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Drei Schritte vom Abgrund entfernt

Tocotronic

Essen, JZ Papestraße
14.10.2005
Tocotronic
Auf dem Papier hatte es so gut ausgesehen: Für ihre diesjährige Herbsttour hatten Tocotronic trotz ausverkaufter Säle im Frühjahr die kleinsten Läden seit Jahren gebucht, und auch die Ankündigung eines Best Of-Albums weckte Hoffnungen, dass wir mehr als nur eine Wiederholung des guten, aber ob der Konzentration auf die Songs der letzten Jahre bisweilen etwas langatmigen "Pure Vernunft darf niemals siegen"-Programms geboten bekommen würden. Eine Hoffnung, die leider enttäuscht wurde. Dirk von Lowtzow trug sogar wieder einmal das "Buffy"-Shirt.
Tocotronic
Zwar ging's gleich los mit "Wir kommen um uns zu beschweren", allerdings in psychedelischer Zeitlupenversion, an das sich musikalisch fast nahtlos "Aber hier leben, nein danke" anschloss. Letzteres folgte übrigens - Ironie, Ironie! - auf Dirk von Lowtzows Ansage, Essen sei die bisher schönste Stadt der Tour gewesen. Zu diesem Zeitpunkt war schon fast klar, dass es mit dem "Greatest Hits"-Set nichts werden würde. Stattdessen spielten sich Tocotronic auf R.E.M.-Niveau durch ein Set, das dem der Konzerte vor sechs Monaten sehr nahe kam und selbst trotz neuer Highlights wie "Gegen den Strich" etwas langweilte. R.E.M.-Niveau deshalb, weil hier wie dort die musikalische Qualität der neuen Songs außer Frage steht, in beiden Fällen aber die Hinwendung zum ernsthaften Musikertum auch eine gewisse Trägheit der Liveshows mit sich bringt. Zur Ehrenrettung des vierköpfigen Trios sei gesagt: Sie spielten auch unseren Lieblingssong "Drüben auf dem Hügel" und rockten bei der ersten Zugabe wie gewohnt zu dritt durch ein paar alte Heuler à la "Drei Schritte vom Abgrund entfernt" oder "Freiburg".
Tocotronic
Doch nicht nur das Publikum rastete dort zum ersten Mal so richtig aus und verlangte frenetisch nach einer zweiten Zugabe (die es auch gab), auch die Band schien bei den angeblich doch so ungern gespielten alten Songs so richtig aufzutauen. Die Chance, bei diesem Konzert in Essens Jugendzentrum (!) eventuell einmal vom Standardprogramm abzuweichen und "Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein" auszugraben, ließen Tocotronic leider verstreichen. Einzige echte Überraschung: Die finale Zugabe "So jung kommen wir nicht mehr zu sammen", gespielt zum ersten Mal seit Jahren. Die jüngeren Semester im Publikum waren von dem Auftritt übrigens restlos begeistert, für die älteren bleibt die Erkenntnis, dass früher eh alles viel besser war. Nicht nur, aber im Besonderen bei Tocotronic.
Surfempfehlung:
www.tocotronic.de
www.tocotronix.de
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler / David Bluhm-


 
 

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