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Thank You Friends!

Big Star

Utrecht, Tivoli
21.02.2006

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Big Star
Seien wir doch einmal ehrlich: Fast sämtliche Künstler, die selbst mit viel Wohlwollen nicht mehr als Berufsjugendliche durchgehen, stehen aus genau zwei Gründen immer noch auf der Bühne. Die einen können einfach nicht ohne das Scheinwerferlicht und das Publikum leben (sonst würden Musiker wie Bob Dylan oder B.B. King wohl kaum auch im Rentenalter noch 100 oder mehr Konzerte pro Jahr absolvieren, und selbst die Rolling Stones würden zu Hause bleiben), und die anderen brauchen schlicht und ergreifend das Geld. Für Big Star - und das allein macht die Band schon zu etwas Besonderem - gilt keines von beidem.
Gallionsfigur Alex Chilton ist finanziell durch diverse lukrative Coverversionen und die regelmäßige Verwendung seiner Songs in US-Erfolgsfernsehserien und Werbespots finanziell unabhängig und zudem gesundheitlich seit Jahren so angeschlagen, dass er auch gar keine Tournee mit mehr als einer Hand voll Konzerten durchstehen würde. Es grenzte also an ein mittleres Wunder, dass er mit seinen Mitstreitern Jody Stephens, Jon Auer und Ken Stringfellow nun zu einer vorerst lediglich drei Daten umfassenden "Welttournee" aufbrach und dabei auch im altehrwürdigen Tivoli zu Utrecht Station machte, um Großtaten wie "September Gurls" vor rund 700 überglücklichen Menschen zu spielen.

Dass drei Viertel der Band tags zuvor das Falsche gegessen hatten und sich mit mehr oder minder schlimmen Auswirkungen einer Lebensmittelvergiftung herumschlugen (wie Stringfellow meinte: "Das gibt dir was zu tun - alle zehn Minuten"), war beim zweiten der drei Konzerte allerdings höchstens beim unerwartet verhaltenen Beginn zu spüren. Trotz eines Feuerwerks an Klassikern à la "In The Street" und "When My Baby's Beside Me" brauchte vor allem Chilton ein wenig Zeit, um sich in den Auftritt einzufinden, und Auer und Stringfellow beobachteten das Ganze mit sorgevoller Miene auch ernster als gewohnt. Spätestens allerdings mit der von Auer gesungenen Version des vom 1978 verstorbenen Big Star-Gründer Chris Bell geschriebenen "I Am The Cosmos" brach das Eis dann zusehends, das Publikum konnte der Band sogar verzeihen, dass Chiltons Gitarre ausgerechnet mitten in "Thirteen" den Geist aufgab (und Auer den Song mit einem ausgiebigen Notfall-Solo retten musste), und wurde mit massig verlorener Hits aus den legendären ersten drei Alben belohnt.

Ungefähr zur Hälfte des Auftritts beschloss Chilton dann, dass es Zeit sei, die Setlist über den Haufen zu werfen und stattdessen die Songs des letztjährigen Comebackalbums "In Space" auf der Livebühne anzutesten. Kein einfaches Unterfangen, denn die Band hatte seit der Aufnahme der Songs vor fast zwei Jahren nicht mehr zusammen gespielt, und die Proben für diese Kurztournee hatten sich nur auf den Soundcheck des Konzertes in Stockholm zwei Tage zuvor erstreckt - und das auch noch ohne Chilton, dessen Flieger nicht rechtzeitig eingetroffen war. Doch auch wenn nicht alles Gold war, was glänzte, die Feuertaufe meisterte die Band mit Bravour, denn selbst auf dem Album etwas matte Songs wie "Mine Exclusively" oder "Hung Up In Summer" wussten live richtig zu gefallen. Und das beste Stück der Platte, "Lady Sweet", war auch in Utrecht einfach nur umwerfend.

Das offizielle Set ging mit einer ziemlich wackeligen, aber dennoch willkommenen Fassung von "Big Black Car" und dem hymnischen "Thank You Friends" zu Ende, doch natürlich kamen die vier wieder auf die Bühne zurück. Chilton fragte, sichtlich gut gelaunt, das Publikum sogar nach Wünschen, und nachdem er mit dem Stimmengewirr nicht viel anfangen konnte, fragte er kurzerhand Stringfellow, ob er nicht eine Idee für einen Song hätte. Der hatte das Publikum besser verstanden und meinte: "Ich glaube, die Leute wollen 'Jesus Christ' hören", worauf Chilton nur lächelte und lässig meinte: "Hast du vielleicht auch noch eine GUTE Idee?"

In typischer Chilton-Manier ("Ich enttäusche euch jetzt alle") bestand die Zugabe dann aus dem Todd Rundgren-Cover "Slut" und drei brandneuen Stücken, von denen sich "Dony", mit auf die Monitorbox geklebtem Songtext, als richtiger Kracher erwies und das von Stephens gesungene "February's Quiet" nicht nur schön zu hören, sondern auch anzuschauen war. Es ist schon interessant, wie wenig Input Chilton bei einigen der neuen "In Space"-Songs hatte. Bei dieser Nummer zum Beispiel agierten eigentlich nur Stephens, Auer und Stringfellow, während Chilton am äußeren Bühnenrand lediglich ein wenig Rhythmusgitarre spielte.

Aber wer wie viel auf der Bühne zu diesem Konzert beitrug, war natürlich nebensächlich. Big Star waren am 21.02.2006 in Utrecht, und sie waren großartig, grandios, magisch!

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Surfempfehlung:
www.bigstarband.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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