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Konzert-Bericht
 
Die wollen nur spielen

The Decemberists
Two Gallants

Köln, Gebäude 9
21.11.2005

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The Decemberists
Wenn Colin Meloy sagen würde: "Ich bin die Decemberists", würde vermutlich niemand widersprechen. Denn während sich der bartgesichtige Brillenträger aus Portland, Oregon, der sich im Gebäude 9 wortgewaltig und mit einer Vorliebe für auffällige Sakkos präsentierte, ist bis auf die am rechten bzw. linken Bühnerand positionierten Multiinstrumentalisten Chris Funk und Jenny Conlee inzwischen niemand mehr von der Besetzung des 2003er Werkes "Her Majesty" in der Band. Die Neuzugänge erwiesen sich allerdings als echte Verstärkung. Bassist Nate Good hielt sich zwar auf der Bühne eher bedeckt, schreibt aber immerhin das Online-Tourtagebuch, Drummer John Moen war in Portland auch schon in jeder nur erdenklichen Band und spielt mit entsprechend viel Routine und Können, und Geigerin / Harmoniesängerin Petra Haden war neben Meloy die wichtigste Musikerin auf der Bühne und weit mehr als "nur" ein hochkarätiger Gast.
Nachdem zuerst das Duo Two Gallants aus San Francisco im proppevollen Gebäude 9 mit spröde-charmantem Garagenfolk mit einem Hauch von Country und Vorkriegsblues im Sitzen das Publikum gut auf Betriebstemperatur gebracht hatte, schlurften Meloy und die Seinen um kurz nach zehn auf die Bühne, brauchten ewig, um sich die Instrumente zu greifen, und erklärten noch vor dem ersten Lied entschuldigend, dass der Beginn der Show für gewöhnlich professioneller sei. Doch zum Glück war nur der Beginn etwas verhalten. Wie schon in Amerika lag das Hauptaugenmerk auf dem ausgezeichneten neuen Album "Picaresque". Doch nicht nur, weil es an Songs wie "The Infanta" (als Opener auch des Konzertes), "We Both Go Down Together", "The Engine Driver" oder dem etwas umständlich als neue Single angekündigten "16 Military Wives" zwischen textlich trostlosem Kammer-Pop und sanfter Folklore rein gar nichts auszusetzen gab, kamen die Zuschauer Publikum voll auf ihre Kosten. Schließlich wurde nicht nur jede Menge popmusikalisch eher ungewöhnliches Instrumentarium, vom Schifferklavier über den Kontrabass bis zum Banjo, eingesetzt, es gab auch eine ganze Reihe spielfreudiger Abstecher in die Vergangenheit: "Billy Liar" tauchte auf, mit "Los Angeles I'm Yours" wurde ein Abstecher nach Kalifornien gemacht, und sogar den Ohrwurm "July, July" aus dem Debütalbum "Castaways & Cutouts" gab's zur hören.
Die größte Überraschung war allerdings wohl das Auftauchen eines Songs aus der Debüt-EP "Five Songs". Eingeleitet durch eine lange, aber nicht langatmige Geschichte über das heißgeliebte und sogar mit einem Namen ("Madeleine") versehene Fahrrad eines in England weilenden Freundes, das aus Meloys Obhut gestohlen wurde, spielte der Decemberists-Vordenker doch tatsächlich "The Apology Song" solo, nur mit der Akustikklampfe als Begleiter. Klar, dass da nach "California One / Youth And Beauty Brigade" nicht Schluss sein konnte und eine Zugabe hermusste. In Amerika spielen The Decemberists inzwischen in einer Liga, in der vierstellige Besucherzahlen keine Seltenheit mehr sind. Diesem Konzert in Köln und den Reaktionen des übrigens ziemlich bunt gemischten Auditoriums nach zu urteilen, hierzulande bald auch. Und verdientermaßen dazu, denn das war ein wirklich SCHÖNES Konzert - im wahrsten Sinne des Wortes.

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Surfempfehlung:
www.decemberists.com
www.twogallants.com
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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