folgend. Das war große Klasse, aber es wurde noch besser. Spätestens bei "I Apologize" und - ja wirklich! - "Chartered Trips" gab es dann vor der Bühne kein Halten mehr. Klar, dass in der ersten Reihe all die inzwischen auch älter gewordenen Indierocker versammelt waren, die man schon seit 15 Jahren oder mehr von den einschlägigen Konzerten kennt. So durchgedreht wie an diesem Abend ist allerdings schon lange niemand mehr. Oder wann, bitte schön, habt ihr zum letzten Mal einen Mann stagediven sehen, der nicht nur zum Spaß ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Hauptschul-Abschluss 1981" trug? Na, siehste! Wie schrieb Mould kurz darauf doch so passend in seinem Blog? "The crowd was nearly as bonkers as London. Lots of broken glass on stage by the end of the night. Rich was a little stunned at the crowd breaching the stage, while Brendan and I thought it was rather mild (compared to things we've seen in years past)."

Bob Mould
Mit "Best Thing" gelang es Mould dann, trotz der Hüsker Dü-Euphorie gegen Ende des Mainsets sogar noch eine brandneue Nummer unterzubringen, die allerdings genauso energiegeladen und zwingend klang wie das ebenso unvermeidliche wie hoch willkommene "Celebrated Summer" zum Schluss. Aber was heißt hier schon Schluss? Zwei Zugabenblöcke gab's, die mit Krachern wie "Helpless", "If I Can't Change Your Mind" und natürlich "Makes No Sense At All" hochkarätig besetzt waren. Nachher wurde das Konzert von einigen mit den Reunion-Shows von Dinosaur Jr. gleichgesetzt, doch der Vergleich hinkt. Während sich J. Mascis und Co. derzeit nämlich darauf beschränken, ihre glorreiche Vergangenheit zu zelebrieren, bewies Mould an diesem Abend nicht nur, wie zeitlos seine Songs schon vor zwanzig und mehr Jahren waren, sondern dass er auch heute noch in der Lage ist, ähnlich gute Songs zu schreiben. Dass diese vermutlich nicht so genresprengende Klassiker werden wie so manche Hüsker Dü-Nummer, liegt nämlich nicht an Mould, sondern nur am Zeitgeist. Und dass ihm die Gastspielreise auch selbst viel Spaß bereitet hat und wir hoffentlich nicht wieder sieben Jahre lang warten müssen, kann man am Fazit in seinem Blog ablesen: "I want to go back. Soon." Deshalb darf man nach dem überragenden Auftritt in Köln ohne Zweifel sagen: Bob is back!
Surfempfehlung:
www.bobmould.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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