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Konzert-Bericht
 
Ein Duke kommt selten allein

The Duke Spirit
The Boggs

Köln, Gebäude 9
11.10.2005

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The Duke Spirit
Mit wem sind die fünf Briten nicht alles verglichen worden: Mit den frühen Stones, Captain Beefheart, The Jesus And Mary Chain, Mazzy Star, Black Rebel Motorcycle Club, My Bloody Valentine, Sonic Youth, The Gun Club oder The Velvet Underground. Viele Vorschusslorbeeren also schon vor ihrer allerersten Deutschland-Tournee, die mit einem Konzert im Kölner Gebäude 9 begann. Doch bevor die Band, deren Gitarrensound die Kollegen vom Rolling Stone nachsagen, er klänge, als ob man von einem Lastwagen voller Motorräder überfahren wird, auf der Bühne stand, durften The Boggs aus New York ran.
Oder genauer gesagt, ihr Mastermind Jason Friedman, denn der war alleine mit einer nur noch als schrottreif zu bezeichnenden Akustikgitarre angetreten, deren Klänge er mit solcher Vehemenz durch seine Effektgeräte und dann seinen Verstärker jagte, dass vermutlich selbst Joseph Arthur mit den Ohren geschlackert hätte. Friedman lieferte dabei, größtenteils instrumental, ohne die kleinste Unterbrechung eine 30-minütige Performance ab, die zu Beginn wie ein träger Vorkriegsblues klang, in der Mitte auf Elliott Smith'sches Songwriter-Terrain abdriftete, dann kantig-rockig wie The Who wurde und zum Schluss an "Led Zeppelin III" erinnerte. Als Gitarrist mag Friedman ein Ausnahmetalent sein, und sein Tempo und sein Spielwitz waren selbst durch eine gerissene Saite nicht aufzuhalten, dennoch war das Ganze unter dem Strich eher grenzwertig.
Wer nun erwartet hatte, The Duke Spirit würden die größte Underground-Rock-Offenbarung der letzten 25 Jahre sein, sah sich natürlich ge- und enttäuscht. Wer aber eine Band erwartet hatte, die etwas mehr kann und ist als all die anderen britischen Hypecombos, die schon wieder vergessen sind, bevor ihre dritte Single erscheint, durfte sich von The Duke Spirit exzellent unterhalten fühlen. Die spielten nämlich nicht nur stumpf die Songs ihres Debütalbums "Cuts Across The Land" herunter, sondern neben den LP-Highlights wie "Red Weather" oder "Lion Rip" auch Songs aus ihren zahlreichen EPs und brandneue Stücke aus der fürs kommende Frühjahr versprochenen nächsten Platte. Vor allem, dass Sängerin Liela Moss sich auf der Bühne genauso imposant PJ-Harvey-like durch die Songs heulte wie auf der Platte, fiel angenehm auf, während Hauptsongschreiber Luke Ford sich darauf beschränkte, in der dunkelsten Ecke der Bühne als Rhythmusgitarrist vor seiner mit Bildern von Aretha Franklin beklebten Verstärker-Transportbox den musikalischen Leiter zu geben und cool auszusehen. Und cool war das allemal, was das Quintett an diesem Abend in der Domstadt ablieferte.

Nach der Show jedenfalls waren die fünf völlig aus dem Häuschen. "Eigentlich lache ich ja auf der Bühne nicht", erzählte uns Liela, "doch heute konnte ich einfach nicht anders. Unser erstes Konzert in Deutschland - und es waren sogar Leute da!" Und auch Luke war sichtlich erleichtert, dass sich in Köln wesentlich mehr als die 25 Gestalten eingefunden hatten, die am Abend zuvor in Genf zum Auftritt der Engländer gekommen waren und Gitarrist Dan Higgins konnte kaum glauben, dass sogar Menschen den Weg ins Gebäude 9 gefunden hatten, die von außerhalb Kölns stammten. Erwachsene, nur mit den besten Referenzen ausgestattete Musik und geradezu kindliche Freude - eine gelungene Mischung!

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Surfempfehlung:
www.dukespirit.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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