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Konzert-Bericht
 
Tangled up in hits

Bob Dylan

Oberhausen, Arena
29.10.2005
Bob Dylan
Es gibt im Musikbusiness nun wirklich nicht mehr viele Dinge, auf die man sich noch verlassen kann, die alljährliche Deutschland-Tournee von Bob Dylan gehört Gott sei Dank noch dazu. Also alles beim Alten bei His Bobness? Mitnichten, denn der Ausstieg von Multiinstrumentalist Larry Campbell (kein Saitenmann spielte je mehr Konzerte mit Dylan) nach sieben Jahren in der Band ist einer der größten musikalischen Einschnitte in Dylans Bühnenkarriere seit langem. Campbell schien so unersetzbar, dass Dylan im Frühjahr gleich drei Musiker engagierte, um die Lücke zu füllen. Zwei von ihnen, Gitarrist Denny Freeman und Pedal Steeler Donnie Herron, sind immer noch mit dabei und ergänzen nun Gitarrist Stu Kimball und die bewährte Rhythmusgruppe mit Tony Garnier und George Receli.
Doch nicht nur die - auf der Bühne im Halbkreis aufgestellte - Band war neu. Ungewohnt für ein Dylan-Konzert war auch, dass man die Setlist relativ genau vorhersagen konnte. War es lange Jahre sein Markenzeichen, sein Konzertprogramm scheinbar nach dem Zufallsprinzip zusammenzuwürfeln, werden die Setlisten derzeit mit fast schon mathematischer Genauigkeit erstellt. Die erste Hälfte des Konzertes variiert kaum und ist größtenteils mit Hits der zweiten Hälfte der 60er gefüllt, und für den Rest sucht sich Dylan die Stücke nach den Wochentagen (!) aus. "God Knows" nur sonntags, "Masters Of War" immer dienstags, "To Ramona" jeden Samstag. Kein Wunder also, dass es für eingefleischte Fans zuletzt bisweilen spannender war, sich auf die - ob der neuen Band - veränderten Arrangements zu konzentrieren denn auf das Dechiffrieren der Setlist. "Maggie's Farm" stand erwartungsgemäß am Anfang, gespielt als gut geölte Rock N Roll-Nummer, laut und straight - ein guter Opener, zumal Dylan, trotz absteigender Tendenz in den letzten Jahren, gut bei Stimme war. "Lay Lady Lay" war ein früher Crowdpleaser und kam - auch das eher ungewohnt - dem 1969er Original erstaunlich nah. Das Highlight der gesamten Veranstaltung war dann der erste von drei Songs neueren Datums: "High Water" aus dem aktuellen Studiowerk "Love And Theft". Druckvoll, von Dylan mit vollem Einsatz gesungen (einige Zeilen rappte er sogar gewissermaßen) und mit einem feinen, bluesigen Solo von Stu Kimball veredelt. Performance-mäßig war das ein himmelweiter Unterschied zur eher behäbigen 2004er Tournee, doch leider verflachte die Setlist danach zusehends. Statt in letzter Zeit des Öfteren eingebauter Raritäten wie "Lenny Bruce", "New Morning" oder "Chimes Of Freedom" gab es in Oberhausen die geballte Ladung Greatest Hits. Ein mittelmäßiges "The Times They Are A-Changin'", ein schwer rockendes "Highway 61 Revisited", ein jämmerlich verhunztes "Tangled Up In Blue" (bei dem sich, im krassen Gegensatz zu früheren Jahren, rein niemand im Publikum bewegte) und eine immerhin sehr schöne Schlaflied-Version von "Mr. Tambourine Man".
Dafür, dass sich seine aktuelle Combo eigentlich eine Rockband schimpft, kamen an diesen Abend übrigens überproportional oft die Akustikinstrumente zum Einsatz. Immerhin gab es das gewohnt apokalyptische Finale mit "All Along The Watchtower", mit Stu Kimball als Jimi Hendrix-Double und einigen schönen neuen Licks von Donnie Herron. Während die letztjährigen Konzerte bisweilen richtiggehend langweilig gewesen waren - und trotz der vielen Formschwankungen: Langweilig war Dylan eigentlich zuvor noch nie gewesen - durfte man sich in Oberhausen anno 2005 zumindest gut unterhalten fühlen. Es war nicht der Dylan von 1966, der in der übrigens halb abgehängten Arena vor vielleicht rund 4 000 Zuschauern auf der Bühne stand, auch nicht der von 1975, noch nicht einmal der der Herbsttournee 2002, aber es war immer noch Bob Dylan. Was wollen wir eigentlich mehr?
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www.bobdylan.com
www.boblinks.org
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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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