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Konzert-Bericht
 
Dur, und Moll und dazwischen

The White Birch

Essen, Grend
11.01.2006

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White Birch
"Da gibt es z.B. durfarbene Soundlandschaften, die aber zugleich auch mollig erscheinen. Ebenso finden sich prinzipiell düstere Songs, die andererseits Optimismus ausstrahlen. Kühle Eleganz paart sich mit organischen Zutaten, und fließende Wellenbewegungen scheinen still im Raume zu verharren." So beschrieb Ullrich Maurer vor einiger Zeit "Come Up For Air", das neue Album von The White Birch. Ähnlich beeindruckt wie der Kollege zeigte sich im Essener Grend auch das Publikum vom Auftritt der norwegischen Band um Ola Fløttum.
Denn dieser Auftritt war alles andere als gewöhnlich. Zu fünft war die Band letzte Woche daheim aufgebrochen, doch ihr zweiter Gitarrist musste schon nach einer Hand voll Konzerte die Heimreise antreten: Seine Lebensgefährtin war krank geworden, und er wurde zu Hause gebraucht, um das gemeinsame Kind zu hüten. Also setzte sich das verbleibende Quartett zusammen, warf das komplette Programm über den Haufen und arrangierte die Stücke für die Viererbesetzung um. Die zusätzlichen Marathonproben und die Non-Stop-Fahrt von München nach Essen hatten allerdings zur Folge, dass Ola seine Stimme fast völlig verlor. Aber anstatt den Auftritt in Essen zu canceln, erklärte der für den Großteil des Abends zum Multiinstrumentalisten "beförderte" Bassist und Texter Ulf Rodge den Anwesenden kurz die Situation, übernahm auch sonst alle Ansagen und überließ es Ola, die Songs noch mehr zu flüstern, als er dies ohnehin tut. Ein ungewöhnlich andächtiges und leises Publikum half ihm allerdings auch dabei, den Abend durchzustehen.
Trotz der widrigen Umstände wurde es dann ein wirklich schönes Konzert, bei dem die rund 75 Minuten, die The White Birch auf der Bühne standen, wie im Fluge vergingen - obwohl, oder gerade weil ihre Songs so langsam sind. Trotzdem herrschte auf der Bühne eine geradezu ungewohnte Fröhlichkeit, da die vier bei jedem kleinen Fehler - und davon schlichen sich unweigerlich einige ein - zu grinsen begannen und sich über Songs wie "New Kingdom" ganz besonders freuten, vermutlich, weil dabei nur ein Minimum umzuarrangieren war. Mit der einzigen erkennbaren Uptemponummer, "Your Spain", sollte das Konzert dann eigentlich enden, doch ruckzuck waren die vier für eine Zugabe zurück auf der Bühne - "auch wenn der Arzt das vermutlich gar nicht gerne sehen würde", wie Ulf anmerkte. "Wir haben versucht, Ola zu stoppen, aber er ließ sich nicht aufhalten. Woraufhin der kränkelnde Sänger schelmisch meinte: "Ihr müsst es dem Arzt ja nicht sagen". Ein wirklich typisches White Birch-Konzert war es wohl nicht, ein sehr schönes aber allemal. Der nächste norwegische Leisetreter hat sich derweil bereits im Grend angekündigt: Am 10.03.06 schaut St. Thomas vorbei.

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Surfempfehlung:
thewhitebirch.one.no
Text: -Simon Mahler-
Foto: -Simon Mahler-


 
 

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