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Simultan übersetzter Pop

Nice Man & The Bad Boys
Björn Kleinhenz

Münster, Gleis 22
06.12.2005
Nice Man & The Bad Boys
Letztens erzählte uns Mastermind Francis Macdonald noch, dass er den Bandnamen Nice Man & The Bad Boys inzwischen gar nicht mehr gut fände und ihn am liebsten gegen etwas anderes austauschen würde. Das wäre schade, denn beim Auftritt auf seiner von Gaesteliste.de präsentierten Tournee in Münster zeigte sich, dass der Name eigentlich perfekt passt. Nach zwei Jahrzehnten bei Teenage Fanclub und BMX Bandits verbindet Macdonald nämlich nur nicht zur songwriterisches Können und schottische Liebenswürdigkeit, er ist auch im besten Alter, während seine drei Begleiter in der Tat noch als "Jungs" durchgehen - aber keinesfalls schlechte. Mit ihrem neuen Album "The Art Of Hanging Out" ("Wir arbeiten noch daran, diese Kunst zu erlernen" - Macdonald) im Gepäck machten die vier Herren aus Glasgow von Anfang an klar, dass sie gedachten, mit dem Publikum zusammen Spaß zu haben.
Nice Man & The Bad Boys
Ohne ein Wort legten sie gleich mit "Love Is A Game For Two To Play" los, bevor dann Macdonald in Entertainermanier während des Intros die Zuschauer begrüßte und sie wissen ließ, dass der erste Auftritt in Hamburg gut gewesen sein, der zweite in Kiel besser, dass aber dieser hier in Münster ohne Frage der beste werden würde. Und das glaubte man dem Wuschelkopf aufs Wort, denn für alle, die Schwierigkeiten mit dem schottischen Akzent der Band hatten, übersetzte Macdonald die Songs, wo es nur ging, simultan in eine Art Amateurversion der Gebärdensprache - ohne auch nur einen Akkord auf der Gitarre zu verpassen. Und so oft er auf sein Herz deutete oder die Arme ausstreckte, wurde selbst denjenigen, die es mit der angelsächsischen Mundart nicht so haben, klar: Hier werden fröhliche, klassische Popsongs über Liebe und Herzschmerz gesungen.

Natürlich gab's auch Songs vom ersten Nice Man-Werk "Sauchiehall And Hope" ("Eine Pop-Oper, wie damals 'Tommy'!", erklärte Macdonald augenzwinkernd) zu hören, von dem die Band leider keine Exemplare zum Verkauf mitgebracht hatte. "Aber das Internet ist ja eine solch wunderbare Sache – einfach www.amazon.co.uk eintippen, und für 10 Taler gehört das Album zu Weihnachten schon euch." SO macht man charmant Werbung für seine Produkte! Werbung für Nice Man war natürlich auch das Konzert. Denn egal, ob eher bedacht à la Jonathan Richman bei "Back In Your Heart" oder als Verbeugung vor den Ramones kompakt-krachig bei "One Minute Of Your Time", die vier verströmten jede Menge Freude im Saal. Dass das letztgenannte Lied seinem Titel zum Trotz nur 45 Sekunden dauerte, trug sicherlich auch mit dazu bei. Auch amüsant war, zumindest für die Zuschauer, wie Macdonald von seiner Midlife Crisis erzählte. Es sei nämlich kein Spaß, die ersten grauen Haare im Spiegel zu entdecken, und immer, wenn er ein kleines Punkrockmädchen auf der Straße sehe, würde er sich wünschen, noch mal 15 Jahre jünger zu sein. Und er wäre nicht der Nice Man, wenn er mit "Punk Rock Girl" nicht auch gleich einen Song darüber geschrieben hätte. Überhaupt waren Frauen natürlich der Hauptgegenstand seiner songtechnischen Untersuchungen: Frauen als Affen ("She's A Monkey"), spanische Senoritas ("Hola Paloma") und sogar deutsche Mädels ("Fräulein").

Nice Man & The Bad Boys
Letzteren Schmachtfetzen hatte übrigens auch einst schon Townes Van Zandt gesungen, und so bewies Macdonald Sinn für Kontinuität, denn im Vorprogramm hatte es neben dem etwas langatmigen Daniel Benjamin & Band auch den schwedischen Vorzeige-Songwriter Björn Kleinhenz samt Kleincombo zu hören gegeben, der nicht nur als Gitarrist imposant war, sondern die feinen Folksongs seines neuen Albums "Trans Pony" gekonnt mit Coverversionen mischte, die seine musikalischen Wurzeln gut akzentuierten. Zum einen spielte er nämlich eine Nummer von Ben Gibbard, zum anderen brachte er als Zugabe "Pancho & Lefty" von eben jenem Townes Van Zandt. Macdonald hatte derweil auch noch einen Ausflug in seine musikalische Vergangenheit parat, indem er "I Wanna Fall In Love" von den BMX Bandits auf die Setlist gesetzt hatte. Nostalgisch war's dennoch nicht, eher schon zeitlos schön.
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www.kleinhenz.se
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-

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