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Klassisch

Jenny Lewis With The Watson Twins

Köln, Gloria
07.04.2006

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Jenny Lewis
Schon mal einen Klassiker wie "Tapestry" von Carole King aufgelegt oder "Blue" von Joni Mitchell und gedacht: Mist, 20 oder 30 Jahre zu spät geboren, die Tournee zu diesen Platten hätte ich gerne gesehen? Dann stehen die Chancen gut, dass es euch in zwei Jahrzehnten mit "Rabbit Fur Coat" von Jenny Lewis With The Watson Twins ganz ähnlich gehen wird. Nicht nur, weil die umwerfende Soloplatte der nicht zu Unrecht bereits als "Joni Mitchell des 21. Jahrhunderts" gefeierten Frontfrau von Rilo Kiley ohne Frage das Potential zum Klassiker hat, sondern weil nur ein spärlicher Haufen Zuschauer die Chance nutzte, sich Jenny und ihre sechsköpfige Band live anzuschauen.
Gähnend leer war es im Gloria zum Auftakt der Europatournee der Amerikanerin, und obwohl ihr Auftritt an sich wunderbar war, war der Abend alles andere als rund. Zuerst einmal waren 20 Euro Abendkasse für 55 Minuten Jenny selbst mit viel Wohlwollen zu viel. Außerdem fehlte die angekündigte Bestuhlung, was das an sich sehr schöne Gloria noch größer und leerer erscheinen ließ. Die Band kämpfte mit Jetlag, und dass beide Supportacts durch ihr Set hetzten, mehrmals nach der Uhrzeit fragten und dann - obwohl keinerlei Umbauten auf der Bühne nötig waren - 40 Minuten vergingen, bis Jenny auf die Bühne kam, war alles andere als schön.

Zurück zu den positiven Aspekten: Michael Runion, der später in Jennys Band Bass spielte, eröffnete den Abend mit Coffeehouse-Folk. Nett, unscheinbar und genauso schüchtern, wie man es ob seines alternativ-studentischen Aussehens erwartet hatte. Er nennt The Band und Townes Van Zandt als Vorbilder und klang auch ein wenig so.

Wenige Minuten später wurde es dann schon wesentlich unterhaltsamer: Jonathan Rice brauchte nicht mehr als eine Akustikgitarre (und Dave Scher von Beachwood Sparks an der Lapsteel), um uns mit jugendlich wildem Charme und einer Hand voll feiner Songs davon zu überzeugen, dass er vielleicht nicht der nächste Bob Dylan, zumindest aber der nächste Conor Oberst sein könnte. Mit leicht heiserer Stimme, einem Anflug von charmanter Konfusion bei den Ansagen und bisweilen richtig bösen Texten gab er den modernen Folkie des 21. Jahrhunderts und machte seine Sache so ausgezeichnet, dass er trotz des spärlichen Publikums am Ende sogar einen recht anspruchsvollen Singalong hinbekam. Sein bester Gag: Er kam auf die Bühne und stellte sich mit den Worten vor: "Hallo, ich bin Jenny Lewis".

Bis die auf die Bühne kam, sollte es wie gesagt noch ziemlich lange dauern, aber das Warten wurde reich beloht: Wie auch ihre Platte "Rabbit Fur Coat" startete das Konzert mit dem A-cappella-Stück "Run Devil Run", das Jenny und die Watson Twins ohne Mikro-Verstärkung sangen, während sie sich gemessenen Schrittes vom Bühneneingang zu ihren Plätzen auf dem Podium begaben. Danach stieg dann die komplette Allstar-Band - neben den drei erwähnten Musikern der Supportacts noch Jason Boesel von Rilo Kiley am Schlagzeug - ein und verzauberte mit ihrem Sound aus countryesker Singer / Songwriter-Seligkeit, dem die Watson Twins einen Schuss Gospel und Soul hinzufügten und Jenny Lewis ihre alles andere als fröhlichen Texte und Unmengen Charisma. Weil die Band ziemlich genau darauf achtete, die Songs so wie auf dem Album zu spielen, waren die Highlights zunächst vorhersehbar: "You Are What You Love" und "Melt Your Heart" machten einfach nur glücklich, das metaphernreiche "Rabbit Fur Coat", von Jenny ohne Band solo gespielt, sorgte für eine wahre Gänsehaut.

Schade nur, dass die Watson Twins sich bisweilen darauf beschränken mussten, fantastisch auszusehen: Zwar war gegen ihren Einsatz an Percussion, Autoharp oder Tamburin nichts einzuwenden, und die zwei wissen ohne Frage auch, wie man das Publikum dazu animiert, mit Geldstücken (!) im Takt mitzurasseln, aber gesanglich blieben sie zunächst etwas zu sehr im Hintergrund. Der Höhepunkt des Konzerts war die letzte der drei neuen Nummern, die Jenny mitgebracht hatte: "Jack Killed Mom" hieß das Stück, bei dem gegen Ende des rund 45-minütigen Mainsets endlich mal so richtig gerockt wurde. Nicht, dass es an diesem Abend darum gegangen wäre, das Publikum mit großer Lautstärke umzublasen, doch die Nummer - mit Jonathan Rice als Co-Leadsänger und Jenny am Wurlitzer-Piano - war ein wertvoller Kontrapunkt und klang wahlweise wie Bright Eyes oder The Band zu besten Zeiten, wenngleich mit mehr Gospel-Feeling.

Grandios dann die Zugabe: Zuerst standen nur Jenny und die Zwillinge im Halbkreis um ein einziges Mikro, um ohne die Band "I Met Him On A Sunday" von den großartigen Shirelles zu intonieren, und zum Abschluss gab es dann noch den Gospel "Jordan" als Duett von Jenny und Jonathan, bei dem sich Dave Scher zum Chor der Watson Twins gesellte. Schöner hätte das Konzert gar nicht enden können, nur etwas länger hätte es sein dürfen!

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Surfempfehlung:
www.jennylewis.com
www.myspace.com/lewiswithwatsons
www.johnathanrice.com
www.myspace.com/michaelrunion
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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